Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

NIDWALDEN: Abfallsünder schonen eigenen Geldsack

Den Gemeinden machen Abfallsünder zu schaffen. Diese schmeissen ihren Müll in öffentliche Kübel anstatt in den Hauskehricht. Gestrafte sind die Steuerzahler.
Oliver Mattmann
Die Gemeinde Stans ruft zu Fairness auf: Hauskehricht gehört nicht in öffentliche Kübel. (Bild Corinne Glanzmann)

Die Gemeinde Stans ruft zu Fairness auf: Hauskehricht gehört nicht in öffentliche Kübel. (Bild Corinne Glanzmann)

Die roten «Suibr»-Kehrichtsäcke prägen seit der Einführung der Sackgebühr 2014 das Bild in den Containern und entlang der Strassen. Die Kehrichtmenge aus den Nidwaldner Haushalten ist seither stark zurückgegangen. Und ebenfalls erfreulich: Die Leute halten sich im Grossen und Ganzen ans neue Regime mit den kostenpflichtigen Säcken. «Ganz am Anfang sind an mehreren Orten noch schwarze Säcke ausgemacht worden», erinnert sich Paul Matter, Präsident des Kehrichtverwertungsverbandes. Das Problem habe sich aber schnell gelegt, nachdem die Säcke einfach stehen gelassen wurden, so Matter weiter. Heute gäbe es nur noch einzelne Fälle von schwarzen Schafen.

1,6 Tonnen mehr Abfall

Offenbar haben einige Leute aber eine andere Methode gefunden, um die Kosten für die «Suibr»-Säcke zu umgehen. Sie schmeissen ihren Hausmüll kurzerhand in öffentliche Abfallbehälter – zumeist in Einkaufstaschen oder anderen Plastiksäcken zusammengepackt. Peter Lussi, Leiter Werkdienst der Gemeinde Stans, rechnet vor: «2014 haben wir 1,6 Tonnen mehr Abfall aus den über 150 öffentlichen Güselkübeln geholt als im Vorjahr.» Die Zunahme sei grösstenteils auf die Sackgebühr zurückzuführen, ist Peter Lussi überzeugt. Dies hätten Beobachtungen von Abfallinhalten bestätigt. Im aktuellen Jahr gehe es im gleichen Stil weiter.

Zettel nützen bislang nichts

Laut Paul Matter ist das Phänomen nicht neu. «Ich habe aus anderen Kantonen mit der Sackgebühr ebenfalls schon von dieser Problematik gehört.» Dem Werkdienst sind gegen die fehlbaren Abfallentsorger praktisch die Hände gebunden. «Wir haben eine Zeit lang einige Behälter weggenommen, die gerne dafür missbraucht worden sind. Mit dem Resultat, dass sich das Problem auf andere Kübel in der Umgebung konzentriert hat», erzählt Peter Lussi. Nun haben er und sein Team auf anderem Weg an die Vernunft der Leute appelliert: Mit einem Zettel unmittelbar beim Abfallbehälter, auf dem klipp und klar steht, dass der Hauskehricht in die roten Säcke und nicht in die öffentlichen Kübel gehört. «Doch auch dieser Versuch hat bisher nicht gefruchtet», sagt der Werkdienstleiter konsterniert.

Problem auch anderswo aktuell

Die Gemeinde steht mit diesem Problem nicht alleine da. Auch die Zentralbahn (ZB) hat vor einiger Zeit an diversen Entsorgungsstellen entlang ihres Streckennetzes Plakate mit der Aufschrift «Keinen Haushaltsmüll deponieren» aufgehängt. Das Reinigungsteam an den Bahnhöfen habe entsprechende Beobachtungen gemacht, nennt ZB-Mediensprecher Peter Bircher den Grund für die Massnahme. Der Abfall werde dann jeweils verlesen, und wenn allfällige Adressen auftauchen, werde der Verursacher direkt kontaktiert. «Dies zeigt jeweils grosse Wirkung», so Bircher.

Betroffen sind aber auch andere Gemeinden. Zum Beispiel Buochs. Dort macht der Hauskehricht in öffentlichen Behältern rund 5 Prozent aus, wie Patrick Dommen, Leiter des Bauamts, auf Anfrage sagt. Angebrachte Hinweise an einem Teil der Kübel habe zu einer Verbesserung geführt, «trotzdem wird weiterhin konstant Hausabfall darin festgestellt».

Lieber im Kübel als auf dem Boden

Welche Massnahmen kommen noch in Frage? «Viele andere Möglichkeiten gibt es nicht», sagt Peter Lussi aus Stanser Sicht. Alle Abfallbehälter zu entfernen, ist für ihn keine Option. «Ich habe den Güsel lieber im Kübel als auf dem Boden.» Zudem sei es rein rechtlich nicht verboten, in den Behältern etwaigen Kehricht zu entsorgen. «Letztlich geht es aber um Anstand gegenüber denen, die sich richtig verhalten», so Lussi. Denn jedes Kilo Abfall mehr erhöhe die Kosten für die weitere Entsorgung, die am Ende die Gemeinde respektive der Bürger zu berappen habe.

Nun wird im kommenden Jahr auch das Sperrgut nur noch mit gebührenpflichtigen Marken abgeholt (siehe Ausgabe vom 28. April). Peter Lussi: «Ich habe die leise Befürchtung, dass es auch hier zu einem Anstieg von missbräuchlichen Entsorgungen kommen wird, um das eigene Portemonnaie zu schonen.»

Oliver Mattmann

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.