NID-/OBWALDEN: Kabel sind für Piloten ein Albtraum

Am Boden stört sich kaum jemand daran. Für Helipiloten jedoch bergen Transportseile grosse Gefahren. Vor allem im Engelbergertal hat es einige tückische Stellen.

Adrian Venetz
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Ein Rega-Heli kommt zwei Kabeln in der Luft bedrohlich nahe. (Bild: PD)

Ein Rega-Heli kommt zwei Kabeln in der Luft bedrohlich nahe. (Bild: PD)

«Unbenötigte Kabel und Seile bitte melden!» Diesen Aufruf macht die Rega im Informationsblatt der Gemeinde Engelberg. Dahinter steckt das Projekt Remove, das bereits seit einigen Jahren läuft. Ziel ist es, nicht mehr genutzte Kabel zu entfernen. «Seilbahnen und Kabel sind für Helikopter, aber auch für Segelflugzeuge und Gleitschirme eine grosse Gefahr», schreibt die Rega. «Beschädigungen durch Kabel und Seile können gar zum Absturz eines Helikopters führen.»

Kabel nicht im Kartenmaterial

Das Projekt Remove – englisch für «Entfernen» – sei bislang erfolgreich verlaufen, sagt Projektleiter und Rega-Pilot Beat Fahrni. «Aber es ist absolut wichtig, dass wir dranbleiben.» Noch immer seien viele Kabel und Seile gespannt, die nicht mehr benötigt würden, für Helikopter-Piloten aber eine grosse Gefahr darstellen. Wie heimtückisch solche Kabel sein können, weiss auch der erfahrene Rega-Pilot Corsin Sialm nur zu gut. «In der Zentralschweiz gibt es noch immer Unmengen von Kabeln, die für die Piloten kaum sichtbar sind» – besonders auch in Nidwalden an der Südseite des Stanserhorns, im Engelbergertal, in Ober­rickenbach, aber auch im Urnerland.

Corsin Sialm betont, dass die grösste Gefahr nicht von den Kabeln grosser Seilbahnen – beispielsweise der Titlis-Bahnen – ausgeht. Diese seien für die Piloten erstens bekannt und gut sichtbar, zweitens sind sie im elektronischen Kartenmaterial registriert. Will heissen: Der Rega-Pilot sieht auf seinem Bildschirm, wo die Kabel verlaufen. Auch grosse Hochspannungsleitungen sind aufgrund ihrer guten Sichtbarkeit kein grosses Problem. Viel riskanter sind Kabel und Seile von kleinen Bahnen – beispielsweise Heuseile von Bauern in Berggebieten, von denen es in Nidwalden zahlreich hat. «Für die Besatzungen sind solche Kabel praktisch nicht sichtbar», betont Sialm. Ein weiteres Problem: Kabel und Seile, die tiefer als 25 Meter in der Luft hängen, müssen den Behörden nicht gemeldet werden.

Auch Projektleiter Beat Fahrni sagt, dass jene Kabel und Seile, die nur wenige Meter über dem Boden gespannt sind, am problematischsten sind. Wenn ein Rega-Pilot einen Wanderweg nach einer vermissten Person absuche, müsse er ziemlich tief fliegen – und genau hier lauern eben die «unsichtbaren» Kabel.

Über 400 Seile schon entfernt

«Dank dem Projekt Remove wurden in der Schweiz schon rund 430 unbenötigte Seile und Kabel entfernt», sagt Fahrni. Auch bei Anlagen, die noch in Betrieb sind, könne man handeln – zum Beispiel, indem Kabelwarner angebracht werden. Beim Abbau von Seilen, Kabeln und Masten arbeitet die Rega mit Spezialisten der Luftwaffe zusammen. Auch die Flugsicherung Skyguide, das Bundesamt für Zivilluftfahrt und diverse Helikopterfirmen sind beteiligt. Für Besitzer ist der Abbau kostenlos.