Nid-/Obwalden
Samstags bleiben nun viele Briefe liegen

Viele Briefkästen der Post werden samstags nicht mehr geleert. Selbst ein mit A-Post frankierter Brief braucht so einige Tage, bis er beim Empfänger ist.

Matthias Piazza
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Auch dieser Briefkasten bei der Stanserhornbahn wird nur werktags geleert.

Auch dieser Briefkasten bei der Stanserhornbahn wird nur werktags geleert.


Bild: Eveline Beerkircher (Stans, 10. Juni 2021)

Wer will, dass der A-Post-Brief am nächsten Tag beziehungsweise am nächsten Werktag beim Empfänger ist, muss nun die Leerungszeiten der gelben Briefkästen genauer studieren. Seit dem 30. Mai leert die Post nämlich viele Briefkästen am Samstag nicht mehr. Beispiel Dorfplatz Stans: Jener Briefkasten wird am Freitag um 11 Uhr das letzte Mal in der Woche geleert, danach erst wieder am Montag zur selben Zeit. Wer den Brief also am Freitagnachmittag oder gar erst am Samstag dort einwirft, muss sich gedulden. Sein mit A-Post frankierter Brief wird erst am Dienstag beim Empfänger ankommen. Wer nicht so lange warten mag, muss die Briefkästen beim Bahnhof benutzen, welche werktags und sonntags geleert werden. Jener bei der Post wird montags bis samstags bewirtschaftet.

Der Stanser Gemeindepräsident Lukas Arnold zeigt sich dankbar, dass die Stanser damit immer noch die Möglichkeit haben, ihre Post am Wochenende aufzugeben. Für den Angebotsabbau habe er auch ein gewisses Verständnis, angesichts des grossen Rückgangs bei der Briefmenge. So nehmen nur noch 15 Prozent der Briefe den Weg über den gelben Briefkasten, wie die Post schreibt. In den vergangenen fünf Jahren sei die Zahl der Einwürfe um einen Viertel eingebrochen. Mit den kürzlichen Änderungen kann die Post gemäss eigenen Angaben einen Betrag im einstelligen Millionenbereich einsparen.

Kommunikation der Post wird kritisiert

Allerdings hätte Lukas Arnold von der Post eine bessere Kommunikation erwartet. «Wir wussten von dieser Änderung nichts.» Und auch die Öffentlichkeit sei darüber nicht ins Bild gesetzt worden. «Ich befürchte darum, dass vielen Leuten nicht bewusst ist, dass ihr Brief, den sie am Freitagnachmittag oder am Samstag einwerfen, erst am Montag seine Reise antritt.» Betroffen davon seien aber nicht nur Privatkunden. «Auch kleinere Unternehmen benutzen den gelben Briefkasten für ihre Post, die dann länger unterwegs sein wird, bis sie beim Empfänger angekommen ist.»

Auch sein Sarner Amtskollege Jürg Berlinger hätte sich eine bessere Kommunikation durch die Post gewünscht. Er habe von diesem Angebotsabbau nichts gewusst. «Dass wir auch von der Bevölkerung keine Rückmeldung erhielten, zeigt auch, dass der Leidensdruck nicht gross ist, in Zeiten, in denen immer weniger Briefe verschickt werden.» Er habe Verständnis, dass die Post auf den Nachfragerückgang reagiere.

Für die Lungerer Gemeindepräsidentin Bernadette Kaufmann ist der Abbauschritt der Post nachvollziehbar und für Lungern verschmerzbar. «Gemäss Auskunft des Pöstlers landen nur noch sehr wenige Briefe bei uns im Briefkasten. Die Leute geben ihre Briefpost in der Postfiliale beim Volg auf. Und das ist weiterhin auch am Samstag möglich.»

Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert Abbau

Etwas anders sieht dies Sara Stalder. Die Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz verurteilt gegenüber unserer Zeitung einen «weiteren Abbau des bereits stark reduzierten Briefkasten-Netzes.» Denn nicht alle seien im Stande, den zusätzlichen Weg zum nächsten Briefkasten mit samstäglicher oder gar sonntäglicher Leerung alleine zu bewältigen. Und um überhaupt herauszufinden, welche gelben Briefkästen wann bedient werden, müsse man sich im Internet gut auskennen. Auf der Website der Post sind die Standorte der Briefkästen und deren Leerungszeiten aufgeführt.