NIDWALDEN: Alle wollen Wachteleier

Die Familie Nickelt aus Obbürgen liebt Wachteln. Die Eier ihrer 38 «Damen» verkaufen die Nickelts im Internet. Mit Erfolg – zu den Kunden gehören auch grosse Hotels wie die Villa Honegg.

Franziska Herger
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Ariane Nickelt mit einer ihrer Wachteln im Wachtelschopf. (Bild: Franziska Herger (Obbürgen, 2. Oktober 2017))

Ariane Nickelt mit einer ihrer Wachteln im Wachtelschopf. (Bild: Franziska Herger (Obbürgen, 2. Oktober 2017))

Franziska Herger

franziska.herger@nidwaldnerzeitung.ch

Nur zehn Gramm schwer, braunweiss gesprenkelt, und voll mit Gutem: «Wachteleier sind richtige Gesundheitsbomben», sagt Ariane Nickelt. «Sie enthalten nicht nur viele Vitamine und Mineralstoffe, sondern auch essenzielle Aminosäuren.» Die Wachtelzüchterin erhält fast täglich ein Ei von jeder ihrer 38 «Damen» – japanische Legewachteln, welche die Familie Nickelt samt vier Hähnen seit August im «Wachtelschopf» auf dem Hof der Familie Odermatt in Obbürgen untergebracht hat.

Die Wachtelliebe der Nickelts begann vor zwei Jahren mit dem starken Heuschnupfen ihres achtjährigen Sohnes Lian. «Wir haben nach einer Alternative zu Spritzen und Medikamenten gesucht», sagt seine Mutter. «Von einer Freundin haben wir gehört, dass eine Wachteleierkur nützen könnte.» Drei Wochen lang täglich fünf rohe Eier in Orangensaft püriert, und Lian ging es viel besser. Die Nickelts waren überzeugt und hielten von da an fünf Wachteln auf dem Balkon ihrer Wohnung im Dorf Obbürgen. «Die Nachfrage wuchs schnell», erzählt Ariane Nickelt. «Freunde und Bekannte wollten ebenfalls Eier, daher haben wir weitere Tiere dazugekauft.» Heute liefern die gebürtige Norddeutsche und ihr Mann Matthias wöchentlich über 100 Eier aus, an Privatkunden, aber auch an die Villa Honegg auf dem Bürgenstock und das Hotel Krone in Buochs. Die Eier können im Internet bestellt werden, zu 5 Franken pro 12er-Karton.

15 Eier täglich sollen gegen Allergien helfen

Ein Wachtelei ist etwa drei Mal kleiner als ein Hühnerei. «Sie schmecken auch samtiger als Hühnereier und intensiver», sagt Nickelt. «Für mich steht aber die Heilwirkung im Vordergrund.» Seit dem Mittelalter wird Wachteleiern nachgesagt, dass sie den Organismus stärken. Ein wissenschaftlicher Beweis steht zwar noch aus, doch auch heute werden die Eier in der alternativen Medizin eingesetzt, um das Immunsystem zu stärken und Allergien zu lindern. «Ein Erwachsener sollte für eine Kur zwei Monate lang dreimal täglich fünf Eier zu sich nehmen», so Nickelt. Zur Vorbeugung reiche auch ein Wachteleierdrink pro Tag.

Damit die Wachteln wacker legen, erhalten sie in ihren geräumigen, zwei Meter hohen Gehegen täglich Körnerfutter, frisches Wasser und frisches Obst, Gemüse oder Grünzeug. «Sie haben auch ein Sandbad und Versteckmöglichkeiten, und wir halten nie mehr als 20 Wachteln in einem Gehege», sagt Nickelt. «Wenn man gut für sie sorgt, sind Wachteln sehr pflegeleicht.» Ihre Eier legen die Wachteln am Abend, meist quer verteilt durch das ganze Gehege. Im Winter haben die Vögel Legepause. Für die nächste Saison im Frühling sollen dann weitere zwölf Hennen dazustossen. Trotz der grossen Nachfrage will Ariane Nickelt ihr Wachtel­eiergeschäft aber nicht noch weiter ausbauen. «Es soll ein Hobby bleiben und Spass machen.»

Auch selbst gezüchtete Jungwachteln zum Verkauf

Die Schwimmlehrerin und ihr Mann, von Beruf Programmierer, züchten mit ihren drei Söhnen auch den Wachtelnachwuchs selber. Im Brutgerät hat es Platz für bis zu 40 befruchtete Eier, aus denen nach 16 bis 18 Tagen Wachtelküken schlüpfen. Die Jungwachteln werden verkauft, doch zunächst müssen sie sorgsam aufgezogen werden. «Wachteln brauchen viel Liebe», sagt Ariane Nickelt. «Unsere Kinder kuscheln gerne mit ihnen, so werden sie sogar handzahm.» Die Nickelts vermieten ein Brutgerät samt Käfig, Futter und Wärmeplatte auch an andere Wachtelfreunde. «Kinder sollten aber mindestens sechs Jahre alt sein, um mit Wachteln richtig umzugehen», warnt Ariane Nickelt. «Sie sind kein Spielzeug. Wenn die Eltern auch mitmachen, sind Wachteln aber ein wunderbares Haustier für die ganze Familie – und man hat fast das ganze Jahr über Ostern.»

Hinweis

Weitere Infos finden Sie unter www.wachtelschopf.jimdo.com