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NIDWALDEN: Die Kleinseilbahnen bekommen ihren Fanclub

Sie gehören zum Kulturgut des Kantons. Ein neu gegründeter Unterstützungsverein will mithelfen, die kleinen Seilbahnen am Leben zu erhalten. Die Solidarität können die Bahnbetreiber brauchen.
Die landwirtschaftliche Erschliessungsbahn mit Touristischer Nutzung: Die Spiess - Sinsgäu-Bahn in der Gemeinde Oberrickenbach. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Die landwirtschaftliche Erschliessungsbahn mit Touristischer Nutzung: Die Spiess - Sinsgäu-Bahn in der Gemeinde Oberrickenbach. (Bild: URS FLUEELER (KEYSTONE))

Nidwalden nennt man auch den Kanton der Seilbahnen: Kaum eine Alp, auf die keine Gondel hinauffährt – meistens betrieben durch Älpler oder Alpkorporationen. Viele Bahnen wurden zu Zeiten gebaut, als höher gelegene Höfe noch nicht mit Strassen erschlossen waren. Oft benutzen Kinder solche Bahnen für ihren Schulweg. Oder Wanderer kürzen damit ihre Routen ab.

Doch die teils ziemlich originellen Kabinen – oft in Form einer Nussschale oder eines Schiffleins – sind in ihrer Existenz gefährdet, wie ein Blick in die Statistik zeigt. Mitte des 20. Jahrhunderts waren mehr als 40 Berg- und Alpbetriebe in Nidwalden mit einer Kleinseilbahn erschlossen. Dabei handelt es sich um Bahnen, die höchstens acht Personen pro Kabine transportieren und deren Betrieb nicht an einen Fahrplan gebunden ist (auch gibt’s keine Transportpflicht). Heute gibt es noch 28, nur 24 davon dürfen nach wie vor Personen transportieren.

«Wir müssen unsere Kleinseilbahnen unbedingt am Leben erhalten. Sie sind in Nidwalden nicht nur ein Transportmittel, sondern ein Kulturgut und ein Markenzeichen des Kantons», sagt Paul Odermatt. Der Oberdorfer ist designierter Präsident der «Freunde der Kleinseilbahnen». Die Initianten des künftigen Unterstützungsvereins stellten sich am Samstag in Oberrickenbach den Medien vor. Sie wollen den Bahnbetreibern, welche sich im vergangenen Jahr zum Seilbahnverband Nidwalden zusammenschlossen (siehe unten), Unterstützung bieten.

Der Ort am Samstag war nicht zufällig gewählt, ist doch die Bahn von Fell nach Spies von der Schliessung bedroht. Mit ihr hängt auch das Schicksal einer weiteren Seilbahn am seidenen Faden, nämlich jener von Spies hinauf auf die Alp Sinsgäu.

Eine Lobby für die kleinen Seilbahnen

«Als eine Art Fanclub wollen wir die Seilbahnbetreiber ideell und materiell unterstützen, als Lobbyisten ihnen eine Stimme verleihen», umreisst Odermatt die Ziele. Denn politisch wehe den Bahnen ein rauer Wind entgegen. «Immer strengere und unserer Ansicht nach unverhältnismässige Sicherheitsbestimmungen, verbunden mit hohen Kosten, machen den Seilbahnbetreibern das Leben schwer.» Sollten sie ihnen entsprechen, müssten in den kommenden Jahren weit mehr als die Hälfte der kleinen Seilbahnen nachgerüstet oder gar ersetzt werden. Wenn nicht, drohe ihnen das Aus. Die Konsequenz davon wäre, dass die Bergheimet entweder aufgegeben oder dass die Bahnen durch Strassen ersetzt werden müssten.

Eine Gratisfahrt zum Dank

Mitglied des Unterstützungsvereins kann jeder werden, welcher 50 Franken pro Jahr beisteuert. Als Gegenleistung gibt’s jährlich eine Gratisfahrt. «So werden die Leute sensibilisiert für unsere Bahnen, erkennen ihren Stellenwert, wenn sie diese auf ihrer Wanderung benutzen», so Odermatt. Idealerweise würden sie auch ihr Umfeld vom Seilbahnvirus anstecken im Kanton mit der schweizweit höchsten Seilbahndichte. «Für Gäste aus dem Ausland ist eine Fahrt mit einer solchen Bahn immer etwas Spezielles.» Obwohl der Verein offiziell erst am 15. Juni gegründet wird, zählt er schon über 40 Mitglieder. «Die Leute kommen aus allen Richtungen – darunter sind Landwirte, Berggänger, Künstler oder Gewerbetreibende.» So gehören zu den Mitgliedern der ersten Stunde auch der Stanser Künstler Rochus Lussi oder der Wolfenschiesser Mundartsänger Franz Arnold (Wiudä Bärg). «Die hohe Resonanz hat mich sehr überrascht. Wir spüren eine unglaubliche Sympathiewelle», freut sich Paul Odermatt und blickt der Zukunft der Seilbähnchen optimistisch entgegen.

Erste Erfolge erzielt

Am 19. April 2016 haben sich die Besitzer der Kleinseilbahnen zum Seilbahnverband Nidwalden zusammen. Sie konnten inzwischen erste Erfolge erzielen. So kommen sie etwa in den Genuss der ihnen zustehenden Subventionen. Ein neues Reglement und schärfere Bestimmungen wurden hinterfragt, das Rettungswesen wurde überdacht und ein einheitliches Rettungskonzept für alle Bahnen erstellt. Massnahmen tun not. Nach Schätzungen von Experten droht schweizweit der Hälfte der noch existierenden Kleinseilbahnen das Aus. (map)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Die Kleinseilbahnen im Kanton Nidwalden

(T) = Touristische Nutzung, ansonsten für die Landwirtschaft

Dallenwil Niederrickenbach - Musenalp (T)
Dallenwil Wiesenberg - Unterschwändli
Dallenwil Dallenwil - Wiesenberg (T)
Dallenwil Eggwald - Gummenalp
Dallenwil Sesselbahn Haldigrat
Emmetten Emmetten - Niederbauen (T)
Emmetten Emmetten - Eggeli
Emmetten Emmetten - Hammen
Emmetten Waldi - Kalthütten
Grafenort Mettlen - Hinter Rugisbalm (T)
Grafenort Hinter Rugisbalm - Eggen (T)
Grafenort Grafenort - Brunniswald (T)
Oberrickenbach Post - Haldiwald
Oberrickenbach Oberrickenbach - Schmiedsboden
Oberrickenbach Fellboden - Bannalp (T)
Oberrickenbach Fell - Spies (T)
Oberrickenbach Spies - Sinsgäu (T)
Wolfenschiessen Zelgli - Brändlen (T)
Wolfenschiessen Mettlen - Flühmattli
Wolfenschiessen Wolfenschiessen - Diegisbalm (T)
Wolfenschiessen Diegisbalm - Oberalp (T)
Wolfenschiessen Untertrübsee - Obertrübsee
Hergiswil Brunni - Alp Gschwänd

Kleinseilbahnen mit Spezialbewilligungen oder ohne Bewilligungen:

Dallenwil Oberholzwang
Wolfenschiessen Wissifluh
Wolfenschiessen Allmendi - Walliballm
Wolfenschiessen Grunggis

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