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NIDWALDEN: Bestand an Wildtieren nimmt zu

Es wird gezählt und gerechnet: Wie viel Wild gibt es im Kanton? Das Ergebnis ist vor allem für die Jäger von grossem Interesse.
Romano Cuonz
Sie kommen im Kanton Nidwalden immer häufiger vor: Die Wildzähler gehen davon aus, dass es dieses Jahr mehr Füchse gibt als in den vergangenen Jahren. (Bild Romano Cuonz)

Sie kommen im Kanton Nidwalden immer häufiger vor: Die Wildzähler gehen davon aus, dass es dieses Jahr mehr Füchse gibt als in den vergangenen Jahren. (Bild Romano Cuonz)

Romano Cuonz

«Ein wunderschöner Fuchs», ruft der frühere Wildhüter und Förster Hansruedi Amstad (67) erfreut und zeigt auf eine Bergwiese bei Volligen hoch über dem Vierwaldstättersee. Dort blinzelt ein schöner Fuchs einen kurzen Moment ins helle Licht, dann galoppiert er blitzschnell den Hang hinunter dem Wald zu. Amstad zählt in dieser Nacht mit zwei weiteren Männern Wildtiere.

Jedes Tier hat seine eigene Rubrik

Leiter der Gruppe ist Hubert Käslin (61), einer der Nidwaldner Wildhüter. Käslin nimmt das Papier mit dem Titel «Erfassen des Wildbestandes 2016» zur Hand. Sorgsam trägt er Ort, Datum und Zeit der Beobachtung ein. Auf dem vorgedruckten Bogen haben neben dem Fuchs auch das Reh- und Hirschwild, Hase, Dachs, Marder und übrige Tiere ihre eigenen Rubriken. Dritter Mann in der Wildbeobachtergruppe ist der Nidwaldner Forstingenieur Matthias Ott (30), zuständig für die waldbauliche Planung und die Aus- und Weiterbildung des Forstpersonals.

Wild ist nachts schwer zu sehen

Die Dreiergruppe fährt an diesem Abend zwischen 21 und 23 Uhr hinter Seelisberg eine definierte Strecke ab, parallel zum Vierwaldstättersee. Zuerst geht es vom «Äbnet» zur «Stäckenmatt», später von «Volligen» bis auf die Höhe des Seerestaurants «Schwibogen». Immer wieder stoppt Hubert Käslin den Geländewagen. Dann leuchten die Männer mit ihren Scheinwerfern in die Hänge. Wenn sie Wild entdecken wollen, brauchen sie neben einem guten Feldstecher auch grosses Geschick und eine gute Portion Erfahrung. Denn Rehe und Hirsche erkennt man im Nachtdunkel zunächst nur an den extrem hell leuchtenden Augen. Diese überstrahlen alles, wirken fast unheimlich. Guckt man genauer hin, lassen sich durch den Feldstecher unscharfe Silhouetten erkennen. Den erfahrenen Männern genügt dies schon, um festzustellen, ob sich um Böcke, Ricken oder Jungtiere handelt. Jedes Mal, wenn sie wieder eine Gruppe Rehe festgestellt haben, sieht man ihnen die Freude an. Ist aber an den Hängen gar nichts zu sehen, macht sich Enttäuschung breit. «Dafür, dass erwartetes Schalenwild an einem Ort vorübergehend oder auch ganz fehlt, gibt es heutzutage verschiedenste Gründe», sagt Hansruedi Amstad. «Das kann vom Vergrämen durch Gleitschirmflieger, Extrem-Mountainbiker, Wanderer abseits der Wege, Schneeschuhläufer bei Mondschein, Jogger und Nordic-Walker bis hin zur Bedrohung durch Luchs oder Wolf gehen.»

Zuverlässige Methode entwickelt

Im Verlauf der Jahre habe man bei der Wildzählung eine zuverlässige Methode entwickelt, sagt Hubert Käslin. Jedes Frühjahr, wenn das Schalenwild noch beisammen ist und in tieferen Lagen äst, wird die Zählung im Abstand von 14 Tagen an zwei Abenden durchgeführt. Rund 16 Dreiergruppen machen sich – nach einem fixen Plan auf den immer gleichen Strecken – auf den Weg: Etwa am Buochserhorn, Stanserhorn, in Oberrickenbach, auf dem Wiesenberg oder am Pilatus. Einer der Männer fährt jeweils, einer leuchtet und einer notiert. Es sind Wildhüter, Förster und Freiwillige des Patentjägervereins Nidwalden.

Bestand wird hochgerechnet

Wie aber ermittelt man ein einigermassen verbindliches Ergebnis? Hubert Käslin sagt: «Zum Rechnen nehmen wir stets die Zahl vom Abend, an dem wir mehr gezählt haben. Diese multiplizieren wir mit dem Faktor 3,5. Damit erhalten wir einen kantonal gültigen Bestand.» Würde nun die so ermittelte Zahl 300 betragen, zähle man davon die rund 70 Tiere Fallwild (überfahrene, von Raubwild gerissene oder krank verendete Tiere) des Vorjahres ab und komme auf 230 Tiere.

Die Quintessenz aus dieser komplizierten Rechnung sei eine Faustregel, die in den letzten Jahren immer geklappt habe, sagt Käslin: «Wenn nämlich die Jagdkommission für die nächste Jagd nicht mehr als diese Zahl zum Abschuss frei gibt, ist der Wildbestand gesichert.» Der Grund dafür leuchtet ein: Geissen tragen nämlich zum Zeitpunkt der Zählung meist schon zwei Gitzis, die im Mai zur Welt kommen. Damit darf man mit einem Zuwachs von 50 Prozent rechnen, was die Abschusszahl rechtfertigt. Ergebnisse der letzten Jahre – und auch das erste Ergebnis dieses Jahres vom Bürgenberg – zeigen eine erfreuliche Tendenz: Der Bestand an Schalenwild hat in Nidwalden um rund zehn Prozent zugenommen. Auch Füchse, Dachse und Marder werden mehr – leider verkehren sie oft auf Kulturland oder in Dörfern und Städten, wo man sie weniger schätzt als im Wald.

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