NIDWALDEN: Das Tischlein deckt sich auch in Stans

Leute mit knappem Budget können sich nun auch in Stans für einen Franken mit Lebensmitteln eindecken. Dabei kommt es zu herzlichen Begegnungen.

Drucken
Teilen
Die Co-Leiterinnen Franziska Preisig (links) und Ursula Widmer stellen das Brot bereit. (Bild Matthias Piazza)

Die Co-Leiterinnen Franziska Preisig (links) und Ursula Widmer stellen das Brot bereit. (Bild Matthias Piazza)

Matthias Piazza

Die Auslage ist verlockend: Gemüse, Brot, Tiefkühlprodukte, Schokolade und Tee werden präsentiert. Co-Leiterin Ursula Widmer kontrolliert mit ihrem Team nochmals das Sortiment.

Wir sind in einem Raum der Freien Evangelischen Gemeinde im Stanser Eichli-Quartier, wo die Institution «Tischlein deck dich» wie jeden Mittwoch Menschen mit geringem Budget Lebensmittel zu einem symbolischen Preis von einem Franken verkauft. Dann, um 17 Uhr, ist es so weit. Die Reihenfolge für den Lebensmittelbezug wird unter den anwesenden Kunden ausgelost. Dadurch soll eine gerechte Verteilung gewährleistet werden. Eine freiwillige Helferin berät die Kunden, klärt sie über die erlaubte Einkaufsmenge auf, hilft ihnen beim Einpacken. Verteilt wird nach Haushaltsgrösse: Eine Familie erhält mehr als eine Einzelperson.

Vielseitiges Angebot für wenig Geld

Eine Kundin, die mit ihrem Sohn ihren Einkauf gerade beendet und zwei Taschen gefüllt hat, ist begeistert. «Man kann sehr viel Geld sparen, und das Angebot ist vielseitig.» Früher habe sie im Caritas-Laden in Luzern einkaufen müssen. «Das kostet schnell einmal 50 Franken.» Auch ihr Sohn ist mit dem Sortiment zufrieden. Die Frau ist eine von rund 25 Personen, die zurzeit für sich und ihre Angehörigen am Stanser Abgabeort Lebensmittel beziehen.

Für den Lebensmittelbezug brauchts eine «Tischlein deck dich»-Karte, die bei einer Sozialhilfestelle der Region beantragt werden kann – dies gegen einen Nachweis, dass man bedürftig ist. Das Kontingent für Stans beträgt 90 Karten. «Erfahrungsgemäss beziehen rund zwei Drittel der Berechtigten Lebensmittel bei uns», erklärt Ursula Widmer. Pro Karte und Woche kann man eine bestimmte Menge an Lebensmittel beziehen. Wer aber bis zum Schluss um 18 Uhr wartet, kommt in den Genuss einer Glücksrunde und darf sich mit den liegen gebliebenen Lebensmitteln eindecken.

Etwa drei Hauptmahlzeiten

«Mit einem Bezug können sich die Leute etwa drei Hauptmahlzeiten kochen. Das Angebot ist aber nicht als Wocheneinkauf gedacht, sondern als Ergänzung», klärt Co-Leiterin Franziska Preisig auf. Seit Anfang September ist die erste Abgabestelle in Nidwalden in Betrieb – schweizweit die 108. seit der Gründung von «Tischlein deck dich» im Jahr 1999. Die Erfahrungen sind positiv. «Die Kunden sind offen und dankbar. Oft entwickelt sich eine sehr herzliche Beziehung untereinander», sagt Franziska Preisig. «Unser Anliegen ist, dass wir den Leuten mit Respekt begegnen und ihnen allfällige Hemmungen nehmen, bei uns vorbeizukommen.» Die positiven Erfahrungen in Sarnen, wo vor rund einem Jahr eine solche Abgabestelle eröffnet wurde, ermunterte die beiden Frauen, auch eine Stelle in Stans einzurichten. «Wenn es in Obwalden funktioniert, klappts auch in Nidwalden mit ähnlicher Bevölkerungsstruktur», erklärt Widmer. «Damit helfen wir Nidwaldnern mit schmalem Budget und tun auch etwas Ökologisches.»

Weitergeben statt wegwerfen

Denn so werden Lebensmittel vor dem Abfall gerettet – Lebensmittel, die notabene noch einwandfrei sind. «Wir verteilen keine Lebensmittel, deren Verbrauchsdatum überschritten ist, weil wir dem Lebensmittelgesetz unterstellt sind. Es sind vielmehr Waren aus Überproduktionen oder mit fehlerhafter Verpackung, welche die Hersteller oder Grossverteiler nicht mehr verkaufen können», hält Co-Leiterin Ursula Widmer fest. Sie schätzt, dass wöchentlich rund bis zu 400 Kilo Lebensmittel über die Theke gehen, davon rund 70 Kilo Brot.

Einige Produkte kommen direkt von lokalen Geschäften, das meiste von der «Tischlein deck dich»-Plattform in Baar, welche sich mit fünf weiteren Logistikplattformen austauscht. Die Spenden stammen aus dem Detailhandel sowie aus Industrie- und Grosshandel.