NIDWALDEN: Druck auf Bauern wächst

Laut einer Umfrage geht es den Nidwaldner Bauernfamilien gut. Der wirtschaftliche und soziale Druck steigt aber weiterhin. Die Nutzung der steilsten Lagen wird höher entschädigt.

Richard Greuter
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«Die Politik wird versuchen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dies entschärfen.»Andreas Egli
Amt für Landwirtschaft NW (Bild: Richard Greuter / NZ (Hergiswil, 15. Januar 2017))

«Die Politik wird versuchen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dies entschärfen.»Andreas Egli Amt für Landwirtschaft NW (Bild: Richard Greuter / NZ (Hergiswil, 15. Januar 2017))

Richard Greuter

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Die grosse Mehrheit der Nidwaldner Bauernfamilien ist mit ihrem Lebensstandard zufrieden. Aber eben nur die Mehrheit. Laut Erhebungen, die das Amt für Landwirtschaft Nidwalden im Jahr 2011 und 2016 durchführte, haben sich aber der wirtschaftliche Druck und die Arbeitsbelastung, sei es durch Betriebswachstum oder ausserbetriebliche Tätigkeit, erhöht.

Dies war an der mit rund 90 Personen sehr gut besuchten Orientierungsversammlung des Amts für Landwirtschaft im Restaurant Schlüssel in Dallenwil zu vernehmen. Die wirtschaftliche Situation hat sich im Vergleich zu den guten Vorjahren (2014 und 2015) verschlechtert und liegt auf dem Niveau von 2010. «Der wirtschaftliche Druck nimmt zu und belastet die Familien», berichtete Amtsvorsteher Andreas Egli.

Parameter haben sich negativ verändert

In der Folge hat sich auch die soziale Situation verschlechtert. Verschiedene Parameter wie Lebensstandard, Arbeitsbelastung, psychische Belastung, finanzielle und gesundheitliche Probleme wurden vom Amt für Landwirtschaft untersucht. Innerhalb von fünf Jahren haben sich sämtliche dieser Parameter negativ verändert. Für Egli sind die Ergebnisse zwar noch nicht dramatisch. «Aber man muss gut hinschauen.» Dabei verspricht er: «Die Politik wird versuchen, Rahmenbedingungen zu schaffen, die dies entschärfen.»

Kürzungen der Direktzahlungen

Einen sehr wichtigen Einkommensbestandteil der Bauernfamilien sind die Direktzahlungen des Bundes. Allerdings sind diese Beiträge an verschiedene Bedingungen wie ökologischer Leistungsnachweis (ÖLN) oder freiwillige Programme wie Landschaftsqualität (LQ) gebunden. Trotz Sparanstrengungen des Bundes bleiben die Beiträge weitgehend stabil. Leichte Kürzungen erwartet Egli bei der Investitionshilfe. Mit knapp 6 Millionen Franken bleibt auch der Rahmenkredit für Kantonale Fördermassnahmen für die Jahre 2016 bis 2019 unverändert. Ein grosses Anliegen des Kantons Nidwalden ist die Ausbringung der Hofgülle mit Schleppschlauch. Diese bisherige Fördermassnahme des Kantons wird weiterhin vom Bund unterstützt. Der Bund zahlt Ergänzungsbeiträge.

Wie Heiri Niederberger berichtet, hat das Amt für Landwirtschaft im vergangenen Jahr bei 56 Betrieben insgesamt 27000 Franken an Beiträgen gekürzt, 18 Betriebe mehr als letztes Jahr. Laut Heiri Niederberger betreffen 16 Kürzungen LQ-Beiträge, deren Verträge über mehrere Jahre laufen. Erfüllt ein Landwirt die Bedingungen nicht mehr vollständig, muss er einen Teil der Beträge der vergangenen Jahre zurückerstatten.

Wenig Verständnis hat Andreas Egli für einen Fall im Kanton Aargau, in dem einem Landwirt sämtliche Direktzahlungen gestrichen wurden. «Es darf nicht passieren, dass ein Landwirt wegen eines erstmaligen Verstosses sämtliche Direktzahlungen verliert», so die Sicht von Egli.

Betriebsdatenerfassung per Computer

Schon seit einigen Jahren können Bauernbetriebe ihre Betriebsdaten, welche für die Höhe der Direktzahlungen relevant sind, mit dem Computer erfassen. Dazu dient ihnen die Internetplattform www.agate.ch des Bundes. Bisher machten rund 50 Prozent davon Gebrauch. Seit diesem Jahr müssen auch die restlichen Betriebe ihre Daten elektronisch erfassen. Die Erfassung muss im Zeitfenster vom 1. bis 27. Februar erfolgen. «Bauern, die nicht über einen Internetanschluss verfügen, erhalten Unterstützung durch Ansprechpersonen innerhalb ihrer Gemeinde», informierte Michael Burkard vom Amt für Landwirtschaft.

Handarbeit wird belohnt

Trotz des Einsatzes von Laubbläsern erfordert die Nutzung von Steillagen immer noch viel Handarbeit. Diese wird nun belohnt. Ab diesem Jahr zahlt der Bund für Schnittnutzung in Steillagen über 50 Prozent 1000 Franken je Hektar. Das sind 300 Franken mehr. Die Grösse dieser Steilflächen wird durch den Bund ermittelt.

Hinweis

Am Montag, 6. Februar, findet um 20 Uhr im Restaurant Eintracht in Oberdorf ein Kurs für die Erfassung der Betriebsdaten mit dem Computer statt. Anmeldungen sind an das Amt für Landwirtschaft zu richten.