NIDWALDEN: Angst vor «versteckten Kosten»

Die Einführung des Lehrplans 21 werde keine hohen Kosten für Gemeinden und Kanton verursachen. Doch SVP-Landrat Christian Landolt traut der Regierung nicht ganz.

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Auch im Kanton Nidwalden hält der Lehrplan 21 Einzug (Symbolbild). (Bild Nadia Schärli)

Auch im Kanton Nidwalden hält der Lehrplan 21 Einzug (Symbolbild). (Bild Nadia Schärli)

OLiver Mattmann

Auch in Nidwalden ist absehbar, dass der Lehrplan 21 Einzug halten wird. Dieser zielt auf eine Harmonisierung der Volksschulen in den verschiedenen Kantonen ab. Dabei werden die Lerninhalte künftig in Form von Kompetenzen formuliert. Zusammen mit Obwalden, Uri und der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern sieht der Nidwaldner Regierungsrat eine Einführung auf das Schuljahr 2017/18 vor, heisst es in einer Antwort auf einen entsprechenden Vorstoss von Christian Landolt (SVP, Beckenried).

Dieser zeigte sich gestern im Landrat bedingt zufrieden damit. Ein Dorn im Auge ist ihm etwa, dass es den Gemeinden im Lehrplan 21 freisteht, altersdurchmischte Klassenstrukturen aufzubauen. In Anlehnung zudem an die drei wählbaren Modelle bei der Schuleingangsstufe, wogegen die SVP das Referendum ergriffen hat, über das am 14. Juni abgestimmt wird, meinte Landolt: «Dies alles steht entgegen der hochgelobten Harmonisierung.» Der Regierungsrat hatte indes in seiner Antwort festgehalten, «dass an der Führung der heute üblichen Schulklassen aufgrund des Lehrplans 21 keine Änderungen vorgesehen sind». An den gesetzlichen Vorgaben etwa über die Klassengrössen werde nicht geschraubt.

Weiterbildung wird intensiviert

In seiner Interpellation hatte Christian Landolt auch Befürchtungen geäussert, dass die Umstellung auf den Lehrplan 21 zahlreiche Kosten, zum Beispiel für neue Lehrmittel oder die Weiterbildung der Lehrerinnen und Lehrer, verursachen wird. Der Regierungsrat beschwichtigt in seiner Antwort: «Betreffend neue Lehrmittel sind keine nennenswerten Erhöhungen zu erwarten, da in Deutsch und Mathematik neue, kompetenzorientierte Lehrmittel schon heute im Einsatz stehen.»

Und zu den Weiterbildungen der Lehrerschaft meint der Regierungsrat: «Das übliche Angebot wird in den Jahren 2016 und folgende leicht reduziert, dafür werden die Leistungen für die Weiterbildungen zum Lehrplan 21 intensiviert.» In den Startjahren 2017 und 2018 seien zudem je 60 000 Franken mehr vorgesehen als üblich. Diese rühren vom Kurs an der PH Luzern für alle 520 Lehrpersonen, die den Kanton Nidwalden 120 000 Franken kosten.

Im normalen Budget unterbringen

SVP-Landrat Christian Landolt mag diesen Prognosen nicht ganz trauen. «Das ist massive Schönfärberei des Regierungsrates», nahm er gestern kein Blatt vor den Mund. Er erwähnte als Beispiel den Kanton Solothurn, der seit einigen Jahren mit neuen Französisch-Lehrmitteln arbeitet. Dort seien im Nachhinein «versteckte Kosten» etwa für elektronische Lernhilfen zum Vorschein gekommen, die Mehrausgaben zur Folge hatten.

Zwar räumt auch der Regierungsrat ein, dass in diversen Fächern die Lehrmittel für das Zeitalter des Lehrplans 21 erst erarbeitet werden und die anfallenden Kosten noch nicht beziffert werden können. Dennoch geht er davon aus, dass die Gemeinden die Anschaffung der neuen Lehrmittel im normalen Budgetprozess werden abhandeln können. Ausserdem sei die Einführung des Lehrplans 21 zudem mit keiner Erweiterung oder Änderung der Schulräumlichkeiten verbunden, was weitere Ausgaben ausgelöst hätte.