NIDWALDEN
Die Arbeitsbedingungen in der Pflege sollen besser werden

Zu niedrige Löhne, zu hoher Stress: In den Pflegeberufen mangelt es an Fachkräften. Landrat Joseph Niederberger verlangt vom Regierungsrat nun eine Lagebeurteilung und mögliche Massnahmen.

Florian Pfister
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Es mangelt an Pflegefachkräften. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie ist klar geworden, dass sie eine eminent wichtige Funktion zu erfüllen haben, sagt Landrat Joseph Niederberger (Die Mitte, Oberdorf). Er will deswegen von der Regierung wissen, wie akut der Mangel an Pflegeperson im Kanton Nidwalden ist und wie man darauf reagieren kann. Dafür hat er eine Interpellation eingereicht.

Das Pflegepersonal soll mehr Erholungszeit erhalten, fordert Landrat Joseph Niederberger.

Das Pflegepersonal soll mehr Erholungszeit erhalten, fordert Landrat Joseph Niederberger.

Symbolbild: Jean-Christophe Bott/Keystone

«Es geht mir vor allem um die Rahmenbedingungen», sagt Joseph Niederberger auf Anfrage. Für ihn ist klar: Die Arbeitsbedingungen in den Pflegeberufen müssen sich bessern. Oft sind die tiefen Löhne Grund dafür, dass Pflegende aus dem Beruf aussteigen. Aber auch der Stress sei nicht wegzudiskutieren. Einerseits sollten sie den Patienten die nötige Aufmerksamkeit schenken. Anderseits geben die Arbeitgeber den Takt vor und stecken den zeitlichen Rahmen sehr eng ab, weil die Kosten unter Kontrolle gehalten werden müssen. Niederberger geht darauf ein, dass in den nächsten Jahren Zehntausende Pflegefachkräfte fehlen werden.

«Es geht um Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung»

Landrat Joseph Niederberger (Die Mitte, Oberdorf).

Landrat Joseph Niederberger (Die Mitte, Oberdorf).

Bild: PD

«Wer sich für diesen Beruf entscheidet, möchte den Menschen helfen», sagt Joseph Niederberger. «Das ist aber nicht immer im vollen Masse möglich.» Viele Pflegende wünschen sich, mehr Zeit für ihre Patienten oder Bewohner zu haben und dass der administrative Aufwand kleiner werde. «Es geht auch um verlässliche Einsatzpläne und vor allem um ausreichendes Personal, damit die Arbeit nicht ständig unter Zeitdruck erledigt werden muss und Überstunden angehäuft werden müssen», so Niederberger in seinem Vorstoss. «Es geht um Wertschätzung und gesellschaftliche Anerkennung.»

Das Parlament in Bern hat sich für einen indirekten Gegenvorschlag zur Pflegeinitiative ausgesprochen. Diesen begrüsst Joseph Niederberger zwar, aber er bemängelt, dass darin Massnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen der Pflegefachkräfte nicht angesprochen werden.

Bessere Bedingungen sollen zu weniger Stress führen

Das Problem bestehe nicht nur in der Schweiz. Joseph Niederberger erwartet Lösungen. Er geht auf verschiedene europäische Länder ein, welche entsprechende Massnahmen getroffen haben. Auf Anfrage nennt er Deutschland als Beispiel. Dabei gehe es zwar um das Personal der Physiotherapie, solche Lösungen seien aber auch für Pflegende möglich. Die Arbeitsbedingungen seien verbessert worden. Ein besserer Lohn und weniger Arbeitszeit führen zu stressfreiem Arbeiten mit genügend Erholung, sagt Niederberger. Ausserdem geniesst das Personal gewisse Privilegien wie beispielsweise, die Kinder gratis bei Kindertagesstätten abgeben zu können.

Konkret will Niederberger vom Regierungsrat wissen, wie er die Gesamtsituation im Kanton Nidwalden beurteilt und wo die Ursachen für den Fachkräftemangel liegen. Er will erfahren, welche Massnahmen getroffen und wie allfällige Mehrkosten finanziert werden könnten. Joseph Niederberger betont: «Mir ist das Anliegen ernst. Es ist zum Wohl der Pflegenden und der Patienten oder Bewohnenden. Wenn jemand im Altersheim ist, möchte diese Person, dass sich die Pflegenden für sie Zeit nehmen können.»