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NIDWALDEN: Bauern warnen vor Wolfsrudelbildung

Landwirte, Wanderer und Touristen müssten sich auf den Wolf und die von ihm ausgehenden Gefahren einstellen, schreibt der Bauernverband. Der Fachmann beim Kanton zeigt sich erstaunt.
Markus von Rotz
Ein Wolf im Tierpark Goldau: Das Raubtier gibt auch im Kanton Nidwalden zu reden. (Bild Romano Cuonz)

Ein Wolf im Tierpark Goldau: Das Raubtier gibt auch im Kanton Nidwalden zu reden. (Bild Romano Cuonz)

Markus von Rotz

Der Bauernverband Nidwalden wolle sich «einsetzen, dass die Bevölkerung objektiv informiert wird, welche Risiken und Gefahren die Präsenz von Grossraubtieren mit sich bringt». Gestern verschickte er eine ausführliche Mitteilung, erarbeitet durch den erweiterten Vorstand. Man habe sich dafür auch von Dieter von Muralt, Fachlehrer und Berater im Bereich Herdenschutz aus Schüpfheim, informieren lassen. Im Schreiben wird der Kanton Nidwalden schweizweit als «Gebiet mit erhöhtem Risiko von Wolfspräsenz» bezeichnet. Der Bauernverband geht auch ausführlich auf die möglichen Schutzmassnahmen und deren Vor- und Nachteile ein.

Rindviehherden als Gefahr

Einige der Schutzmassnahmen und Entwicklungen würden «für den Tourismus, den ländlichen Raum und die Berglandwirtschaft grosse Gefahren» bergen, heisst es im Papier weiter, ohne dass darauf eingegangen wird. Die konkreteste Gefahr sieht der Bauernvorstand offenbar in der Auswirkung der Wolfspräsenz auf Viehherden: «Von Natur aus haben Mutterkühe einen sehr starken Mutterinstinkt und Herdentrieb. Mit dem Auftreten des Wolfs und anderer Grossraubtiere verstärkt sich der Mutterinstinkt» laut dem Papier. Und die Konsequenz daraus: «Aggressives Verhalten gegenüber Eindringlingen jeglicher Art (Wanderer, Hunde usw.) kann sich entwickeln und zur Gefahr von Erholungsuchenden werden.» Ferner müssten wegen der Rudelbildung «auch Grossviehhalter in Zukunft mit möglichen Übergriffen der Wölfe rechnen».

Papier zum falschen Zeitpunkt

Etwas überrascht über das Papier des Bauernverbands zeigte sich gestern auf Anfrage Fabian Bieri, Leiter der Nidwaldner Fachstelle Jagd und Fischerei. Er war über das Schreiben der Bauern nicht informiert und ist auch nicht ganz glücklich darüber: «Das Ganze kommt für mich eher zu einem überraschenden Zeitpunkt, zumal in eineinhalb Monaten die Alpzeit schon wieder vorbei ist.» Er versteht auch den Hinweis auf die Gefahr von Wolfsrudeln nicht: «Im Moment gibt es bei uns noch keine Rudelbildung, und aufgrund der schweizweiten Beobachtungen rechnen wir auch in nächster Zukunft nicht damit.» Auch deshalb erstaunt Bieri die Aussage, dass Nidwalden ein erhöhtes Risiko durch den Wolf habe. «Andere Kantone wie Graubünden, St. Gallen oder das Tessin haben, teilweise mit Rudelbildung, eine ganz andere Ausgangslage.» Ob der Hinweis auf den wachsenden Mutterinstinkt stimme, wisse er nicht.

Bieri ist generell vorsichtig in seiner Wortwahl und betont gleichzeitig die gute Zusammenarbeit mit den Bauern und dem Landwirtschaftsamt. Er windet den Tierhaltern auch ein Kränzchen: «Auch dank den Bauern haben wir die Situation aktuell gut im Griff.»

Gleichzeitig zeigt der Amtsvorsteher «Verständnis für die Ängste der Bauern und der Alpbewohner». Man nehme diese ernst. «Die Wolfssituation wird kantonsübergreifend sehr genau beobachtet, und jedes Auftauchen eines Wolfs wird sofort auch den Bauern gemeldet. Der extra dafür eingerichtete SMS-Dienst findet bei den Schafhaltern grossen Anklang. Falls auch Grossviehhalter den Dienst nutzen wollen, steht er auch ihnen zur Verfügung», sagt Bieri.

Kalb in einem Stall gerissen

Laut dem Bauernverband riss im Frühling im deutschen Brandenburg ein Wolf ein Kälbchen, nachdem er in einen Stall eingedrungen war. «Frischgeborene, noch unbeholfene Kälber können von Wölfen angegriffen werden. In seltenen Fällen sind auch Übergriffe auf Rinder bekannt», heisst es in dem Schreiben des Bauernverbands weiter. Allerdings sei ein Angriff auf eine Rindviehherde mit Jungtieren «für Wölfe riskant» und komme nur in Gebieten mit erhöhtem Wolfsdruck vor.

Zum Fall Brandenburg verweist Bieri auf die Seite woelfeindeutschland.de im Internet. Die Organisation dahinter sei der Kora ähnlich, welche in der Schweiz Forschungsprojekte rund um Raubtiere betreibt und sich mit deren Zusammenleben mit dem Menschen befasst. Diese deutsche Organisation relativiert den Fall: Zwischen 2007 und 2015 seien in Brandenburg 78 Kälber als mögliche Wolfsopfer gemeldet worden, schlussendlich habe man den Wolf aber nur in 13 Fällen nicht als Urheber ausschliessen können. 2014 hätten derweil 568 000 Rinder 90 000 Kälber im Freien zur Welt gebracht, davon seien etwa 11 000 umgekommen, bevor sie sechs Monate alt waren. Eine Jugendsterblichkeit von 12 Prozent sei «alles andere als ungewöhnlich».

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