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NIDWALDEN: Als Pater und Pionier Spuren hinterlassen

Der Jesuitenpater Theodor Amstad gründete 1902 die erste Genossenschaftsbank Lateinamerikas. 115 Jahre später will die Sicredi-Gruppe, dem die 37 von ihm gegründeten Banken angehören, in ganz Brasilien aktiv werden.
Karl Horat
Dem Beckenrieder Theodor Amstad wurde in der Stadt Nova Petrópolis in Brasilien ein Denkmal errichtet. (Bild: PD)

Dem Beckenrieder Theodor Amstad wurde in der Stadt Nova Petrópolis in Brasilien ein Denkmal errichtet. (Bild: PD)

Karl Horat

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die kleine Oberschicht aus Kolonialherren und Grossgrundbesitzern beherrschte das noch dünn besiedelte Riesenland Brasilien, als 1885 der junge Nidwaldner Priester Theodor Amstad dort ankam. Erst drei Jahre später wurde formell die Sklaverei abgeschafft. Die erste «Republik» ab 1889 trug nur pro forma demokratische Züge: Durch Wahlmanipulation im Feudalherrschaftssystem wurde der grosse Teil der Bevölkerung von der Mitbestimmung ausgeschlossen und bewusst in Armut und Abhängigkeit gehalten.

Als Sohn des Nidwaldner Landesfähnrichs und Käsehändlers Joseph Maria Amstad wurde Theodor (1851–1938) in Beckenried geboren. Schon in der Primarschule bei den Ingenbohler Schwestern erwies er sich als geschickter Rechner. Im Spezereiladen seiner Mutter und seiner Grossmutter im Erdgeschoss des stattlichen Amstad-Hauses erlernte er bereits Geschäfts- und Buchführung. Lebensmittel für den täglichen Bedarf gab es, auch Zucker und Kaffee und gar ein paar Luxusprodukte wie getrocknete Feigen und Salami aus Italien. Der Vater expandierte seinen Käsehandel. Der Aufdruck «J. M. A.» auf den Laiben war im 19. Jahrhundert ein über die Schweiz hinaus geschätztes Label. Die christliche Einstellung zum Geld lebte Grossmutter Josi Christen vor. Nach ihrem Bibelverständnis war der geschuldete Betrag an die Taglöhner am Abend bereits deren Eigentum. Sie legte ihn jeweils fein säuberlich abgezählt aufs Fensterbrett.

Da als Nachfolger fürs elterliche Geschäft sein älterer Bruder Josef Mariä bestimmt war, studierte Theodor am Jesuitengymnasium Feldkirch in Vorarlberg. Er beschloss, selbst in die Gesellschaft Jesu einzutreten. So konnte er humanistische und philosophische Studien betreiben und arbeitete als Lehrer in Feldkirch, was ihm aber nicht lag. 1881 hörte er bei einem Besuch von Glaubensbrüdern in England von der ersten selbst verwalteten genossenschaftlichen Kreditkasse in Nordengland. Dieses Thema sollte später sein Leben prägen. Nach einem Theologiestudium in Sigmaringen (D) wurde er Priester und wurde wenig später von seinem Orden zur geistlichen Betreuung Tausender deutschsprachig-katholischer Auswanderer nach Südbrasilien entsandt.

Eingewanderte Bauern profitierten kaum

Schon 1900 gründete er als Selbsthilfeorganisation für die Kolonisten den Bauernverein zur Optimierung der landwirtschaftlichen Produktion. Die landwirtschaftliche Produktion Brasiliens war zu 80 Prozent für den Export bestimmt. Kaffee, Zucker, Tabak, Holz und Gummi brachten reichlich Devisen, halfen bei der Zahlung von Auslandsschulden und finanzierten die Regierung. Vom Exporthandel profitierten aber vor allem die Eliten, während eine nachhaltige Entwicklung der Bevölkerung ausblieb. Die ein­gewanderten Bauern bekamen kaum etwas davon ab.

1902 versammelte Theodor Amstad im Ortsteil Linha Imperial von Nova Petrópolis etwa 30 Bauern zur Gründung der ersten Genossenschaftsbank nach dem Raiffeisen-Prinzip in Lateinamerika. «Was einer allein nicht schafft, vermag die Gemeinschaft aller», war die zündende Leitidee. Erstmals gab es für die kleinen Pflanzer und Handwerker etwas finanzielle Sicherheit. 36 weitere solche Institute folgten in den Jahren darauf. Lange bevor Brasiliens Regierung 1907 das erste Gesetz über die Genossenschaften formulieren konnte, hatte Pater Amstad für seine Kassen ein solches bereits 1903 niedergeschrieben.

Schon damals Nachhaltigkeit propagiert

Er war überdies ein viel beschäftigter Schreiber: als Publizist und Redaktor deutschsprachiger Zeitschriften wie «Paulusblatt» und «Familienfreund». In seinem 1912 gegründeten Volksverein bestand er auf der Beteiligung von Frauen. Als früher Vertreter der Ökumene pflegte er zudem freundschaftliche Kontakte zur evangelisch-lutherischen Seelsorge in Rio Grande do Sul und arbeitete mit ihr eng zusammen – zu einer Zeit, als die Konfessionen eher auf Konfrontationskurs standen. Nachhaltigkeit stand ebenfalls auf seinem Programm: «Für jeden gefällten Baum ist ein neuer zu pflanzen», instruierte er die Bauern.

Die von ihm gegründeten genossenschaftlichen Darlehenskassen schlossen sich vor fast hundert Jahren zur Sicredi-Gruppe zusammen. Gegenwärtig gehören ihr 122 Kreditbanken an 1500 Standorten vor allem im Süden mit insgesamt mehr als 3,4 Millionen Kunden an. Von der gegenwärtigen Finanzmisere ist die Gruppe viel weniger betroffen als die kommerziellen Banken. Viele Kunden sehen in ihr einen Kontrapunkt zu fast unermesslichen Geldwäscherei-Skandalen, die das ganze Land erschüttern. Derzeit verfolgt die Gruppe ehrgeizig das Ziel, in ganz Brasilien aktiv zu werden.

Das Bild zeigt Theodor Amstad beim Erledigen von Schreibarbeiten (undatierte Aufnahme). (Bild: PD)

Das Bild zeigt Theodor Amstad beim Erledigen von Schreibarbeiten (undatierte Aufnahme). (Bild: PD)

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