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NIDWALDEN: Aus Unsicherheit zögerlich informiert

Schafhalter kritisieren, zu spät über den Wolfsverdacht informiert worden zu sein. Auf der Alp lassen sie Vorsicht walten.
Ein verendeter Hirsch in der Nähe der Alp Fernital. Ob ein Wolf mit seinem Tod zu tun hat, ist unklar. (Bild: PD)

Ein verendeter Hirsch in der Nähe der Alp Fernital. Ob ein Wolf mit seinem Tod zu tun hat, ist unklar. (Bild: PD)

Martin Uebelhart

Am Samstag ist Beat Würsch mit 510 Schafen auf die Alp Fernital aufgestiegen. 170 der Tiere gehören ihm, der Rest sind fremde Tiere. Gegen einen allfällig herumziehenden Wolf ist er gewappnet: «Ich habe seit sechs Jahren zwei Herdenschutzhunde.» Während des Tages würde sich ein Wolf ohnehin nicht in die Nähe wagen, sagt Würsch. Zumindest nicht bei schönem Wetter: «Da kommt er nur in der Nacht. Ist es allerdings neblig und regnerisch, ist er auch am Tag unterwegs.» Die Alp erstrecke sich über 100 Hektaren und sei in fünf 20 bis 25 Hektaren grosse Weidesektoren unterteilt, sagt Würsch. «Am Abend nehmen wir derzeit die Tiere zusammen auf einen eingezäunten Bereich von etwa 200 auf 150 Meter.» Wie lange sie das noch machten, wisse er nicht und betont: «Auch im Herdenschutz gibt es keine hundertprozentige Sicherheit.»

Urner informierten per SMS

Dennoch hätte sich Würsch eine frühere Information der Schafhalter gewünscht. «Wir hatten an einer Informationsveranstaltung im Frühling in Alpnach angeregt, bei einem Wolfsverdacht früh informiert zu werden.»

Die Information am vergangenen Freitag sei erst nach dem Riss in Emmetten erfolgt. Acht Schafe waren in der Nacht auf vergangenen Freitag mutmasslich von einem Wolf angefallen worden (Ausgabe vom Samstag). «Der Wildhüter hat das gut gemacht. Er ist den ganzen Freitagmorgen herumgefahren und hat die Schafbauern telefonisch oder persönlich informiert», sagt Würsch. Allerdings sagt er auch: «Im Kanton Uri sind die Halter am Donnerstag mit einer SMS über den Wolfsverdacht informiert worden.» Hätten die Schafhalter in der Nähe der Kantonsgrenze vom Wolfsverdacht gewusst, hätten sie Vorsichtsmassnahmen ergreifen können. «Zum Beispiel die Tiere über Nacht in den Stall nehmen.» Verzögerung wegen Feiertag

Diese Benachrichtigung bestätigt der Urner Jagdverwalter Josef Walker auf Anfrage. «Wir haben am Donnerstagnachmittag eine Mitteilung über den seit mehr als einem Jahr institutionalisierten SMS-Dienst versandt, für den sich die Kleinviehhalter anmelden können.» Und der Kanton Uri informiere in solchen Fällen an sich auch die angrenzenden Kantone. «Am Donnerstag war Feiertag. Am Freitagmorgen haben wir die Nidwaldner Kollegen informiert. Da waren leider die vermuteten Wolfsrisse in Emmetten bereits Tatsache.»

Fabian Bieri, Abteilungsleiter Jagd und Fischerei beim Kanton Nidwalden, hält fest, dass im gegenseitigen Einvernehmen mit dem Landwirtschaftsamt entschieden wird, ob über einen Wolfsverdacht informiert wird. «Am Freitagmorgen haben wir nicht nur die umliegenden Schafhalter, sondern auch die Jagdverwaltungen der Nachbarkantone informiert», so Bieri.

Im Einzelfall sei es immer ein Abwägen, ob informiert wird. Erhärte sich aber der Verdacht auf ein Grossraubwild, werde informiert. Noch stehe nicht fest, ob der Wolf, der wohl in Emmetten die Schafe gerissen hat, der gleiche sei, der in Uri gesichtet worden ist. «Geradeso gut könnte sich das Grossraubwild in eine andere Richtung weiterbewegen», sagt er. Wenn der Kanton warne und dann doch kein Übergriff stattfinde, könne seitens der Bauern auch der Vorwurf aufkommen, jetzt habe man vergeblich Vorsichtsmassnahmen ergriffen, und es werde unnötig Angst verbreitet.

Wurde Hirsch vom Wolf gejagt?

Beat Würsch bezeichnet sich selber als dem Wolf gegenüber tolerant eingestellt. Eines ist für ihn klar: «Wenn wir informiert sind, setzen wir alles daran, die Schafe zu schützen. Wenn so der Wolf keine Tiere reisst, dann ist auch die Akzeptanz für ihn höher.»

Auf seinem Weg auf die Alp hat Würsch am Samstag in der Nähe der Schafalp einen verendeten Hirsch gefunden. Ein weiteres Zeichen, dass der Wolf in der Nähe ist? Laut Fabian Bieri könne man nicht sagen, ob ein Wolf mit dem Tod des Tieres – es ist offenbar abgestürzt – etwas zu tun habe. «Rissspuren fehlen und die Frassspuren deuten eher auf einen Fuchs hin.» Es sei denkbar, dass ein Wolf den Hirsch gejagt habe und dieser dabei zu Tode gestürzt sei. «Geradeso gut könnte er aber auch von einem Wanderer aufgeschreckt worden sein und dabei einen Fehltritt gemacht haben.» Ob die DNA-Untersuchung ein Resultat ergebe, sei fraglich: «Der Hirsch hatte bereits einen Tag lang an der Sonne gelegen.»

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