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NIDWALDEN: Die Regierungsratskandidaten lassen sich auf den Zahn fühlen

Neun wollen in die Regierung, Platz hat es nur für sieben. Am Podium unserer Zeitung versuchten die fünf bisherigen und vier neuen Kandidaten, beim Publikum Punkte zu sammeln. Auch einer der Neuen hat damit schon Erfahrung.
Matthias Piazza
Sie sind die neuen Kandidaten für den Nidwaldner Regierungsrat (von links): Joe Christen (FDP, Stans), Niklaus Reinhard (FDP, Hergiswil), Michèle Blöchliger (SVP, Hergiswil) und Conrad Wagner (Grüne, Stans). (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Stans, 19. Februar 2018))

Sie sind die neuen Kandidaten für den Nidwaldner Regierungsrat (von links): Joe Christen (FDP, Stans), Niklaus Reinhard (FDP, Hergiswil), Michèle Blöchliger (SVP, Hergiswil) und Conrad Wagner (Grüne, Stans). (Bild: Urs Flüeler/Keystone (Stans, 19. Februar 2018))

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung

Wen soll ich am 4. März in die Regierung wählen? Diese Frage dürfte sich mancher Nidwaldner stellen, der die Wahlunterlagen studiert hat. Sah es eine Zeit lang nach stillen Wahlen aus, kämpfen nun neun Kandidaten um die sieben Sitze. Nachdem die FDP beschloss, mit Joe Christen und Niklaus Reinhard mit zwei neuen Kandidaten ins Rennen für den freiwerdenden Sitz von Yvonne von Deschwanden (FDP) zu steigen, will auch Conrad Wagner (58) von den Grünen den Sprung in die Regierung schaffen – in seinem dritten Anlauf allerdings ohne die offizielle Unterstützung seiner Partei. Michèle Blöchliger soll den SVP-Sitz des zurücktretenden Ueli Amstad halten.

Rund 150 Leute nahmen am Montagabend die Gelegenheit wahr, die Kandidaten im Kollegisaal am Podium unserer Zeitung live zu erleben. «Ich würde am liebsten die Landwirtschafts-, Umwelt- und Energiedirektion übernehmen. Beim Elektrizitätswerk Nidwalden stehen einige Entscheidungen ins Haus, die Strommarktliberalisierung kommt auf uns zu», antwortete der Stanser Conrad Wagner auf die Frage nach seinem Lieb­lingsdepartement. Als Bauernsohn habe er auch einen Bezug zur Landwirtschaft. Von Markus von Rotz, Gesprächsleiter und Redaktionsleiter der «Nidwaldner Zeitung», auf die Wahlchancen angesprochen, gab sich der Mobilitätsplaner, gerade zurück von der Stammtischtour in Emmetten, zuversichtlich. 20 Personen hätten sich dort eingefunden. «Ich habe das Gefühl, dass ich das Gespräch mit den Leuten gefunden habe.» Immer wieder habe er die Aussage gehört, «jetzt bist du einer von uns». Vor zwei und vier Jahren war er den Gegenkandidaten deutlich unterlegen. Doch diesmal, ohne die offizielle Unterstützung der Grünen, sei die Ausgangslage anders. «Ich bin jetzt für das ganze politische Spektrum wählbar. Ich stehe für die Vielfalt ein und kenne die politische Arena sehr gut», holte der 58-jährige Stanser, der seit 2006 dem Landrat angehört, zur Eigenwerbung aus.

Ob Hergiswil nicht ein Übergewicht hätte, fragte Markus von Rotz die SVP-Kandidatin Michèle Blöchliger (50). Denn sollten sie und Niklaus Reinhard (FDP) gewählt werden, würde Hergiswil zwei der sieben Regierungsräte stellen, zudem mit Hans Wicki den Ständerat und mit Peter Keller den Nationalrat. «Einen oder zwei Hergiswiler erträgt es. Zudem ist es nicht eine Frage nach zu viel oder zu wenig», antwortete sie und wies darauf hin, dass auch einmal Stans übermässig stark vertreten gewesen sei. Die aktuelle Landratspräsidentin gehört dem Parlament seit fast 16 Jahren an. Politische Exekutiverfahrung hat sie nicht. «Führungserfahrung sammelte ich bei einer Grossbank, ich leitete Abteilungen mit bis zu 40 Leuten.» Auch als Juristin habe sie einen Bezug zur Landwirtschaft, «auch, wenn ich nicht so viel Kuhmist an den Stiefeln habe». Sie wohne in Hergiswil mit Landwirtschaftsbetrieben in der Nachbarschaft. «Bei den benachbarten Bauernhöfen hole ich Milch und Eier», erzählte sie, als es um die Frage der Departementszuteilung ging. «Mit der Erfahrung als Landrätin und der Führungserfahrung in der Privatwirtschaft bringe ich die notwendigen Kompetenzen für das Amt als Regierungsrätin mit. Ich habe Leidenschaft und Herzblut für den Kanton Nidwalden, in dem ich seit 27 Jahren wohnen darf», lautete der Werbeslogan der Hergiswilerin mit unüberhörbaren Basler Wurzeln.

«Im Bereich Gesundheit haben wir grossen Handlungsbedarf»

«Sie treten quasi gegen Ihren eigenen Chef an. Ist das nicht etwas frech?», fragte Markus von Rotz den FDP-Kandidaten Joe Christen, der beim Kanton Nidwalden für den Landerwerb zuständig und damit CVP-Baudirektor Josef Niederberger unterstellt ist. «Es ist mutig, aber nicht frech», antwortete Joe Christen. Mit dem Rücktritt von Yvonne von Deschwanden (FDP) wird die Gesundheits- und Sozialdirektion vakant, vorausgesetzt, es gibt keine Rochaden. Christen sprach von einem Wunschdepartement. «Im Bereich Gesundheit und Soziales haben wir einen grossen Handlungsbedarf. Da geht es nicht bloss um Zahlen, da geht es um wesentlich mehr. Es würde mich reizen, die gut geleistete Arbeit weiterzuführen.» Auch mit dem Spitalverbund mit Luzern sei man auf dem richtigen Weg. «Ich bin keiner Branche und keiner Altersgruppe verpflichtet, habe Führungserfahrung. Als Ur-Nidwaldner lohnt es sich, sich mit jeder Faser für den Kanton einzusetzen», hob der 53-jährige Stanser Vizegemeindepräsident seine Vorzüge hervor.

Privat wurde es beim zweiten FDP-Regierungsratskandidat Niklaus Reinhard (53), der mit der Matura Vater wurde. «Würden Sie die Erfahrung weiterempfehlen?», lautete die Frage des Diskussionsleiters. «Es ist sicher nicht zu empfehlen, aber eine gute Lebensschule», so die Antwort. Seine Motivation, nach acht Jahren im Landrat in die Regierung zu wechseln, beschrieb der Hergiswiler Inhaber eines Architekturbüros so: «Mit meiner Leidenschaft und Freude will ich mich für den Kanton einsetzen. Dies mit meinem Rucksack an Erfahrungen in der Politik, im Kulturellen und in Vereinen, sei es etwa im Engagement um den Erhalt der Kleinseilbahnen.»

Verkleinerung der Regierung: Idee kommt schlecht an

Möglicherweise wird dieses Jahr letztmals eine siebenköpfige Regierung gewählt. Es ist ein Vorstoss hängig, der wieder einmal eine Verkleinerung verlangt. «Das Volk hat sich damals an der Abstimmung für sieben Regierungsräte entschieden. Gegenüber heute hat sich nichts geändert», begründete Michèle Blöchliger ihre Haltung zum Status quo. Sie sprach damit die SVP-Initiative zur Verkleinerung von sieben auf fünf Regierungsräte an, die 2005 mit rund 60 Prozent an der Urne verworfen worden war.

Auch Joe Christen will am heutigen Modell festhalten. «Die Qualität der Entscheidungen ist bei einem Siebner-Gremium besser. Dass man mit einer kleineren Regierung sparen kann, ist eine Illusion.» Für Conrad Wagner fehlt der Leidensdruck für eine Systemänderung. «Wir müssen nicht nach weiteren Themen suchen», die politische Agenda sei genug gefüllt. Zudem befürchtet er, dass bei einer kleineren Regierung der Austausch mit der Bevölkerung nicht mehr gewährleistet sei.

«Ich stimme Nein, aber es knurrt im Magen»

Kontroverser äusserten sich die Kandidaten zur nationalen No-Billag-Initiative, über die am 4. März abgestimmt wird. Michèle Blöchliger ist, wie ihre Partei, für ein Ja, insbesondere, weil mit der bestehenden Regelung künftig auch die Betriebe mit einem Jahresumsatz ab 500000 Franken jährlich zahlen müssten. «Medien und Informationen sollen nicht von wirtschaftstreibenden Unternehmen vorgefiltert werden», begründete Joe Christen seine ablehnende Haltung zur Initiative. Für Conrad Wagner braucht die SRG eine Reform. Doch gehe die Initiative zu weit. «Ich will das System nicht zerstören lassen.» Auch Niklaus Reinhard hat eine differenzierte Haltung dazu. «Ich stimme Nein, aber es knurrt im Magen. Den Unterhaltungsbereich darf man sicher hinterfragen.»

Das Publikum interessierte sich allerdings mehr für Fragen im eigenen Kanton. So lagen einer Studentin aus Stans vor allem die teuren Wohnungen auf dem Magen. «Wir müssen günstigen Wohnraum schaffen. Wir könnten im Kanton bauen, wenn es weniger Einsprachen oder weniger rote Zonen gäbe», merkte Niklaus Reinhard an. Joe Christen erzählte von hohen Ansprüchen im Siedlungsleitbild. «Wir haben genug eingezontes Land, nur nicht dort, wo man es braucht.» Und Conrad Wagner sieht die Lösung in neuen Wohnformen und kleineren Wohnungen.

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