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NIDWALDEN: Blechlawine dringt in Quartiere ein

In Hergiswil ist ein Verkehrs­kollaps vor allem an Sommerwochenenden jeweils eine Frage der Zeit. Der Gemeindepräsident befürchtet mit Blick in die Zukunft gar noch Schlimmeres.
Matthias Piazza
Wenn es auf der Autobahn A2 bei Hergiswil in Richtung Luzern staut, weichen viele durchs Dorf aus. (Bild: Roger Grütter)

Wenn es auf der Autobahn A2 bei Hergiswil in Richtung Luzern staut, weichen viele durchs Dorf aus. (Bild: Roger Grütter)

Matthias Piazza

Hergiswil ist ein Nadelöhr. Sämtliche Verkehrsachsen – Bahn, Kantonsstrasse und Autobahn – zwängen sich durch den schmalen Ort zwischen Vierwaldstättersee und der Ostflanke des Pilatus. Besonders schmerzhaft bekommt die Gemeinde am Lopper diese Rolle zu spüren, wenn wie jetzt Ferienzeit herrscht und noch schönes Ausflugswetter am Wochenende oder ein Unfall auf der Autobahn dazukommt. «Dann verlassen die Autofahrer die A 2 in Hergiswil und fahren durchs Dorf – in der Hoffnung, schneller nach Hause zu kommen», weiss Gemeindepräsident Remo Zberg nur zu gut. Ein Trugschluss. Die sonst schon belastete Kantonsstrasse, die bis August wegen Belagsarbeiten streckenweise nur einspurig befahrbar ist, kollabiert unter dem Mehrverkehr. «Als stehende Kolonne zwängt sich der Verkehr durch unser Dorf, das habe ich erst jüngst am Wochenende wieder gesehen.»

Damit aber nicht genug. «Wenn auch auf der Kantonsstrasse nichts mehr geht, weichen die Lenker mittlerweile auf die Nebenstrassen in den Quartieren aus. Darunter leiden die Hergiswiler. Sie können mit dem Auto nicht einmal mehr ins Dorfzentrum, um etwas einzukaufen», klagt der Gemeindepräsident. «Die vielen Mails und Telefonanrufe von besorgten Hergiswiler zeigen mir, dass der Leidensdruck wirklich gross ist.»

Mit Staustatistik begonnen

Dem Missstand will Remo Zberg nicht länger zuschauen. «Wir haben die Kantonsstrasse für unsere Bevölkerung und nicht für Aargauer und Zürcher gebaut», sagt er unmissverständlich. Vor allem mit Blick auf die Zukunft. «In den nächsten Jahren kommen einige Baustellen mit entsprechenden Verkehrsbehinderungen auf uns zu.» So wird ein Teil der Kantonsstrasse in den nächsten zwei Jahren und danach die Autobahnausfahrt sowie die Galerie der Kantonsstrasse unterhalb der Autobahn saniert. Zudem stehen auch noch umfangreiche A-2-Lärmschutzmassnahmen auf dem Programm. Mit Sorge denkt der Gemeindepräsident auch an den Ausbau der Zentralbahn-Doppelspur bei Hergiswil zwischen 2018 und 2020. «Wenn der Bahnverkehr unterbrochen ist, wird die Kantonsstrasse durch die Bahnersatzbusse zusätzlich belastet», befürchtet er.

Laut Zberg fordert die Gemeinde «seit langem ein Pförtnersystem bei der Dorfeinfahrt oder die Schliessung der Autobahnausfahrt Hergiswil bei hohen Verkehrsaufkommen, wie man es auch vom Kanton Uri oder vom Tessin kennt.» Mit dem Kanton und dem Bundesamt für Strasse (Astra) sei man im Gespräch. Seit kurzem führt die Gemeinde auch Statistik zu den Stauzeiten.

Stansstad hat ebenso Probleme

Ähnliche Probleme kennt die Nachbargemeinde Stansstad. «Vor allem bei hohem Verkehrsaufkommen auf der Autobahn während schönen Winter- oder Sommermonaten verlassen viele die A 2 in Stans und nehmen die Kantonsstrasse nach Luzern. Einige Schlaumeier weichen gar auf unsere Quartier-strasse aus», erzählt Gemeindepräsident Beat Plüss. Darunter leiden die Einheimischen. «Die Stansstader können an einem schönen Sonntagabend beispielsweise kaum mit dem Auto an ein Konzert in Luzern, weil der Verkehr überall blockiert ist.» Schon mehrmals habe die Gemeinde bei der Kantonspolizei gefordert, dass die Autobahnausfahrt Stans bei hohem Verkehrsaufkommen für Auswärtige gesperrt wird.

Polizei fehlen die Ressourcen

Markus Dietermann, Bereichsleiter Verkehrsplanung beim kantonalen Amt für Mobilität, bestätigt die Verkehrsprobleme in Hergiswil, bedingt durch den Umfahrungsverkehr: «Wir beschäftigen uns schon länger damit. Unsere Überlegungen gehen in alle Richtungen, das kann etwa ein Pförtnersystem mit Lichtsignalen sein.» Noch sei aber nichts spruchreif. Dafür müsse man zuerst die Situa-tion detailliert analysieren und auch die Sanierungsprojekte auf den Strassen und auf der Schiene in die Überlegungen miteinbeziehen.

Dietermann gibt allerdings zu bedenken, dass die Möglichkeiten des Kantons eingeschränkt seien, zumal das Astra für die A 2, welche ja die eigentliche Ursache des Problems sei, zuständig ist.

Lorenz Muhmenthaler, Chef der Nidwaldner Verkehrs- und Sicherheitspolizei, bestätigt, dass Diskussionen mit Kanton und Astra laufen. Bis dahin könne die Polizei lediglich versuchen, den Verkehrsfluss aufrecht zu erhalten, und mit punktuellen Massnahmen den Abfluss in die Dörfer zu dosieren. «Wir können aber nicht etwa Autobahnausfahrten für Auswärtige sperren. Dafür fehlen uns die personellen Ressourcen.»

Astra sieht keine Notwendigkeit

Das Astra habe zusammen mit Vertretern des Kantons, der Polizei und der Gemeinde Hergiswil die Situation analysiert, bestätigt der Bund auf Anfrage unserer Zeitung. Die Auswertung habe ergeben, dass angesichts der Anzahl Ereignisse auf der A 2, die zu Ausweichverkehr führen, derzeit keine automatisierte Massnahmen durch das Astra ergriffen werden. Die Situation werde aber weiterhin beobachtet. Wie lange sich die Hergiswiler damit noch zufrieden geben?

Remo Zberg, Hergiswiler Gemeindepräsident: «Wir haben die Strasse für unsere Bevölkerung und nicht für Aargauer und Zürcher gebaut.» (Bild: pd)

Remo Zberg, Hergiswiler Gemeindepräsident: «Wir haben die Strasse für unsere Bevölkerung und nicht für Aargauer und Zürcher gebaut.» (Bild: pd)

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