Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Die Anstalt für «Arme und Fremde» ist 150-jährig

Das Kantonsspital feiert heuer sein 150-jähriges Bestehen. Die Gründung verdankte das Spital privater Initiative.
Karin Schleifer
Das erste Nidwaldner Spital an der Nägeligasse in Stans im Jahr 1911. (Bilder Staatsarchiv Nidwalden)

Das erste Nidwaldner Spital an der Nägeligasse in Stans im Jahr 1911. (Bilder Staatsarchiv Nidwalden)

Karin Schleifer

Vor dem Bau des Kantonsspitals spielte sich die Pflege und Behandlung Kranker in erster Linie zu Hause ab. Nur in seltenen Ausnahmefällen wurden Patienten in Krankenhäuser ausserhalb des Kantons überwiesen. Der Stanser «Spittel» beherbergte neben fremden Durchreisenden, Gefangenen und unehelich Schwangeren auch arme Kranke. In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts verbreitete sich mehr und mehr die Ansicht, dass Patienten mit schweren Erkrankungen in separaten Einrichtungen professionell und nach wissenschaftlichen Kriterien behandelt werden sollten.

Ein Werk christlicher Wohltätigkeit

Den Anstoss für ein kantonales Spital in Stans gaben zwei Frauen mit Schenkungen. Die erste – sie kann als eigentliche Initiantin bezeichnet werden – war Josefa Christen-Hermann. Als Ehefrau des Stanser Arztes Alois Christen – er hatte die erste öffentliche Apotheke im Kanton gegründet – kannte sie die Mängel im Gesundheitswesen aus erster Hand. Sie spendete 1854 den Betrag von 300 Franken, weil sie sah, wie nötig ein Spital für Nidwalden war: «Wie mancher Vater, wie manche Mutter wird nur deswegen zu frühe den armen Waislein entrissen, wie mancher körperlich Verunglückte wird nur deswegen ein Krüppel, weil nicht allen die zu Gebot stehende Aufnahme erteilt werden kann und es daheim an der nötigen Pflege fehlt.» Weiter vergabte die aus Nidwalden stammende Witwe Josefa Göldli-Achermann 1855 die für die damalige Zeit sehr grosszügige Summe von 4000 Franken für den Bau eines Spitals.

Schliesslich sprach auch die Ersparniskassen-Gesellschaft substanzielle Beiträge; die erste Nidwaldner Bank unterstützte aus ihren Gewinnen den finanziell spärlich ausgestatteten Staat regelmässig bei Bildungs- und Sozialaufgaben. 1861 wurde die Kantonsspitalgesellschaft gegründet, die das Spital bauen und betreiben wollte. Als privates «Werk freien und christlichen Wohltätigkeitssinnes» wurde das Projekt von der Bevölkerung reich mit Spenden bedacht.

Kantonsspital an der Nägeligasse

Bis 1864 spendeten die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner gegen 60 000 Franken – der Bau konnte beginnen. Die Baukosten für den zuerst erstellten Ostflügel betrugen rund 45 000 Franken; verbaut wurde auch Occasionsbaumaterial des eidgenössischen Schützenfests von 1861 in Wil. Die Steine kamen aus Dallenwil, und der Kalk wurde in Ennetmoos gebrannt. Das Gebäude an der Nägeligasse verfügte über 17 Krankenzimmer mit insgesamt 45 Betten und wurde als «Landes-Krankenanstalt» im Februar 1866 eröffnet. Verpflegung und Behandlung (inklusive Medikamente) kosteten die Patienten 1.20 Franken pro Tag und für Mittellose wurde ein Unterstützungsfonds eingerichtet.

Zwei Schwestern und zwei Ärzte

Das Spital war in erster Linie eine Pflegeanstalt, in der sich zunächst zwei, später fünf Ingenbohler Schwestern um die Kranken kümmerten. Ein Spitalknecht unterstützte sie bei schweren körperlichen Arbeiten. Zwei Stanser Ärzte sorgten, neben ihrer Privatpraxis, für die medizinische Behandlung der Patienten. Als langjährige Spitalärzte dienten in den ersten Jahrzehnten die Doktoren Josef Gut und Konstantin von Deschwanden. Vor allem zu Beginn muss deren Arbeit als halb-ehrenamtlich betrachtet werden, denn die Entlöhnung war sehr bescheiden. Die Verwaltungsarbeit wurde von den Mitgliedern der Spitalgesellschaft ehrenamtlich geleistet.

Akzeptanz wuchs langsam

Wer nun denkt, das Kantonsspital Nidwalden sei von breiten Kreisen der Bevölkerung zur medizinischen Behandlung aufgesucht worden, irrt sich. Im ersten Jahr wurden lediglich 124 Kranke «verpflegt», wie die Chronik berichtet. Die Nidwaldnerinnen und Nidwaldner liessen sich lieber wie bisher zu Hause von Ärzten behandeln und von der Familie pflegen. Das Spital hingegen war in den ersten Jahrzehnten eine Zufluchtsstätte für arme Kranke und für jene Patienten, die wegen einer ansteckenden Krankheit abgesondert werden mussten.

Die Auslastung war deshalb zu Beginn noch ungenügend. Doch Medizin, Chirurgie und Pharmazie machten am Ende des 19. Jahrhunderts rasante Fortschritte. Es wurde offensichtlich, dass bei schweren Krankheiten und Unfällen eine Spitalbehandlung die Überlebens- und Heilungschancen deutlich verbesserte. Deshalb nahmen nun auch die Patientenzahlen zu, und es musste erweitert werden: 1910 nahm das Kantonsspital den Westflügel in Betrieb.

Die Behandlung schwerer Krankheiten im Spital wurde im Verlauf des 20. Jahrhunderts zur Selbstverständlichkeit, und die medizinischen Methoden verbesserten und verbessern sich laufend – eine Entwicklung, die sich 1866 wohl kaum jemand hätte vorstellen können.

Hinweis

Dieser Artikel ist kürzlich im Gemeinde­informationsheft «STANS!» erschienen.

Ein Blick ins Operationszimmer im selben Jahr. (Bild: Staatsarchiv Nidwalden)

Ein Blick ins Operationszimmer im selben Jahr. (Bild: Staatsarchiv Nidwalden)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.