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NIDWALDEN: Die Gratis-Sperrgutsammlung ist ein Auslaufmodell

Viele Bürger müssen bald von der Gratis-Sperrgutsammlung Abschied nehmen. Weil nicht alle Gemeinden das gleiche neue System anwenden, wird da und dort nun Sperrgut-Tourismus befürchtet.
Matthias Piazza
Bald wird dieses gewohnte Bild verschwinden: Sperrgut wird in rauen Mengen zum Abtransport bereitgestellt. (Bild Corinne Glanzmann)

Bald wird dieses gewohnte Bild verschwinden: Sperrgut wird in rauen Mengen zum Abtransport bereitgestellt. (Bild Corinne Glanzmann)

Matthias Piazza

Es ist ein gewohntes Bild: Zweimal im Jahr warten Möbel und sonstige Gegenstände, für die die Besitzer keine Verwendung mehr finden, am Strassenrand auf die Sperrgutabfuhr. Dieses Bild gehört in vielen Nidwaldner Gemeinden bald der Vergangenheit an. In Stans, Ennetmoos, Dallenwil, Wolfenschiessen fährt diesen Oktober der Sperrgut-Lastwagen das letzte Mal vorbei. Ennetbürgen, Emmetten, Hergiswil, Beckenried, Buochs, Oberdorf und Stansstad anderseits halten an der halbjährlichen Sperrgutsammlung fest. Sie müssen diese neu selber finanzieren, abhängig von den effektiven Mengen.

Dies hat die Delegiertenversammlung des Kehrichtverwertungsverbands Nidwalden (KVVNW) so beschlossen – nicht ganz freiwillig: Die Regierung wollte einen Regimewechsel, weil das heutige System, via Verband und Steuergelder finanziert, nicht verursachergerecht und somit nicht rechtens sei.

Giesskannensystem nicht gerecht

Das neue System sei fairer, da verursachergerecht, findet der Stanser Gemeinderat Lukas Arnold. «Ab nächstem Jahr hätten sich alle Bürger über die höhere Gemeindegebühr an der Finanzierung der Sperrgutsammlung beteiligen müssen.» Dieses Giesskannensystem wäre besonders für jene nicht gerecht, welche kein Sperrgut zum Entsorgen hätten. «Haushalte und Firmen, welche die Sammeltage für Räumungen genutzt haben, werden nun nicht mehr die Allgemeinheit belasten.» Missbrauch, weil die Nachbargemeinden Stansstad und Oberdorf am Regime festhalten, befürchtet er nicht. «Es wird sich kaum jemand die Mühe nehmen, einen Lieferwagen zu mieten, um seinen Schrank in eine benachbarte Gemeinde zu karren.»

Angst vor Güseltourismus

Auch Ennetmoos verabschiedet sich von der Sperrgutsammlung. Der Forderung nach verursachergerechter Finanzierung könne man nicht nachkommen, wenn man pro Wohnung 15 Franken pro Jahr pauschal verrechne, heisst es aus dem Gemeindehaus. Auch befürchtet man, die separate Sperrgutsammlung könnte den Bemühungen nach Wiederverwertung im Wege stehen. Anders als in Stans hält Ennetmoos, künftig von sperrgutlosen Gemeinden umgeben, eine Zunahme des Güseltourismus für möglich. Es sei aber «nicht nötig, dass der Staat private Unternehmen konkurrenziert», schreibt der Gemeinderat mit Hinweis auf private Angebot für grössere Entsorgungen. Den Überlegungen schliesst sich auch Wolfenschiessen an. Die Aufrechterhaltung der Sperrgutabfuhr würde hier pro Wohnung 25 Franken mehr kosten. Das bedeute, dass jeder Haushalt, der jährlich weniger als 65 Kilo Sperrgut liefert, mit den Gebührenmarken (10 Franken für 25 Kilo) günstiger fahre. Auch müsste sich bei bestehendem Regime jeder Haushalt mit weniger als 65 Kilo an den Sperrgutkosten der anderen beteiligen.

Gegen eine Sperrgutsammlung spricht aus Sicht des Wolfenschiesser Gemeinderates auch der mögliche Missbrauch. «Die riesigen Sperrguthaufen an den Strassen, häufig von Wohnungsräumungen, Umbauten und Renovationen oder vom Gewerbe, waren selbstsprechend.» Auch zuhinterst im Engelbergertal befürchtet man die Gefahr von Güseltourismus.

Ganz anders in Buochs. Dort bleibt alles beim Alten. Die Gemeinde kommt dem Wunsch der Bevölkerung nach. 75 Prozent sprachen sich in einer Umfrage für die Sperrgutsammlung aus, 44 Prozent für den gewohnten halbjährlichen Rhythmus, wie es auf Facebook heisst. Auch in Emmetten bleibt es wie gehabt. Allerdings steigt die Gemeindegebühr von 39 auf 60 Franken.

Wenig überraschend die Mitteilung des Oberdorfer Gemeinderates, der an der Sitzung vom 22. August beschlossen hat, im nächsten Jahr die zweimalige Sperrgutsammlung weiterzuführen. «Im Hinblick auf die Erhaltung dieser Dienstleistung hat sich der Gemeinderat bereits 2015 für die Weiterführung starkgemacht», heisst es. «Diese Dienstleistung wollen wir unseren Bürgern weiterhin anbieten», schreibt auch der Hergiswiler Gemeinderat.

HINWEIS
Die Nidwaldner können nach wie vor jederzeit ihr Sperrgut auch im Recyling-Center an der Stanser­strasse in Buochs entsorgen oder der Kehrichtabfuhr mitgeben. Dafür sind Sperrgutmarken nötig. Für 5 Kilo bezahlt man 2 Franken.

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