NIDWALDEN: 20 000 Besucher am Zweitakt-Spektakel

Wieder ein neuer Besucherrekord: Alle zwei Jahre pilgern Tausende an die Teffli-Rally nach Ennetmoos. Teilweise inzwischen sogar aus dem Ausland.

Adrian Venetz
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Einige sind schnell (rechts oben), andere kreativ (links) – so auch Adrian Burch im Avatar-Teffli mit seinen Kollegen Lukas Egli und Stefan Halter (rechts unten). (Bilder Corinne Glanzmann)

Einige sind schnell (rechts oben), andere kreativ (links) – so auch Adrian Burch im Avatar-Teffli mit seinen Kollegen Lukas Egli und Stefan Halter (rechts unten). (Bilder Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

15 Jahre sind es her: Damals startete die erste Teffli-Rally als kleiner Anlass mit etwas über 1000 Besuchern. Seither finden die verrückten Rennen alle zwei Jahre statt. Eine wahre Erfolgsstory: Bei der Austragung 2013 pilgerten knapp 16 000 Zuschauer und Teilnehmer nach Ennetmoos. Der Anlass startet jeweils bereits am Freitagabend mit Musik und reichlich Partystimmung.

Packende Duelle auf dem «Dirty-Circle» in Ennetmoos (Bild PD / André A. Niederberger)
24 Bilder
Die Lokalmatadoren Melk Gut und Daniel Gygax als «GygaGuät» (Bild PD / André A. Niederberger)
Stilsicher auch beim Sprung «sexy Lexi» als Rennhause (Bild PD / André A. Niederberger)
Das Gelände aus der Vogelperspektive (Bild PD / André A. Niederberger)
Staub und Geknatter erhöhen den Pulsschlag. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Am Teffli Rally stehen die wilden Kerle am Start. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Spongebob und seine Freunde stürzen sich ins Getümmel. (Bild: Leserbild Barbara Küng)
Bergauf wird schon mal mitgeschoben. (Bild: Leserbild Barbara Küng)
Ein bärenstarker Typ auf dem Teffli-Trip. (Bild: Leserbild Regula Aeppli)
Die ganz Schnellen jagen um die Ecke. (Bild: barbara küng)
Eine Welle für alle mutigen Teffli-Piloten. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Ritter der Rennpiste unterwegs. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Teffli Rally am 29. August 2015 in Ennetmoos. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Er singt die Hymne auf die Teffli Rally: Karl Kreidler. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Trotz Leoprint-Outfit: Hier nimmt jemand das Rennen nicht tierisch ernst. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Keine Diskussion: Das Helmobligatorium wure berücksichtigt. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Ein Hase jagt um die Kurve. Der Igel ... ist schon da? (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Sie haben sich etwas einfallen lassen: Adrian Burch und zwei polyesterkundige Freunde. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Gleichentags, in Winikon: Auch hier knattern die zweitaktmotoren. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Er gibt Gas wie der Teufel und ist trotzdem hintendrein. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Grufti-Helm und Austronauten-Stiefel. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Die Mofafahrer drehen voll, aber voll auf. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Wenns dann regnen würde, wäre dieser Fahrer schon mal gut ausgerüstet. (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)
Das Maskottchen fährt mit. Obs geholfen hat? (Bild: Corinne Glanzmann /Neue LZ)

Packende Duelle auf dem «Dirty-Circle» in Ennetmoos (Bild PD / André A. Niederberger)

Gestern Nachmittag zog das OK ein erstes Fazit. Neuer Rekord: «Es sind rund 20 000 Besucher, vielleicht sogar etwas mehr», so Medienchef Christian Niederberger. Einen Grund für das ungebrochene Interesse an der Rally sieht Niederberger im Teffli selbst. «Die Szene ist in den vergangenen Jahren gewachsen. Viele wollen wieder ein richtig altes, originales Teffli besitzen.» Neben dem Nostalgie-Faktor sei aber auch das ganze Team hinter der Rally verantwortlich für den Erfolg. «Wir sind noch immer voller Enthusiasmus.» Auch der Ennetmooser Gemeindepräsident Peter Scheuber schreibt im 132-seitigen Festführer: «Die Teffli-Rally zählt mittlerweile zur grössten Veranstaltung im Kanton Nidwalden und bereichert die kulturelle Vielfalt massgebend.»

Sogar Österreicher mit dabei

Bereits um 11.30 Uhr wurden gestern die ersten Rennen gestartet. Erst am späten Abend finden jeweils die Finalläufe statt. Eines hat sich in all den Jahren allerdings nicht geändert. Die drei Hauptzutaten für eine gelungene Teffli-Rally bleiben: Dreck, Lärm und Benzingeruch. Garniert wird das Ganze mit einer zweitägigen Party mit Konzerten und Bars. Die rund 160 Teilnehmer stammen hauptsächlich aus der Region. Die Tatsache, dass zum Beispiel auch Österreicher, Basler und Walliser Teffli-Buebe nach Ennetmoos reisen, beweist aber, dass sich die Rally längst bis an die Landesgrenzen und darüber hinaus einen Namen gemacht hat.

Kategorie 3 – die Spassvögel

Ein Teffli-Bueb der ersten Stunde ist Adrian Burch (33) aus Stans. Bereits bei der ersten Austragung im Jahr 2000 war er dabei – und ist der verrückten Rally bis heute treu geblieben. Burch startet – meistens gemeinsam mit Kollegen – in der Kategorie 3. Das tönt langweilig und harmlos. Doch das Gegenteil ist der Fall. In der Kategorie 3 können die Teilnehmer nämlich so ziemlich alles auf die Rennstrecke bringen, was mit einem 3-rädrigen Teffli machbar ist. Hier geht es nicht um Geschwindigkeit, sondern um Kreativität und Erfindergeist. Vier Mal haben Adrian Burch und seine Kumpel schon den ersten Preis abgeräumt – ob mit Pferd und Gladiatorenwagen oder als riesiges Mammut. Heuer haben sie sich wieder für ein Motto aus der Filmsparte entschieden: Avatar.

Bis zu 300 Stunden ihrer Freizeit investieren Burch und seine Kollegen in die Entwicklung und den Bau eines neuen Gefährts, das danach schon eher einem Fasnachtswagen gleicht als einem Teffli. 3000 bis 4000 Franken kommen rasch einmal zusammen, um die nötigen Utensilien zu besorgen. «Jeder Franken und jede Minute Arbeit ist es wert», sagt Adrian Burch mit Blick auf die Begeisterung und Freude der Zuschauer vor Ort. Als Bauleiter hat er beruflich wenig mit Zweitaktmotoren zu tun, doch die Faszination ist geblieben. «Ich war früher nämlich ein richtiger Teffli-Bueb.»

In der Kategorie 1 (Motocross) startet Thomas Christen aus Ennetmoos – für ihn also ein Heimrennen. Hier sind schnelle Rundenzeiten gefragt. Die Rennleitung kontrolliert jedes Gefährt, bevor es auf die Strecke darf. Das Teffli darf kräftig «frisiert» sein, der Original-rahmen muss aber Hauptbestandteil bleiben. Der 23-jährige Christen war lange Zeit als Zuschauer an der Rally, 2011 durfte er erstmals selbst an den Start. Als Baumaschinenmechaniker kennt er sich mit dem Thema bestens aus. «Es ist schon beeindruckend, was man aus einem kleinen Teffli-Motörchen alles rausholen kann», meint er. «Am wichtigsten ist das genaue Arbeiten», verrät er sein Geheimrezept beim Frisieren. «Zylinder, Kolben, Vergaser – alle Komponenten müssen sorgfältig aufein­ander abgestimmt sein.»

Falsch wäre es zu glauben, dass das Teffli einfach möglichst schnell werden muss, um an der Rally die Konkurrenz abzuhängen. «Ein Teffli zu frisieren, bis es 90 Stundenkilometer fährt, ist kein Problem», sagt Thomas Christen. Aber das bringe bei der Teffli-Rally gar nicht viel. «Auf einer solchen Cross-Strecke ist die Kraft, die man auf die Räder bringt, viel wichtiger.» Und um dies zu schaffen, kommt man mit einer Bohrmaschine und ein paar Schraubenschlüsseln nicht weit. «Wenn man vorn dabei sein will, muss man schon um die 3000 Franken für Ersatz- und Zusatzkomponenten in die Hand nehmen.» Christen betont aber: An der Teffli-Rally stehe der Spass noch immer im Vordergrund. Was aber nicht heissen soll, dass jegliches Konkurrenzdenken in der Feststimmung flöten geht. Ganz wichtig sei stets vor allem eines, sagt Thomas Christen mit einem Augenzwinkern: dass die Nidwaldner besser abschneiden als die Obwaldner.

Rangliste: www.teffli-rally.ch Mehr Bilder von der Teffly-Rally Ennetmoos finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/bilder