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NIDWALDEN: Die Grosskinder spornen ihn zu Höchstleistungen an

Othmar Blättler läuft freiwillig mit Gewehr und Gepäck. Auch nach dem 350. Waffenlauf hat er noch nicht genug.
Matthias Piazza
Othmar Blättler im Waffenlauf-Tenü. (Bild Corinne Glanzmann)

Othmar Blättler im Waffenlauf-Tenü. (Bild Corinne Glanzmann)

Das Stichwort verbinden wohl viele aktuelle oder ehemalige Armeeangehörige mit schweisstreibenden, strapaziösen, stundenlangen, nie enden wollenden Schuftereien über weite Strecken, womöglich unter sengender Sonne und mit kiloweise Gepäck. Othmar Blättler, mit 65 Jahren längst von der Militärpflicht befreit, hat eine solche «Tortur» erst vergangenen Sonntag über sich ergehen lassen – und hatte seinen Spass daran. Zusammen mit über 230 Läufern lief er am 30,5 Kilometer langen Waffenlauf im bernischen Wiedlisbach – im Tarnanzug und mit 6,2 Kilo Gepäck und Gewehr am Rücken. Nicht nur der Anlass stand unter einem Jubiläum – gefeiert wurde 100 Jahre Waffenlauf in der Schweiz – auch Othmar Blättler hatte allen Grund zum Feiern.

So gut wie keinen Lauf verpasst

Es war sein 350. Waffenlauf, den er erfolgreich absolvierte, angefeuert durch seine Familie und seine Grosskinder, die ihn streckenweise begleiteten. Mit der Laufzeit von 3 Stunden und 47 Minuten schaffte er es auf den 33. Rang von 50 Teilnehmern in seiner Kategorie. Aus seiner Sicht ein respektables Resultat, zumal unterwegs noch Fotoshootings mit der Familie abgehalten wurden. Mindestens so stolz ist er auf die hohe Zahl von 350 Teilnahmen. Sie kam zu Stande, weil er in den vergangenen 39 Jahren kaum einen Lauf verpasste.

Richtig arbeiten statt Sport treiben

«Ich hätte mir nie träumen lassen, dass ich dereinst auf 350 absolvierte Waffenläufe zurückblicken kann», sagt der Wolfenschiesser. Denn in seinen jungen Jahren hatte er noch eine ganz andere Einstellung zum Sport. «Wer Laufsport betreibt, sollte richtig arbeiten, dann ist er auch genug müde», erinnert sich der gelernte Landwirt zurück, der als Schlosser, Käser und später bei der damaligen Luzern-Stans-Engelberg-Bahn und bis zu seiner Pensionierung vor fünf Jahren im Sicherheitsdienst auf den Militärflugplätzen Buochs und Emmen arbeitete.

Im Militärdienst kam er sozusagen auf den Wettkampf-Geschmack, als er Mitte der 1970er-Jahre als Trainsoldat mit seiner Pferde-Einheit bei einem Lauf den dritten Platz belegte. 1976 fragte ihn ein befreundeter Waffenläufer, ob er nicht für ihn am 19,1 Kilometer langen Krienser Waffenlauf einspringen wolle, da er aus persönlichem Grund nicht teilnehmen könne. «Ich wusste damals gar nicht, was ein Waffenlauf überhaupt ist, liess mich aber dazu überreden», erinnert er sich.

Es war die Zeit von Albrecht Moser. Der berühmte Schweizer Waffenläufer gewann 1978 bis 1985 achtmal in Folge den Schweizer-Meister-Titel. Und so liess Blättler künftig praktisch keinen Waffenlauf und Armeegepäckmarsch aus, wie die Sportart korrekt heisst – sei es in Toggenburg, St. Gallen. Neuenburg, Zürich, Wiedlisbach, Freiburg, Reinach, Altdorf, Kriens, Thun oder Frauenfeld. Sein erstes Ziel von 100 Läufen war bald erreicht, 2008 hatte er bereits seinen 300. absolviert. Und nun den 350.

Ein Schwatz während des Marsches

«Die anfeuernden Zuschauer am Strassenrand und die Stimmung machten mich zu einem fanatischen Waffenläufer», begründet er seine Faszination für diese Sportart. Besonders hebt er die grosse Kameradschaft unter den Läufern hervor. «Wir schwatzen auch während eines Laufes miteinander und trinken danach noch etwas. Das erlebte ich bei athletischen Läufen nicht so ausgeprägt. Dort kämpften die meisten vor allem in den vorderen Rängen verbissen um den Sieg», sagt Blättler, der früher auch «zivile» Läufe bestritt.

Nie aufgegeben

Doch das gemütliche Beisammensein will verdient sein. Den berühmten Hammermann, der bei Marathonläufern meist zwischen Kilometer 33 und 36 eintritt, kennt auch Blättler. «100 Kilometer zu laufen, sind hart. Da darf man nicht zu viel denken. Nur so kann man den inneren Schweinehund überwinden. Wenn ich mir vor Augen führen würde, dass noch 20 Kilometer zu bewältigen sind, würde ich durchdrehen.» Das Gefühl der Euphorie und der Zufriedenheit nach dem Erreichen des Ziels sei aber die Mühe wert. Nicht ohne Stolz sagt er, dass er jeden begonnenen Lauf auch beendet habe.

Etwas betrüblich findet er, dass Waffenläufe nicht mehr solche Teilnehmer- und Zuschauerzahlen aufweisen wie in früheren Jahren. Er erklärt sich dies sowohl mit der abnehmenden Popularität der Armee als auch damit, dass junge Leute heutzutage unter viel mehr Sportarten und Freizeitbeschäftigungen auswählen können. Er erinnert sich an einen Zwischenfall in Kriens, als eine Gruppe junger Leute den Waffenlauf störte.

Doch die Talsohle scheint durchschritten. «Ich glaube an die Zukunft des Waffenlaufs.» Optimistisch stimmt ihn auch, dass in den vergangenen Jahren wieder neue Laufveranstaltungen entstanden. Auch er hat noch nicht vor, mit dem Kapitel abzuschliessen. Und hat sich schon ein neues, ambitioniertes Ziel gesetzt: 400 Läufe zu absolvieren.

Matthias Piazza

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