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NIDWALDEN: Buochser verschönert Beirut

Der Graffiti-Künstler Adrian Gander hat mit seinen Werken auf Beiruter Wänden viel Freude in der libanesischen Hauptstadt ausgelöst. Spass und düstere Erfahrungen liegen bei seiner Arbeit nah beieinander.
Franziska Herger
Adrian Gander. (Bild: Diane Deschenaux)

Adrian Gander. (Bild: Diane Deschenaux)

Franziska Herger

franziska.herger@nidwaldnerzeitung.ch

Adrian Ganders Malereien zieren Wände in der ganzen Welt. Neben klingenden Namen wie Paris, Rio de Janeiro, Berlin und Barcelona findet sich auch die libanesische Hauptstadt Beirut im Portfolio des Buochsers. Auf den ersten Blick kein naheliegender Schaffensort für einen Graffiti-Künstler – doch Gander hat bisher insgesamt sechs Monate im Libanon verbracht, Schulen verschönert und Workshops geleitet. Vor kurzem kam er von seiner neuesten Reise aus dem kleinen Mittelmeerland zurück.

«Alles fing mit dem libanesischen Mann meiner ehemaligen Französischlehrerin am Kollegi Stans an», erklärt der 26-Jährige. Nabih Yammine hattte 1988 in Stans den Verein Solidarité Liban-Suisse (SLS) gegründet, um seinem kriegsversehrten Heimatland zu helfen. 2014 fragte er Gander an, ob er nicht mit seinen Malereien etwas Farbe in den Libanon bringen wolle. Gander, der gerade sein Grafikdesign-Studium in Luzern abgeschlossen hatte, sagte ohne Zögern zu. Es folgte ein viermonatiges Projekt namens Art & Paix (Kunst und Frieden) in einem libanesischen Bergdorf, wo er Schulkindern die Spraydosen-Kunst näherbrachte. «Für mich war alles spannend und neu», erinnert sich Gander. «Ich empfand die Erfahrung als wahnsinnig positiv.»

Bei seiner Rückkehr im Mai und Oktober vergangenen Jahres schlichen sich aber auch einige düstere Eindrücke ein. «In Beirut spürte man die Spannung im Land. Die politische und wirtschaftliche Lage ist schwierig, und die Schere zwischen arm und reich weit.» Gander malte auch im berühmt-berüchtigten Flüchtlingslager Al Shatila – «ein dunkler, unsicherer Ort. Diese Eindrücke schlagen sich in meiner Kunst nieder.» Statt seiner üblicherweise bunten Malereien sind viele der Beiruter Werke grafisch und in Schwarz gehalten.

Immer auf der Suche nach leeren Wänden

Trotzdem blitzt immer wieder Farbe auf, weil Adrian Gander auch viel Spass hatte in Beirut. Zusammen mit libanesischen Graffiti-Künstlern zog er durch die Stadt auf der Suche nach leeren Wänden. «Oft wussten wir morgens noch gar nicht, wo wir malen würden. Dass man nur den Hausbesitzer um Erlaubnis fragen muss, ist für mich als Schweizer ja nicht selbstverständlich.» Die Beiruter hätten die Künstler-Truppe sehr positiv aufgenommen, sagt Gander. «Die Leute wollten uns immer gleich zum Essen einladen. Und die Kinder hatten wahnsinnig Freude. Oft drückte ich ihnen eine Spraydose in die Hand und liess sie mitmachen.»

Werke sind auch in Nidwalden zu sehen

Ob er mit seiner Kunst zum Frieden beitrage, wisse er nicht, meint der Buochser. «Vielen Leuten fallen meine Malereien wohl gar nicht auf. Aber genauso viele werden hoffentlich inspiriert und finden etwas Motivation und Kreativität.» Aus seiner ehrenamtlichen Arbeit im Libanon ist das Buch «Color for/(from) Lebanon» entstanden. In der Schweiz verdient der Künstler in seinem Beckenrieder Atelier Geld mit dem Gestalten von Plakaten, Logos und Websites sowie mit Auftragsarbeiten. Seine Werke sind etwa bei der Schiffstation Ennetbürgen oder in der Unterführung beim Länderpark zu sehen. Ihm sei bewusst, dass seine Spraymalerei nicht jedem gefalle, sagt Gander. «Auch deswegen ist mein Pseudonym ‹Anoy›, abgeleitet vom englischen ‹annoy›, was so viel heisst wie ‹nerven›, da es viele Leute recht nervig finden, ein Graffiti zu sehen», meint er lachend. An illegalen Graffiti sei er aber nicht interessiert. «Das versaut unseren Ruf. Obwohl ich zugeben muss, selber so angefangen zu haben.» In seiner Stanser Schulzeit habe es noch keine «legalen Wände» gegeben. «Aber ich schaute immer, dass ich etwas Schönes machte, und nie auf Privateigentum.»

Zehn Jahre später kann sich Adrian Gander vor Projekten und Ideen kaum retten. Er plant ein weiteres Buch, will in Paris an der Universität sprayen, und wieder mindestens einen Monat in den Libanon. Ihn zieht es in die Welt hinaus. «Andere Länder anmalen», nennt der Künstler das.

Hinweis

Weitere Infos unterwww.anoy.ch. «Color for/(from) Lebanon» ist für 35 Franken überwww.kaktus.neterhältlich.

Ein Werk von Adrian Gander in Beirut. (Bild: PD)

Ein Werk von Adrian Gander in Beirut. (Bild: PD)

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