NIDWALDEN: Angst vor Strom-Blackout soll kein Hindernis sein

Die Grünen fordern vom EWN nun klare Schritte in Sachen Energiestrategie. Derweil störte sich ein SVP-Vertreter im Landrat an den hohen Verwaltungsratslöhnen.

Oliver Mattmann
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EWN-Preise bleiben stabil. (Symbolbild / Neue ZZ)

EWN-Preise bleiben stabil. (Symbolbild / Neue ZZ)

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Die Zahlen sprechen für das Elektrizitätswerk Nidwalden (EWN). So erhöhte sich der Stromabsatz im Jahr 2016 um 1,3 Prozent auf knapp 297 Millionen Kilowattstunden, das Unternehmensergebnis stieg um 15 Prozent auf 8,6 Millionen Franken. Auch Regierungsrat Alfred Bossard stellte der Führung des kantonalen Stromversorgers an der jüngsten Landratssitzung vom Mittwoch ein gutes Zeugnis aus. «Das EWN konnte sich im letzten Jahr in einem sehr schwierigen Marktumfeld gut behaupten.»

Selbst die Grünen/SP, welche die Strategie des Unternehmens immer wieder kritisiert hatten, gaben in der Person von Leo Amstutz (Beckenried) ein Bekenntnis ab, «dass wir hinter dem EWN stehen». Er nahm aber sowohl Regierung als auch Verwaltungsrat in die Pflicht: «Das Volk hat die Energiestrategie 2050 angenommen, auch in Nidwalden. Die Angst vor einem drohenden Blackout darf die Verantwortlichen nicht dran hindern, diesen Weg einzuschlagen.» Er erlaubte sich indes die Frage, ob der Verwaltungsrat in der aktuellen Besetzung «überhaupt in der Lage dazu ist», wenn er daran denke, dass dieser bisher am Atomstrom festgehalten und gegenüber erneuerbaren Energien eine eher ablehnende Haltung eingenommen habe.

Regierungsrat glaubt an die Wasserkraft

Zu erwähnen gilt es in diesem Zusammenhang, dass das Elektrizitätswerk Ende 2016 eine Beteiligung an einem Wasserkraftwerksverbund in Graubünden sichern konnte, was zur Erhöhung des Eigenversorgungsgrades beitragen wird (wir berichteten).

Diesen Schritt wertete auch Alfred Bossard als positiv. Er zeigte sich überzeugt, dass «der Preis wieder steigen und die Wasserkraft als saubere Energiequelle in Zukunft eine wichtige Rolle spielen wird». Daher sei er klar der Ansicht, dass das EWN die verschiedenen Wasserkraftwerke behalten müsse.

Leo Amstutz hätte am liebsten, wenn das EWN bereits heute in weitere Wasserkraftwerke investieren würde, «damit wir rechzeitig bereit sind». Bekanntlich liegen derzeit einige Projekte in der Schublade, aus Rentabilitätsgründen hat das EWN diese aber noch nicht angepackt. An die Verantwortlichen gewandt – EWN-Verwaltungsratspräsident Silvio Boschian und Direktor Christian Bircher sassen als Zuhörer im Saal –, zeigte sich Amstutz überzeugt: «Wenn Sie es schaffen, den sprichwörtlichen Schalter auf Grün zu stellen, dann gelingt die Energiewende auch in Nidwalden.»

Auf eine andere «Wende» hofft derweil SVP-Landrat Martin Zimmermann (Ennetbürgen). So liess er in der Sitzung kein gutes Haar an den aktuellen Entschädigungen des fünfköpfigen EWN-Verwaltungsrats. Im Jahresbericht wird transparent gemacht, dass diese bei knapp 182 000 Franken lagen. «Bei dieser Summe stelle ich mir schon die Frage, ob die Vergütung nicht viel zu hoch ist oder der Verwaltungsrat wirklich so viel arbeiten muss.» Bei der Nidwaldner Sachversicherung (NSV), einer anderen öffentlich-rechtlichen Anstalt des Kantons, beliefen sich die Entschädigungen auf rund 65 000 Franken. Auch wenn die NSV nicht gleich grosse Strukturen habe wie ein EWN, sei die Differenz doch recht gross. Hier scheine das Motto «Wenn man nehmen kann, nimmt man» durchzuschimmern, das Volk zahle schon. «Ich bitte den Regierungsrat als Aufsichtsorgan, ein Augenmerk darauf zu legen, dass die Vergütungen nicht ins Uferlose gehen», forderte Zimmermann.