Nid- und Obwaldner Schüler tauchen in die Welt der Druckereiberufe ein

Was macht ein Medientechnologe? Wie sieht der Arbeitsalltag eines Polygrafen oder Printmedienverarbeiters aus? Am Montag öffnete Engelberger Druck die Türen für Nid- und Obwaldner Achtklässler.

Matthias Piazza
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Drucktechnologe Mathias Lussi erklärt den Nid- und Obwaldner Achtklässlern das Druck-Handwerk.

Drucktechnologe Mathias Lussi erklärt den Nid- und Obwaldner Achtklässlern das Druck-Handwerk.

Bild: Matthias Piazza
(Stans, 5. Oktober 2020)

Er gehört in den meisten Haushaltungen schon seit Jahren zur üblichen Wohnungseinrichtung. Doch so einen Drucker haben die Jugendlichen wohl noch nie gesehen. Mannshoch und mehrere Meter lang ist das Ungetüm. Auch die Behälter, die man von zu Hause als Tonerpatronen kennt, sind ein x-Faches grösser. Hier werden auch nicht ein paar Blätter für den Privatgebrauch gedruckt. Hier ist Drucken ein Geschäft. 40 Ob- und Nidwaldner Achtklässler sind an diesem Montagnachmittag zu Besuch bei der Engelberger Druck AG in Stans. Am Berufsinformationstag der Berufs- und Studienberatung Nidwalden und der Berufs- und Weiterbildungsberatung Obwalden erfahren sie aus erster Hand, wie eine Broschüre entsteht, was ein Medientechnologe, eine Polygrafin und Printmedienverarbeiter genau macht, wie die Farbe aufs Papier kommt, was Keile, Greifer und Mittelmass sind. Teilweise ist es laut. Unter Hochdruck spucken die Maschinen die Druck-Erzeugnisse aus: Visitenkarten, Broschüren, Kataloge oder was der Kunde auch immer wünscht. Für viele Jugendliche ist es der erste hautnahe Kontakt mit der Arbeitswelt.

«Es war cool, man bekommt einen guten Eindruck von den Druckereiberufen», zieht Elly Wyrsch (13) aus Sarnen am Nachmittag eine Zwischenbilanz. Sie habe sich für den Besuch bei Engelberger Druck entschieden, weil sie sich für einen Beruf mit Gestalten interessiere.

Berufsinformationstage sind beliebter geworden

Seit gut 20 Jahren bieten die Berufsbildungsämter Nid- und Obwaldens diese halbtägigen Berufsinformationstage (BIT) an. Sandra Portmann, Leiterin der Berufs- und Studienberatung Nidwalden, spricht bei den Berufsinformationstagen von einem wertvollen Puzzleteil im Berufswahlprozess zusammen mit Schnupperlehre (in der Regel im selben Schuljahr) und dem Ausloten der Stärken und Schwächen im siebten Schuljahr. «In einem halben Tag lernen die Jugendlichen einen Beruf aus nächster Nähe kennen und können im Idealfall auch selber ein bisschen Hand anlegen», erzählt sie.

Das Angebot, das von Jugendlichen, Eltern, Betrieben und Lehrpersonen gleichermassen unterstützt und geschätzt werde, erfreue sich dieses Jahr besonderer Beliebtheit. Mit 337 Jugendlichen nähmen dieses Jahr gut 12 Prozent mehr am BIT teil als im vergangenen Jahr. Viele würden mehrere Berufe besuchen. Man habe darauf geachtet, dass sämtliche 22 Berufsfelder abgedeckt seien. Dies sei mit 64 Veranstaltungen in 39 beteiligten Lehrbetrieben auch dieses Jahr wieder gelungen: «Die Jugendlichen können die verschiedensten Berufe kennen lernen, so auch Tierpfleger, Raumausstatterin, Polymechaniker, Logistiker, Zeichnerin. Auch Berufe in der Gastronomie und im Gesundheitswesen sind vertreten.»

«Für Nachwuchsförderung muss man etwas tun»

Ganz uneigennützig bietet die Engelberger Druck AG diesen Berufsinformationsnachmittag nicht an, wie Geschäftsinhaber Edi Engelberger ausführt: «Wegen der geburtenschwachen Jahrgänge blieben im vergangenen Jahr 120 Lehrstellen im Kanton Nidwalden unbesetzt. Für Nachwuchsförderung muss man etwas tun. Ein solcher Berufsinformationstag ist dafür eine gute Gelegenheit: Schulabgänger erhalten innert kurzer Zeit einen guten Einblick in unsere Berufe», sagt der ehemalige Präsident des Gewerbevereins Nidwalden, der noch immer im Vorstand ist. So hätten schon einige Lehrlinge dank des BIT zu ihrem Traumberuf gefunden. Und in den vergangenen Jahren habe man die neun Lehrstellen im Betrieb auch immer gut besetzen können.