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NIDWALDEN: «Dieses Gefühl kann ich gar nicht beschreiben»

Mythos Jungfrau-Marathon: Gemeinsam mit über 4000 Läufern startet am Samstag auch Alexander Kerber, Leitender Arzt am Spital Stans.
Interview Kurt Liembd
Alexander Kerber in seinem Untersuchungszimmer im Spital Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Alexander Kerber in seinem Untersuchungszimmer im Spital Stans. (Bild Corinne Glanzmann)

Gleich zwei Kaderärzte des Kantonsspitals Nidwalden starten am Samstag am Jungfrau-Marathon – Christoph Knoblauch (51) und Alexander Kerber (45). Wir sprachen mit Kerber über sein sportliches Abenteuer und fragten, ob ein solcher Extrem-Berglauf überhaupt gesund ist.

Alexander Kerber, was bewegt Sie als Arzt zu diesem sportlichen Abenteuer?

Kerber: Ich laufe den Jungfrau-Marathon nicht als Arzt, sondern als Sportler. Es war jedoch unter anderem der Sport, der mich dazu bewegte, Arzt zu werden. Der Jungfrau-Marathon hat für mich einen besonderen Stellenwert.

Weshalb? Was fasziniert Sie daran?

Kerber: Je länger und anspruchsvoller die Strecke, umso überwältigender ist das Gefühl bei der Zielankunft. Dieses Gefühl kann ich gar nicht beschreiben, das muss man erleben. Die Faszination für diesen Wettkampf liegt nicht zuletzt darin, dass man mehrere Monate auf diesen einen Tag hin trainiert und den Wettkampf gegen sich selbst führt. Beim Überqueren der Ziellinie wird man für alle Mühen ausgiebig belohnt. Selbst meiner Frau, die früher 800-Meter-Läuferin war, kann ich meine Begeisterung für den Jungfrau-Marathon nicht überzeugend erklären.

Sind solche Rennen über mehrere Stunden für den menschlichen Körper überhaupt gesund?

Kerber: Das ist eine Frage der Umstände, wie bei allem im Leben, und hängt von vielen Faktoren ab wie Training, Erfahrung oder körperliche Voraussetzungen. Grundsätzlich kann man bei einem Marathon nicht von «gesund» sprechen. Aber unter korrekten Voraussetzungen ist ein Marathon auch nicht ungesund.

Sie sind Spezialist für orthopädische Chirurgie und kennen Knie- und Hüftgelenke bestens. Wie gross ist die Gefahr, dass die Gelenke an einem solchen Extrem-Berglauf Schaden ­nehmen?

Kerber: Hier muss man grundsätzlich unterscheiden zwischen akuten Verletzungen an Bändern der Sprung- und Kniegelenke und degenerativen Veränderungen des Bewegungsapparates wie zum Beispiel Gelenkabnutzung im Knie- und Hüftgelenk. Die Gefahr, dass man bei einem Bergmarathon das Knie- und Hüftgelenk überbeansprucht, ist sehr gering, da das Bergauflaufen im Gegensatz zu einem Flachmarathon gelenkschonend ist. Aber auch hier gilt, dass sportlicher Ehrgeiz zwar gut ist, aber die Vernunft sollte im Rucksack mit dabei sein.

Würden Sie auch Ihren Freunden empfehlen, den Jungfrau-Marathon zu laufen?

Kerber: Jederzeit, aber nur mit entsprechender Vorbereitung.

Wie werden Sie sich nach dem Rennen erholen?

Kerber: Hinsichtlich Regeneration hat ein Bergmarathon gegenüber Strassenläufen den Vorteil, dass man schneller wieder «fit» ist. Ich werde mich aktiv erholen auf dem Rennvelo bei der täglichen Fahrt zur Arbeit. Nach einer Woche sollte dann auch das Joggen wieder funktionieren.

Sie machen den Jungfrau-Marathon zum zweiten Mal. Hand aufs Herz: Hatten Sie während des Rennens, wenn Sie zum Beispiel die Gletschermoräne hinaufkraxeln, keine Zweifel, ob dies die richtige Sportart für Sie ist?

Kerber: Wenn es etwas gibt, was das letzte Stück auf der Gletschermoräne irgendwie erträglich macht, dann ist es das gewaltige Bergpanorama, das sich dort bietet. Da läufst du mit dem letzten Tropfen Sprit und hast das Gefühl, deine Beine explodieren. Die Zeit spielt dann längst keine Rolle mehr, man möchte sich am liebsten hinsetzen. Aber wenn man das Ziel erreicht hat, weiss man, weshalb man selbst bei Wind und Wetter trainiert hat.

Was erleben Sie während des Rennens zwischen Interlaken und der Kleinen Scheidegg?

Kerber: Eine enorme Begeisterung der zahlreichen Zuschauer, aber auch viel mehr glückliche Gesichter im Feld als bei einem Strassenmarathon. Zudem erlebe ich den eindrücklichen Wechsel vom Höhenweg in Interlaken bis hin zur hochalpinen Landschaft. Das ist wirklich einzigartig. Ich gebe aber zu, dass ich während des Laufes sehr konzentriert auf mein Tempo fokussiert bin.

Was bringt Ihnen der Laufsport persönlich?

Kerber: Die Gelegenheit, flexibel zu sein hinsichtlich meiner sportlichen Aktivitäten. Meine Laufschuhe sind bei jeder Reise immer dabei. So konnte ich schon in Vororten von Teheran joggen oder bei einem Kongress in Barcelona das Sightseeing-Programm in der Mittagspause abspulen.

Sie sind Leitender Arzt mit hoher Belastung und gleichzeitig erfolgreicher Langstreckenläufer. Wie bringen Sie Beruf und Sport unter einen Hut?

Kerber: Der Sport ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Gerade in Bezug auf die Belastung bei der Arbeit bietet das Laufen die ideale Möglichkeit, in der Mittagspause oder am Abend den Kopf auszulüften. Da kann es schon vorkommen, dass ich nachts um elf noch joggend auf der Kehrsitenstrasse unterwegs bin. Auch in meinem Beruf ist Ausdauer und Durchhaltewillen von Nutzen. Insofern passen diese beiden «Hobbys» ideal zusammen.

Welches ist Ihr nächstes sportliches Ziel nach dem Jungfrau-Marathon?

Kerber: Wahrscheinlich der Halbmarathon in Luzern Ende Oktober.

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