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NIDWALDEN: «Das Angebot war ein Kraftakt»

Es musste schnell gehen: Die Arbeits­gemeinschaft Nidwaldner Holzbox hat die erfolgreiche Idee für eine Asylunterkunft erarbeitet.
Martin Uebelhart
Felix Odermatt (links) und Jost Nieder­berger besprechen die Pläne zur Holzbox. (Bild Martin Uebelhart)

Felix Odermatt (links) und Jost Nieder­berger besprechen die Pläne zur Holzbox. (Bild Martin Uebelhart)

Martin Uebelhart

Die modulare Asylunterkunft, die der Kanton Nidwalden frühestens gegen Ende Jahr in Betrieb nehmen möchte, wird aus Holz und von Nidwaldner Firmen gebaut (Ausgabe vom 16. April). Jost Niederberger und Felix Odermatt sind massgeblich daran beteiligt, dass die Arbeitsgemeinschaft Nidwaldner Holzbox sich gefunden hat und ein Angebot für das Projekt einreichen konnte. Odermatt ist Präsident des Nidwaldner Waldwirtschaftsverbandes. An einer Veranstaltung mit einem Korporationspräsidenten – er ist auch Dallenwiler Uertevogt – hatte er Mitte Dezember gehört, dass der Kanton Land suche für eine Containersiedlung für Asylbewerber. In dieser Diskussion sei schliesslich die Idee entstanden, dass man solche Unterkünfte auch aus Holz bauen könnte. «Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund, dass es immer schwieriger ist, aufgrund des starken Frankens und dem Druck aus dem Ausland, einheimisches Holz zu vermarkten», sagt Odermatt im Gespräch mit unserer Zeitung.

Holzbauer ins Boot geholt

Er wandte sich an den Bürer Bauplaner Jost Niederberger, der sich sogleich erste Gedanken machte. «Als Grundlage nahm ich eine Holzbox in den Container-Normmassen von 2,50 auf 6,05 Meter», erzählt Jost Niederberger, der auch Obmann der Pro Holz Unterwalden ist. Dieses Grundelement entwickelte er weiter, so dass sich mehrere Container aneinanderreihen lassen. Als absehbar wurde, dass der Kanton den Bau der modularen Asylunterkunft ausschreiben wird, holten Odermatt und Niederberger Nidwaldner Holzbaufirmen ins Boot.

«Das Angebot war ein Kraftakt», beschreibt Felix Odermatt die Zeit bis zum Einreichen der Offerte Anfang März. «Wir mussten ‹weibeln› und einige Male zusammensitzen, bis wir die Leute zusammen hatten», erzählt er. Dann ging es darum, die Offerte zu rechnen und auch Kontakt mit Subunternehmern aufzunehmen. «Es ging nicht nur um die Holzarbeiten», so Odermatt. «In der Offerte mussten auch Sanitäreinrichtungen, Elektro- und Heizungsinstallationen oder die Fenster enthalten sein.»

Vorfabrikate aus Schweizer Holz

Das Projekt entwickelte sich zu einem dreistöckigen Gebäude weiter. Niederberger legte einen Laubengang ausserhalb der Container an, was zu einem Platzgewinn im Inneren führte. «Wir haben das zu üblichen Preisen kalkuliert», hält der Bauplaner fest. Es sei nicht das Ziel gewesen, dass es für die Unternehmen eine Nullrunde wird.

«Das Ziel von Seiten der Waldbesitzer ist immer gewesen, etwas zu bauen, bei dem einheimisches Holz eingesetzt werden kann», sagt Odermatt. «Es kann nicht sein, dass wir eigene Ressourcen im Wald haben und der Kanton stellt ein Blechdorf hin.»

Im weiteren Verlauf der Planung habe sich dann gezeigt, dass man nicht ganz alles mit einheimischem Holz frisch ab der Sägerei bauen könne, so Odermatt. «Für gewisse Teile braucht es vorgefertigte Platten.» Es sei gelungen, mit den Plattenherstellern zu vereinbaren, dass die Platten ausschliesslich aus Schweizer Holz hergestellt werden. Anschliessend könnten die Nidwaldner Waldbesitzer Holz liefern für weitere Platten. «So schliesst sich der Kreis wieder», sagt Odermatt.

Für die Verschalung des ganzen Gebäudes wird dann wiederum Nidwaldner Holz verbaut. «Alles, was von aussen sichtbar ist, kommt aus Nidwaldner Wäldern», sagt Jost Niederberger. Selbstverständlich müsse das Projekt auch die Vorgaben zu Feuerschutz oder Isolation erfüllen. «Der Umstand, dass auch Blechcontainer nach dem Aufbau zusätzlich isoliert werden müssen, hat uns konkurrenzfähig gemacht», hält er fest.

Am Ende hat die Arbeitsgemeinschaft aus sechs Holzbaufirmen und Niederbergers Bauplanungsbüro (siehe Kasten) den Zuschlag erhalten. «Wir waren beim Preis an erster Stelle», sagt Odermatt. «Und wir konnten zum Beispiel auch in den Bereichen Nachhaltigkeit oder Einsatz von Lehrlingen punkten.»

Erinnerung an den «Schlüssel»

Je nach Tempo, das der Kanton vorgibt, geht es für die Arbeitsgemeinschaft ab Mitte Jahr an die Umsetzung des Projekts. Dann würden die Arbeiten im Detail geplant und auf die einzelnen Firmen verteilt, sagt Jost Niederberger, bei dem als Bauleiter die Fäden zusammenlaufen. «Geplant ist auch, dass Asylbewerber beim Aufbau mitarbeiten», sagt er.

Felix Odermatt bezeichnet die Zusammenarbeit der Firmen als grossartig: «Normalerweise sind sie ja auf dem Markt Mitbewerber. Bei diesem Projekt haben sie sich gesagt: ‹Wir machen das zusammen.›» Diese Zusammenarbeit habe schon einmal gut funktioniert: «2012 haben die Holzbauer im Auftrag von Waldbesitzern und Korporationen den grossen Holzschlüssel für die ‹Iheimisch› gebaut». So habe man gewusst, dass man zusammenarbeiten könne, «und dass es auch auf der finanziellen Seite funktioniert».

Felix Odermatt hofft auf eine Ausstrahlung des Projekts ausserhalb der Kantonsgrenzen. «Ich durfte unsere Idee schon einmal an der Präsidentenkonferenz des schweizerischen Waldwirtschaftsverbandes präsentieren.» Das sei dort sehr gut angekommen, denn mit so einem Projekt kann der Weg zur Förderung des einheimischen Holzes erreicht werden.

Arbeitsgemeinschaft

  • Holzbox mu. Der Arbeitsgemeinschaft Nidwaldner Holzbox gehören folgende Firmen an:
  • Jost Niederberger Bauplanung GmbH, Büren
  • Amstutz Holzbau AG, Stans
  • Flury innen & aussen AG, Stans
  • Toni Frank AG, Stans
  • Holzbau Niederberger, Büren
  • von Rotz Holzbau AG, Stansstad
  • Waser Holzbau AG, Oberrickenbach

Hinzu werden diverse Subunternehmer kommen, die für die Arbeiten ausserhalb des Holzbereichs zuständig sind.

Insgesamt beschäftigen Arbeitsgemeinschaft und Subunternehmer gegen 340 Personen, davon sind über 50 Lehrlinge.

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