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NIDWALDEN: Den Dialekt gibts im Doppelpack

Verlieren junge Menschen zusehends ihre Mundart? Die Schüpferi-Meitli beweisen das Gegenteil und pflegen ihren Buochser Dialekt mit Stolz – auch privat.
Ein erfolgreiches Team: die Schüpferi-Meitli Silvia (links) und Anita Bucher aus Buochs. (Bild Corinne Glanzmann)

Ein erfolgreiches Team: die Schüpferi-Meitli Silvia (links) und Anita Bucher aus Buochs. (Bild Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

«Mein Dialekt bedeutet mir sehr viel. Er zeigt, woher ich wirklich komme, wo ich aufwachsen durfte.» Diese Worte stammen nicht etwa von einer alten Nidwaldnerin, die kaum jemals einen Schritt über die Kantonsgrenzen hinaus gemacht hat, sondern von der 25-jährigen Silvia Bucher aus Stans. Gemeinsam mit ihrer Schwester Anita (23) kennt man sie als Schüpferi-Meitli. Der Name stammt vom der Liegenschaft ­Schüpferi in Buochs, wo die beiden Schwestern auf dem elterlichen Bauernhof aufgewachsen sind. Mit Auftritten in Radio und Fernsehen haben sie sich in Volksmusikkreisen in der ganzen Schweiz einen Namen gemacht. Ihren Buochser Dialekt tragen die beiden jungen ­Frauen nicht nur als volkstümliche Fassade in ihrem Liedgut vor. Auch im Privatleben lassen sie jedermann gleich wissen, mit wem sie es zu tun haben – mit waschechten Nidwaldnerinnen.

«Was? Wie viel?»

«Praktisch immer» werde sie ausserhalb Nidwaldens auf ihren Dialekt angesprochen, sobald sie neue Menschen kennen lerne, erzählt Silvia Bucher lachend. «Aber nur im positiven Sinn. Es zeigt sich immer wieder, dass die Leute den Nidwaldner Dialekt gern hören.»

Silvia Bucher arbeitet als Detailfachhandelsfrau in Horw und hat täglich mit Kunden zu tun. «Ich muss zugeben: Da kann es schon passieren, dass ich meinen Dialekt etwas ablege», meint sie. Als «extremes Beispiel» nennt sie etwa einen Verkaufspreis von 9.95 Franken. «Neyn-feyfeneynzg» heisse das im Buochser Dialekt. «Was? Wie viel?», frage dann der Kunde. Nochmals: «Neyn-feyfeneynzg.» Und wenn der Kunde dann noch immer nicht verstanden hat, wie hoch der Preis nun ist, wechselt Silvia Bucher zur alltagstauglichen Variante: «Nün-füfenünzg.» Das verstehen alle. «Deshalb passe ich mich im Berufsleben schon manchmal etwas an», räumt Silvia Bucher ein.

Eigene Ausdrücke bleiben ...

Abgesehen von der Aussprache gibt es auch einige Begriffe, die in Teilen der Schweiz schlichtweg nicht verstanden werden. Die jüngere der beiden Schwestern, Anita Bucher, nennt schmunzelnd ein Beispiel: «Wenn ich auf einer Wanderung sage, ich wolle ‹es schutzili ghirme›, dann verstehen das sicher nicht alle.» Zumindest in Nidwalden – und auch in Obwalden – ist jedoch klar, was gemeint ist: Sie will einfach ein Weilchen ausruhen. Andere Begriffe, die ihr spontan in den Sinn kommen: pfuttere (schimpfen) und Guttere (Flasche). Bei Anita Bucher, die im Stanser Spital als Köchin arbeitet, kommt es im Beruf praktisch nie vor, dass sie nicht verstanden wird.

... andere Ausdrücke gehen verloren

Allerdings gibt es auch typische Nidwaldner Begriffe, welche die beiden Schwestern zwar verstehen, selbst aber nicht mehr im aktiven Wortschatz haben. «Meistens sind das Wörter aus dem bäuerlichen Handwerk», erzählt Anita Bucher. Ihr Vater beispielsweise habe oft den Begriff «tängele» gebraucht – gemeint ist damit das Hämmern und Schärfen einer Sense. «Die meisten jungen Leute brauchen solche Begriffe nicht mehr – ganz einfach, weil sich die Zeiten geändert haben», sagt Anita Bucher. Um ihre Sprachkultur zu pflegen, «übersetzen» die Schüpferi-Meitli viele volkstümliche Schweizer Lieder, die sie vortragen, in den Nidwaldner Dialekt. Ganz einfach sei das allerdings nicht. Vor allem der Berner Ausdruck «gäng» hat ihnen schon oft Kopfzerbrechen bereitet. Zwar lasse sich dieser problemlos mit «immer wieder» oder «eister» übersetzen – damit geht aber oft der im volkstümlichen Liedgut wichtige Sprachrhythmus verloren. «Wenns gar nicht anders geht, lassen wir halt einen ‹fremden› Begriff im Text.» Ein Lied auf Berndeutsch vorzutragen, käme für die beiden nicht in Frage. «Nicht, weil uns das nicht gefällt. Aber wir wollen ein Lied in unserem Dialekt vortragen, damit wir das auch ‹leben› können. Es soll von Herzen kommen.»

Freunde verlieren Dialekt

Dass viele junge Menschen ihren Dialekt verlieren, erstaunt sie aber nicht. «Mein Freund ist Luzerner», sagt Anita Bucher. «Wenn ich zum Beispiel einige Tage mit ihm und seiner Familie in Luzern verbringe, merke ich manchmal, dass ich plötzlich selbst typische Luzerner Begriffe benutze.»

Zudem komme es wohl darauf an, in welchen Kreisen man sich bewege, ergänzt Silvia Bucher. «Ein junger Nidwaldner, der in Luzern arbeitet und immer dort im Ausgang ist, verliert seinen Dialekt vermutlich schneller.» Sie selbst habe schon im Kollegenkreis erlebt, dass jemand als Kind noch einen glasklaren Nidwaldner Dialekt hatte, als junger Erwachsener nach Luzern zog und dort den Nidwaldner Dialekt ­verlor – bewusst oder unbewusst. «Dann sagen sie zum Beispiel plötzlich ‹üses Huus› statt ‹eyses Huis›. Das finde ich schon ein bisschen schade», sagt Anita Bucher. Und lachend fügt sie hinzu: «Oft denke ich dann: ‹Ach komm, red doch wieder normal!›»

Hinweis

In unserer Sommerserie «Wie redsch dui?» treffen wir verschiedene Leute aus Ob- und Nidwalden, die den Dialekt ihrer Gemeinde mit Stolz und Freude pflegen. Bereits erschienen: Heidy Gasser aus Lungern (15. 7.), Josef Hess aus Engelberg (25. 7.). Abonnenten finden die Beiträge auch unter www.nidwaldnerzeitung.ch/serien

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