NIDWALDEN: Bahnausbau: Regierung hat Favoriten

Die Tunnelvariante für die Bahn-Doppelspur in Hergiswil ist für Baudirektor Hans Wicki nicht vom Tisch. Die Regierung will bald informieren, wie es weitergeht.

Martin Uebelhart
Drucken
Teilen
Noch fährt der Zug in Hergiswil nahe an Wohnhäusern vorbei: Wie lange noch? (Bild Corinne Glanzmann)

Noch fährt der Zug in Hergiswil nahe an Wohnhäusern vorbei: Wie lange noch? (Bild Corinne Glanzmann)

Eine kurze Szene in der «Arena» des Schweizer Fernsehens zur Abstimmung über den Bundesbeschluss über die Finanzierung und den Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) hat, wenn nicht Verwirrung gestiftet, so doch einige Fragen aufgeworfen. Ein Teilnehmer der Gegnerseite erwähnte bei den zusätzlich aufgenommenen Projekten einen «unterirdischen Bahnhof in Hergiswil» für 385 Millionen Franken. Peter Füglistaler, Direktor des Bundesamtes für Verkehr, entgegnete darauf, der Tiefbahnhof Hergiswil sei nicht im Programm: «Da haben wir nein gesagt.»

Der genannte Preis von 385 Millionen Franken passt zur Doppelspurvariante Tunnel lang. Diese Summe ist 2012 vom Steuerungsgremium kommuniziert worden. Diesem gehören Vertreter der Ob- und Nidwaldner Regierungen, der Gemeinde Hergiswil und der Zentralbahn (ZB) an.

Warten auf die Vernehmlassung

Ist also die Tunnelvariante der ZB durch Hergiswil vom Tisch? «Nein», sagt der Nidwaldner Baudirektor Hans Wicki. «Zumindest haben wir keine entsprechenden Signale. Doch das Projekt ist in der ersten Finanzierungsetappe für den Ausbau und Unterhalt der Bahninfrastruktur nicht enthalten.» Zunächst wolle die Regierung auf die Antworten zur Vernehmlassung der fünf Varianten warten, die beim Bund, den Kantonen Luzern und Obwalden sowie der Gemeinde Hergiswil laufe. «Es handelt sich um die drei bekannten Lösungen offene Linienführung, Tunnel kurz und Tunnel lang mit zwei Subvarianten», führt Wicki aus. Die Frist für diese Vernehmlassung endet im März.

Der Regierungsrat hat einen Favoriten. Ob aufgrund eines parlamentarischen Vorstosses bereits an der Landratssitzung von Februar preisgegeben wird, welches aus Sicht der Regierung die Bestvariante sei, lässt Wicki offen. «Ich möchte das Vorgehen erst noch mit meinen Regierungsratskollegen besprechen. Im Anschluss an die Vernehmlassung werden wir die Antworten auswerten, gegebenenfalls einfliessen lassen und einen Bericht zuhanden des Landrates verfassen», hält der Baudirektor fest.

Opposition gegen Matt-Schliessung

Einzelne Reaktionen hat auch Gemeindepräsident Remo Zberg auf die Erwähnung Hergiswils in der SRF-Fernsehsendung gehabt. Dass ein Tunnel in Hergiswil nicht in der ersten Etappe enthalten sei, habe man gewusst. Für ihn sei etwas anderes zentraler: «Ziel muss sein, dass die betroffenen Kantone gemeinsam mit der Zentralbahn und Hergiswil die Bestvariante aus den Vorschlägen herausschälen.» Das sollte aufgrund des in der Vernehmlassung vorliegenden Schlussberichts möglich sein, meint Zberg. Zu bevorzugten Varianten möchte er sich nicht äussern, betont aber: «Es gibt Varianten, die durchaus bezahlbar und auch etappierbar sind.» Viel mehr Reaktionen erhält Zberg wegen der faktischen Schliessung der Haltestelle Matt. «Täglich haben wir Kontakt mit erbosten Bürgern.» Die Gemeinde werde sich nochmals dafür einsetzen, dass anstelle des starren Viertelstundentaktes bei der S-Bahn zwischen Hergiswil und Luzern ein leichter Hinketakt zum Tragen komme. So könnte Matt wieder bedient werden. Laut Zberg würde dies zudem bessere Anschlüsse in Luzern gewährleisten. «Es braucht nur etwas guten Willen und Einigkeit der drei betroffenen Kantone. Dann wäre das realisierbar. Zumal es sich um eine befristete Lösung bis zur Realisierung der Bestvariante handeln würde», sagt der Gemeindepräsident.

Zur Vernehmlassung zu den Tunnelvarianten wird der Bund inhaltlich nicht Stellung nehmen. «Der erste Ausbauschritt bis ins Jahr 2025 ist von National- und Ständerat beschlossen worden», sagt Olivia Ebinger, Mediensprecherin des Bundesamtes für Verkehr (BAV). «Wir können nichts sagen zu Ausbauwünschen, die über diesen Parlamentsbeschluss hinausgehen.» Bis 2025 seien für den Abschnitt Luzern-Stans/Giswil 50 Millionen Franken für verschiedene Ausbauprojekte vorgesehen. Auf der anderen Seite werde mit der Vorlage zu Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) besser geregelt sein, was mit Zusatzwünschen geschehe. «Es ist dann möglich, diese in ein Projekt miteinzubeziehen. Die Differenz zu den vom Bundesparlament bewilligten Kosten müssten jedoch die beteiligten Kantone berappen, so Olivia Ebinger. «Das BAV kann nicht selber bestimmen, ob andere oder zusätzliche Projekte realisiert werden. Dazu braucht es einen Parlamentsbeschluss.»

Notwendigkeit und Wunsch

Ein solcher wäre mindestens in der Theorie auch für eine Tunnelvariante in Hergiswil denkbar. «Frühestens wäre das im nächsten Ausbauschritt 2030 möglich», sagt die Mediensprecherin. Das BAV hat den Auftrag, diesen Ausbauschritt zusammenzustellen und bis im Jahr 2018 dem Parlament vorzulegen. «In der Beratung entscheidet das Parlament dann, ob die Pläne wie vorgelegt durchkommen oder ob es Projekte hinzufügt oder herausnimmt.»

Die Tunnelvariante ist übrigens auch für Bundesrätin Doris Leuthard nicht vom Tisch, wie sie unserer Zeitung am Rande einer Veranstaltung zu Fabi in Stansstad erklärte. «Die Diskussionen dazu laufen. Doch man muss immer abwägen, was verkehrstechnisch notwendig und was der Wunsch der Bevölkerung ist. Die Mehrkosten für einen Tunnel wären erheblich.» Die Frage sei, wer für diese aufkommen würde, so Leuthard weiter. Dass sie von allen Steuerzahlern berappt würden, sei unwahrscheinlich.

Mitarbeit Oliver Mattmann