Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Alice findet durchs Wunderland zu sich

Nach einem Jahr Spielpause feierte das Kollegitheater Stans am Wochenende erfolgreich Premiere. Noemi Wyrsch inszeniert temporeich und modern.
Marion Wannemacher
Anpassungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden: An jeder Station erfährt Alice eine Behandlung. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 17. November 2017))

Anpassungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden: An jeder Station erfährt Alice eine Behandlung. (Bild: Marion Wannemacher (Stans, 17. November 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@nidwaldnerzeitung.ch

Was eignete sich besser als Schultheaterstück als eines, das den Jugendlichen selbst zum Helden hat? Mit viel Elan hat sich Noemi Wyrsch an «Alice im Wunderland», den Kinderbuchklassiker von 1865 des britischen Mathematikprofessors, Autors und Fotografen Lewis Carroll gemacht. Vielfach wurde dieser bereits als Schultheater umgesetzt. Die 27-Jährige schrieb dazu eine Mundartfassung. «Die Vorgabe war, einen Klassiker zu inszenieren. Für mich war es ein Stück mit ganz vielen spielerischen Möglichkeiten, das machbar war, ohne zu wissen, wie viele Spieler dabei wären», erzählt die Regisseurin. Um es vorwegzunehmen, sie hat ihre Möglichkeiten genutzt. Und dabei viele Ideen der Schüler umgesetzt.

Bereits der Einlass in den Theatersaal macht deutlich, dass hier kein konventionelles Stück in der Tradition der Guckkastenbühne zu erwarten ist. Ein Korridor mit einem kleinen Podest teilt den Zuschauerraum, das Publikum sitzt auf zwei Seiten, in der Mitte auf dem Podest eine schlafende Alice und ihre Schwester (Leonie Kirchgessner). Die Geschichte steigt mit einer Rahmenhandlung ein: Alice ist eingeschlafen, während ihr die Schwester vorliest. Sie träumt einen surrealen Traum voller Fantasiefiguren, der nun den Zuschauern präsentiert wird. Mal wird Alice durch den Genuss eines verzauberten Getränks oder Kuchens kleiner, mal grösser, bei jeder Veränderung treten weitere Ausgaben ihrer selbst auf den Plan: Corina von Holzen, Zoé Beck, Céline Helfenstein, Megan Dällenbach, Pascale Zürcher – Alice mal fünf.

Groteske Szenen erinnern an Absurdes Theater

Die Spieler nutzen den kompletten Raum zum Auf- und Abtreten, sind mal auf dem Balkon, im Parkett, auf der Bühne. Wie im Traum passiert viel, die Inszenierung ist temporeich und wirkt modern und frisch. Schlicht, aber wirkungsvoll setzt Brigitte Büchel die Kostüme um. Einen wesentlichen Anteil hat Dino Christen durch die musikalische Umsetzung der Komposition von Tom Waits, die der amerikanische Sänger und Komponist für die Theaterfassung von 1992 schrieb.

Wie im Absurden Theater haben die Spielfiguren etwas Marionettenhaftes. Groteske Szenen mit dem Charakter einer Performance folgen Schlag auf Schlag. Alice im Mehrfachformat lernt den Märzhasen (Tanja Niederberger) und den Hutmacher (Leonie Kirchgessner) bei einer verrückten Teeparty kennen, bei der ihr sinnlose Rätsel ohne Lösung aufgegeben werden. Sie wundert sich über eine grinsende Katze (Shadia Benkirane), die sie mit Smartphone umrundet, und deren Lächeln im Raum zurückbleibt. Sie erlebt eine albtraumhafte Gerichtsverhandlung, in welcher der Siebenschläfer (Alexandra Bretscher) von der Königin (in doppelter Ausführung Tanja Niederberger und Alissa Bonnelame) zum Tode verurteilt wird.

Die Regisseurin geizt nicht mit Symbolen: Der Schlüssel in die Zukunft, die Blumen, die Alice von jeder ihr begegnenden Traumfigur vom Kleid gerupft werden, die hektisch eingesammelten Plüschtiere, die den Verlust der Kindheit verdeutlichen. Das Stück lebt von poetischen Bildern.

Gelungene Parabel aufs Erwachsenwerden

Noemi Wyrschs «Alice im Wunderland» ist eine gelungene Parabel aufs Erwachsenwerden. Wie fühlt es sich im eigenen pubertären Körper an, der einem mal zu klein und dann gleich wieder zu gross vorkommt? «Wer bist du?», wird Alice immer wieder gefragt. «Was wollt ihr überhaupt, wer soll ich sein, damit ihr zufrieden seid?», fragt sie.

In einer Art Alice-Fabrik, in der sich Spiegel an Spiegel reiht, erfährt sie Anpassungen auf dem Weg zum Erwachsenwerden. Gegen diese wehrt sich zum Glück wenigstens eine ihrer fünf Ausgaben.

Der Rat der rauchenden Raupe (Leonie Kirchgessner) hilft Alice wirklich weiter: «Egal, wer du bist, bewahr die Fassung.» Soll heissen: Bleib du selbst. Das ist auch der Wunsch der Schwester für Alice: «Behalt dein reines Herz.» Am Schluss wacht Alice auf. Ein Wunderland gibt es (zum Glück oder Gott sei Dank?) nur im Traum.

Hinweis

Für die Aufführung vom Samstag, 25. November, 20 Uhr, sind noch Tickets erhältlich. Weitere Informationen und Vorverkauf unterwww.kollegitheater.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.