Nidwalden
Der Buoholzbach wird gebändigt – für 46 Millionen Franken

Für das Hochwasserschutzprojekt Buoholzbach beantragt die Regierung dem Landrat einen Kredit von 46 Millionen Franken. Der Hochwasserschutz, der auch die Gefährdung für weite Teile des Talbodens bis nach Stansstad reduziert, soll bis im Herbst 2026 gebaut sein.

Martin Uebelhart
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Der Kanton Nidwalden und die Gemeinden Oberdorf und Wolfenschiessen treiben die Pläne voran, die Gefahren, die vom Buoholzbach ausgehen, zu reduzieren. Was das Gewässer, das die Grenze zwischen den beiden Gemeinden markiert, anrichten kann, konnte beim Unwetter im Jahr 2005 beobachtet werden. Der zahme Bach wurde zum reissenden Wildbach.
«Die Freude ist gross, dass wir heute eine gute Lösung präsentieren dürfen», sagte Landammann Othmar Filliger am Mittwoch an einer Medienkonferenz.

So soll der Buoholzbach dereinst bei der Einmündung in die Engelbergeraa aussehen.

So soll der Buoholzbach dereinst bei der Einmündung in die Engelbergeraa aussehen.

Visualisierung: PD

Brutto 46 Millionen Franken wollen der Kanton Nidwalden und die beiden Gemeinden in einen Geschiebesammler beim Auslauf des Buoholzbachs investieren. «Die Schäden, die der Bach anrichten könnte, sind um ein Vielfaches höher», sagte Baudirektor Josef Niederberger.

Der Bach erhält einen «Kragen»

Viktor Schmidiger, Leiter des Amts für Gefahrenmanagement des Kantons Nidwalden.

Viktor Schmidiger, Leiter des Amts für Gefahrenmanagement des Kantons Nidwalden.

Bild: Martin Uebelhart (Oberdorf, 28. April 2021)

Viktor Schmidiger, Leiter des kantonalen Amts für Gefahrenmanagement, zeigte die Bedrohungen auf. Besonders kritisch könne es werden, wenn die Engelbergeraa von Geschiebe aus dem Buoholzbach blockiert würde. «Dann würden die Wassermassen übers offene Gelände bis in den Talboden von Stans vordringen und in Stansstad in den See fliessen.»
Der geplante Geschiebesammler soll dies verhindern. Die besondere Herausforderung bestehe aus wasserbaulicher Sicht darin, dass beim Buoholzbach verschiedenste Ereignisse auftreten könnten. Neben dem Geschiebetrieb seien auch Murgänge unterschiedlicher Konsistenz denkbar. Darum soll ein lang gezogener, voluminöser Geschiebesammler entstehen. «Dem Bach wird sozusagen ein Kragen umgelegt, in dem er sich austoben kann», veranschaulichte Schmidiger die Pläne. Dabei werde eine natürliche Geländeschulter genutzt. Terrainverschiebungen und Dämme sind ebenso Bestandteil des Projekts. Die Dämme sollen zwischen wenigen Metern bis gegen zehn Meter hoch werden, teilweise werden sie im Kern mit massivem Beton verstärkt. Ausgelegt ist das Schutzprojekt auf ein Hochwasserereignis, wie es alle 300 Jahre auftritt. Dies sei aufgrund des hohen Schadenpotenzials im Stanser Talboden notwendig und so mit dem Bund abgesprochen.

Visualisierung des Auslaufbauwerks des Buoholzbachs in die Engelbergeraa.

Visualisierung des Auslaufbauwerks des Buoholzbachs in die Engelbergeraa.

Visualisierung: PD

Mit dem Projekt wird der Bachlauf verlegt. Neu fliesst das Wasser oberhalb des Industriegebiets Hofwald durch den Geschiebesammler und anschliessend über ein Auslaufbauwerk in die Engelbergeraa.
Nach Beendigung der Bauarbeiten soll im Gebiet des Geschiebesammlers auch ein Naherholungsgebiet mit Fusswegen entstehen und im Geschieberückhalteraum sollen wertvolle Lebensräume für die einheimische Tier- und Pflanzenwelt entstehen.

Josef Niederberger, Nidwaldner Baudirektor.

Josef Niederberger, Nidwaldner Baudirektor.

Bild: Martin Uebelhart (Oberdorf, 28. April 2021)

Das präsentierte Vorprojekt sei die Weiterentwicklung von früheren Vorarbeiten und Variantendiskussionen, hielt Baudirektor Niederberger fest. Auf Anfang 2018 hatte der Kanton Nidwalden beim Buoholzbach die Federführung übernommen. Obwohl dank des optimierten Konzepts grosse Flächen der Industriezonen erhalten werden könnten, werde doch viel Land gebraucht, so Niederberger. Umsiedlungen seien unausweichlich. Bereits 2018 habe der Landrat mit einem Rahmenkredit für den Landerwerb Handlungsspielraum geschaffen. So hätten Lösungen für die von der Umsiedlung betroffenen Personen und Betriebe gefunden werden können.

Für Kanton und Gemeinden verbleiben 20 Millionen

Die 46 Millionen Franken sind ein Bruttokredit. «Da ist auch alles enthalten, was bisher bereits für Landerwerb und Planung ausgegeben worden ist», hielt Viktor Schmidiger fest. Für den Löwenanteil, rund 26 Millionen, werden Subventionen des Bundes erwartet. Vom übrigen Betrag übernehmen der Kanton 14 Millionen, die beiden Gemeinden zusammen 6 Millionen Franken.

«Wir sind glücklich, dass wir jetzt soweit sind», sagte die Oberdorfer Gemeindepräsidentin Judith Odermatt. Man habe auch den politischen Druck anderer Gemeinden gespürt. In Stans, Stansstad oder auch Dallenwil seien Bauprojekte wegen des fehlenden Hochwasserschutzes am Buoholzbach blockiert.

Josef Niederberger, Nidwaldner Baudirektor (links), und Viktor Schmidiger, Leiter Amt für Gefahrenmanagement, erörtern das Projekt in dem Gebiet, in dem der Geschiebesammler entstehen soll.

Josef Niederberger, Nidwaldner Baudirektor (links), und Viktor Schmidiger, Leiter Amt für Gefahrenmanagement, erörtern das Projekt in dem Gebiet, in dem der Geschiebesammler entstehen soll.

Bild: Martin Uebelhart (Oberdorf, 28. April 2021)

Erschrocken sei man ab den Summen für das Hochwasserschutzprojekt nicht, sagte Thomas Vetterli, Gemeindevizepräsident von Wolfenschiessen. In den Finanz- und Investitionsplänen seien diese enthalten.

Zeitplan rechnet mit Bauende im Herbst 2026

Voraussichtlich Ende Juni wird sich der Landrat mit dem 46-Millionen-Kredit befassen. Das Parlament befindet abschliessend darüber. Laut den Bestimmungen des Gewässergesetzes braucht es keine Volksabstimmung. Der weitere Zeitplan sieht vor, dass bis im Sommer 2022 die Stellungnahme des Bundesrats vorliegt. Im Frühling 2023 soll das Vorhaben öffentlich aufgelegt werden, bis Ende 2023 wird die Projektgenehmigung des Regierungsrats erwartet. Anfang 2024 soll der Baustart erfolgen, nach zweieinhalbjähriger Bauzeit wären die Hochwasserschutzmassnahmen realisiert.