NIDWALDEN: Ein Hergiswiler Schildbürgerstreich

Autofahrer aufgepasst! Nun gibt es auch in Hergiswil eine Zone Tempo 30 und eine Zone Tempo 20. Seit dieser Woche gilt auf der Pilatusstrasse die Maximalgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern und auf dem Dorfplatz eine solche von 20 – beginnend beim Parkhaus Dorf über den Kirchenplatz bis zum Bahnhof.

Kurt Liembd
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Beim Brisenweg können Autolenker genau 8 Meter 50 km/h fahren, bevor die nächste 30er-Tafel kommt. (Bild Kurt Liembd)

Beim Brisenweg können Autolenker genau 8 Meter 50 km/h fahren, bevor die nächste 30er-Tafel kommt. (Bild Kurt Liembd)

Kurt Liembd

Sogar der Ortsbus der Zentralbahn darf auf dem letzten Abschnitt, wenn er in die Bahnhofstrasse einbiegt, nur noch 20 km/h fahren.

Gerade mal 8 Meter dazwischen

So weit, so gut, fast alle sind zufrieden. Einzig mit Schilderaufstellen ist das so eine Sache, wie die Situation beim Brisenweg zeigt. Biegt man nämlich von der Pilatusstrasse in den Brisenweg ein, wird zuerst die 30er-Zone aufgehoben und gleich danach wieder eingeführt. Dazwischen sind genau 8 (!) Meter, auf denen man theoretisch 50 km/h pro Stunde fahren dürfte. Damit konfrontiert, gibt Gemeindepräsident Remo Zberg offen zu: «Ja, ich weiss. Das ist in der Tat ein Schildbürgerstreich.» Gleichzeitig erklärt Zberg, dass der Gemeinderat am Dienstag beschlossen habe, unter der Leitung von Gemeinderat Renato Durrer «alle Schilder und Hemmnisse zu begutachten». Anschliessend wolle der Gemeinderat der Verkehrspolizei Verbesserungsvorschläge unterbreiten, erklärt Remo Zberg gegenüber unserer Zeitung weiter.

«Fachspezialisten» am Werk

Doch wie konnte es überhaupt zu einer solch merkwürdigen, ja gar verwirrenden Tafelsituation kommen, nachdem die Planung von Fachleuten stammt? In der Botschaft zur Herbst-Gemeindeversammlung 2013, an der die Stimmbürger die neuen Tempolimiten beschlossen haben, schrieb der Gemeinderat, dass hinsichtlich den verkehrstechnischen Fragen ein Büro aus Zug mit ausgewiesenen Fachspezialisten hinzugezogen werde. Und das nicht billig. Allein die Kosten für das verkehrstechnische Gutachten, für Planung und Bewilligungen belaufen sich auf 15 000 Franken. Dazu kommen rund 40 000 Franken für die Umsetzung der neuen Tempolimiten.

Privates Schild steht schon länger

Offenbar haben die Planer nicht an alles gedacht, zumindest nicht an alt Landratspräsident Josef Keiser. Denn der Brisenweg ist eine Privatstrasse. Als rechtmässiger Eigentümer hat Josef Keiser schon vor einiger Zeit von sich aus und freiwillig Tempo 30 eingeführt, was vom Kantonsgericht Nidwalden so genehmigt wurde. Diese Geschwindigkeitsbeschränkung ist aber nicht offiziell und wird deshalb von der Polizei nicht überwacht. Eine allfällige Tempoüberschreitung müsste vom Strasseneigentümer selber angezeigt und bewiesen werden. Streng juristisch sind die Tafeln deshalb zwar nicht falsch, der gesunde Menschenverstand aber kommt zu einem anderen Schluss.

Und wer sind nun die Schildbürger, die diesen Tafelsalat angerichtet haben? «Schildbürger sind alle, die das nicht bemerkt haben», sagt ein Anwohner, der nicht namentlich genannt werden will. «Dies fängt an bei allen Stimmbürgern, weil sie bei der Planauflage die Situation nicht bemerkt haben, dann die Polizei, der Gemeinderat als Auftraggeber, das Planungsbüro und die Auftragnehmer, welche die Tafeln montierten.» In diesem Fall also offenbar ein ganzes Dorf voller Schildbürger.