NIDWALDEN: Dallenwilerin betritt die UNO-Bühne

Noemi Grütter fliegt nach New York. In ganz spezieller Mission. Die junge Dallenwilerin vertritt die Schweiz an der UNO-Frauenkonferenz und hat klare Ziele.

Matthias Piazza
Drucken
Teilen
Die drei Schweizer Jugenddelegierten: Noemi Grütter (von links) mit Nicolas Penseyers und Stephanie Hess am UNO-Sitz in Genf. (Bild: PD)

Die drei Schweizer Jugenddelegierten: Noemi Grütter (von links) mit Nicolas Penseyers und Stephanie Hess am UNO-Sitz in Genf. (Bild: PD)

Matthias Piazza

«Ich freue mich darauf, dass es endlich losgeht, nachdem ich mich intensiv darauf vorbereitet habe», erzählt Noemi Grütter. Die 20-jährige Studentin für internationale Beziehungen an der Universität Genf hat einen zweiwöchigen Aufenthalt in New York vor sich. Heute reist sie ab. Die Freiheitsstatue oder der Broadway stehen dabei nicht im Fokus. Die junge Frau besucht die 8-Millionen-Metropole in politischer Mission.

Während zweier Wochen nimmt sie als offizielles Mitglied der Schweizer Delegation an der 60. Session der UNO-Konferenz zum Status der Frauenrechte teil, der grössten, interstaatlichen Versammlung zur Gleichstellung und Stärkung der Frauen.

Noemi Grütter kommt dabei eine ganz besondere, einmalige Rolle zu. Unter der Schweizer Delegation ist sie die einzige Jugendliche. «Die erstmalige Teilnahme an einer solchen UNO-Konferenz bedeutet mir sehr viel. Seit ich acht Jahre alt bin, interessiere ich mich für Frauenrechte. In New York treffe ich wichtige Leute, die etwas zu diesem Thema zu sagen haben, kann mit ihnen am selben Tisch darüber diskutieren», erzählt sie.

Sie erwartet ein intensives Programm, vollgepackt mit Konferenzen und Versammlungen von morgens acht bis abends acht Uhr. Ihre Aufgabe an den Konferenzen wird sein, die Stimme der Jugendlichen in verschiedenen Themen einzubringen. Neben der Unterstützung der Schweizer Delegation nimmt sie an Podiumsdiskussionen teil und organisiert mit Hilfe der Schweizer Mission ein Frühstücksmeeting mit dem Botschafter und weiteren wichtigen Rednern zum Thema Gesundheit.

«Rede gerne vor Publikum»

Der anspruchsvollen Aufgabe fühlt sie sich gewachsen. «Ich rede sehr gerne vor Publikum, hatte auch schon mehrere Male die Gelegenheit dazu, so auch als Schülersprecherin am Stanser Kollegi.» Da spiele es auch keine Rolle, dass sie ihre Argumente vor sehr vielen Leuten am UNO-Hauptquartier und auf Englisch vorbringen müsse. «Dank meiner Reisen in Entwicklungsgebieten und meinem Studium in Genf fühle ich mich sehr sicher in Englisch und Französisch.»

Jugend als Bonus

Und wie verschafft sie sich Gehör an der jährlich grössten Frauenrechtskonferenz mit 193 Mitgliedstaaten? «Als junge Frau werde ich wohl von einem Jugendbonus profitieren», gibt sie sich selbstbewusst. Dabei muss sie sich an strenge «Spielregeln» halten. Während man bei der Generaldiskussion mehr Freiheiten habe, seien bei den vielen Teilkonferenzen die Redezeiten im voraus festgelegt.

Sie hat konkrete Erwartungen an die Konferenz: «Ich hoffe, dass ich meine Meinung möglichst oft kundtun kann, dass man mich als Jugenddelegierte genauso ernst nimmt wie die erwachsenen Teilnehmer, dass ich die Schweizer Jugend angemessen vertreten kann. Als Stimme der Schweizer Jugend setze ich mich dafür ein, dass junge Menschen ernst genommen werden.» Kurz vor der Konferenz wird Noemi Grütter noch an einem Youth-Forum zu Frauenrechtsfragen teilnehmen. Diese soll Personen aus der ganzen Welt zusammenbringen, die sich in diesem Bereich engagieren.

Von der Theorie in die Praxis

Die Stimme auf der weltpolitischen Bühne wurde ihr nicht einfach geschenkt. Hinter sich hat sie ein aufwendiges Bewerbungsprozedere mit einem zweistündigen Eignungsgespräch. Dass sie unter vielen zu den drei Auserwählten gehört, die im Rahmen des Programmes Youth Rep der schweizerischen Arbeitsgemeinschaft der Jugendverbände und des EDA als Delegierte auserwählt wurden, betrachtet sie als einmalige Chance. «Einerseits kann ich als Studentin der internationalen Beziehungen die sehr komplexen Systeme, die ich bisher nur von der Theorie kannte, in der Praxis kennen lernen. Und ich kann Erfahrungen und Informationen für die Zukunft sammeln.»

Erstmals in der grossen Stadt

Ob die berufliche Zukunft in Richtung UNO-Botschafterin geht, weiss sie noch nicht. «Ich könnte mir auch sehr gut vorstellen, für eine Nichtregierungsorganisation vor Ort zu arbeiten.» Trotz vollem Sitzungsprogramm: Das Sightseeing sollte trotzdem nicht ganz zu kurz kommen. An den Wochenenden will sie sich die Zeit nehmen, die Weltstadt zu erkunden, die sie das erste Mal besucht.