Nid-/Obwalden
So läuft die Nachsorge für die Abfalldeponie in Ennetmoos

Die Nachsorge für die alte Kehrichtdeponie Cholwald beschäftigt Nid- und Obwalden bis heute – und womöglich noch einige Jahrzehnte.

Markus Villiger
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Im Cholwald an der Strasse zwischen Alpnach und Ennetmoos steht in einem geeigneten Gelände eine Kehrichtdeponie, die in den 1960er-Jahren für den Kanton Nidwalden eingerichtet wurde. Ab 1973 konnte Obwalden seinen Abfall ebenfalls dort deponieren. Seit längerem darf jedoch kein Kehricht mehr im Cholwald deponiert werden. 2007 wurden die letzten Abfälle aus dem Unwetter platziert. Danach waren es Spezialabfälle wie belastete Erden aus Industriestandorten und Kugelfängen, Asche aus der Holzverbrennung und Industrieabfälle, welche noch in der Deponie 3 abgelagert wurden, bis auch diese gefüllt war. Die Deponien 1 bis 3, die gefüllt sind, unterstehen nun der Nachsorge von Obwalden und Nidwalden. Deponie 4, die nur von Nidwalden betrieben wird, ist für das Deponieren von Spezialabfällen bestimmt.

Im Bereich der Deponie 4 wird unter anderem die Asche von verbranntem Klärschlamm deponiert.

Im Bereich der Deponie 4 wird unter anderem die Asche von verbranntem Klärschlamm deponiert.

Bild: Robert Hess (Ennetmoos, 27. Oktober 2021)

«Sobald eine Deponie gefüllt ist, geht sie in die sogenannte Nachsorge über», erklärt Sepp Amgarten, Geschäftsführer des Entsorgungszweckverbands Obwalden (EZV OW), das diesbezügliche Prozedere. «Die Nachsorge bedeutet, dass die Deponie nach wie vor ständig überwacht werden muss.» Für diese Aufgabe ist Betriebsleiter Werner Huber zuständig. Bei der Überwachungsaufgabe wird beispielsweise das Deponiewasser – Grundwasser und Sickerwasser – der Deponien 1 bis 3 vom Cholwald gesammelt und periodisch auf verschiedene Stoffe untersucht. Das Wasser gelangt schliesslich in die Abwasserreinigungsanlage Sarneraatal, wo es gereinigt wird. Zudem wird das austretende Bodengas, verursacht durch den Abbau von organischen Stoffen, überwacht.

In die Deponie Cholwald werden auch speziell gezüchtete Mikroorganismen eingebracht. Zudem wird die Deponie belüftet, um den Abbau von organischen Stoffen zu verbessern. Dies alles geschieht, um möglichst rasch aus der Nachsorge entlassen zu werden. Beim Abbau von organischen Stoffen entsteht Methangas. Dieses wurde von den Deponien 1 bis 3 gefasst und verstromt. «Im Jahr 2011 wurde die Verstromung von Gas eingestellt, da zu wenig vorhanden war», wie Sepp Amgarten erläutert.

Nid- und Obwalden teilen sich die Kosten

Die Nachsorgekommission wird vom Nidwaldner Franz von Holzen präsidiert. Der Kommission gehört auch Dölf Scherl an, Präsident des Kehrichtverwertungsverbands Nidwalden. Von Obwalden sind Cornel Waldvogel, Präsident des EZV OW, und Sepp Amgarten in der Nachsorgekommission vertreten.

Der EZV OW hat 50 Prozent der Kosten dieser Nachsorge für alle drei ehemaligen Kehrichtdeponien zu tragen. Wie viel die gesamte finanzielle Belastung für Obwalden betragen wird, sei noch unklar, so Amgarten. «Dies kann nicht gesagt werden, da es nicht klar ist, wie lange die Nachsorge bei den einzelnen Deponien noch dauert und ob unvorhergesehene Kosten zukünftig noch entstehen.» Die durchschnittlichen jährlichen Kosten für die Nachsorge der drei Deponien betrugen seit 2016 für Obwalden rund 208'000 Franken, ebenfalls für Nidwalden.

Die Deponien 2 und 3 sind inzwischen bewaldet.

Die Deponien 2 und 3 sind inzwischen bewaldet.

Bild: Robert Hess (Ennetmoos, 27. Oktober 2021)

Wie Amgarten sagt, beginnt die Nachsorgephase einer Deponie nach dem Deponieabschluss und dauert 50 Jahre. Die kantonale Behörde kürzt die Nachsorgephase, sobald keine schädlichen oder lästigen Einwirkungen auf die Umwelt mehr zu erwarten sind. Dies heisst auch, dass keine organischen Stoffe mehr in der Deponie vorhanden sind.

In 43 Jahren kamen über eine Million Tonnen zusammen

Die deponierte Kehrichtmenge in der Deponie Cholwald wird für die Zeit von 1964 bis 2007, also während 43 Jahren, mit rund 1,107 Millionen Tonnen ausgewiesen. Aufgrund des Deponierungsverbots für Kehricht müssen auch Ob- und Nidwalden ihren Müll seit 2007 thermisch verwerten – also in einer Kehrichtverbrennungsanlage (KVA) entsorgen lassen.

Bis Ende 2014 wurde ein Drittel des Kehrichts aus den beiden Kantonen in der KVA Ibach und zwei Drittel in der KVA Oftringen verbrannt. Dem für die KVA Oftringen bestimmten Kehricht wurde in der Deponie Cholwald das Metall entnommen, danach wurde der Abfall geschreddert und auf einen Lastwagen umgeladen. Seit dem Jahr 2015 wird sämtlicher Kehricht aus Ob- und Nidwalden in der KVA der Renergia Zentralschweiz AG in Perlen verbrannt. Im Jahr 2020 gelangten allein aus Obwalden rund 7700 Tonnen Kehricht nach Perlen.

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