NIDWALDEN: Ein Stück Bollywood ist auch in Stans

Michela Gösken wagt sich an eine Neufassung von Shakespeares Komödie «Wie es euch gefällt». Am Freitag war Uraufführung im Kollegitheater.

Marion Wannemacher
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Wer ist hier Frau und wer Mann? Rosalind (links, Leonie Kirchgessner) trägt die Kleider von Hofnarr Touchstone (Mitte, Hannah Abry), er ihre. Celia (Alicia Baumann) amüsiert sich. (Bild Edi Ettlin)

Wer ist hier Frau und wer Mann? Rosalind (links, Leonie Kirchgessner) trägt die Kleider von Hofnarr Touchstone (Mitte, Hannah Abry), er ihre. Celia (Alicia Baumann) amüsiert sich. (Bild Edi Ettlin)

Marion Wannemacher

Der Untertitel «Liebeschaos im Bollywood» sagt eigentlich schon alles. Aus Frauen werden dank Kleidertausch Männer und umgekehrt. Am Schluss verlieben sich irgendwie alle (zumindest die Guten) und feiern ihr Glück. Plakativ und selbstironisch kommt Michela Göskens Neufassung der Skakespeare-Komödie rüber. «Wie’s euch gefällt» konnte die Autorin als eigenes weiteres Stück veröffentlichen.

Kohlköpfe singen mit

Dahinter steckt eine Riesenarbeit der Theatermacherin, die in Zürich lebt. Sie stemmt neben der Regie auch das Bühnenbild und zeigt dabei jede Menge witzige und originelle Einfälle. Beispiel: Aus einem Hügel ragen neun Kohlköpfe aus der Vertikalen und singen den Refrain von «Wonderful World» mit. Das Bühnenbild ermöglicht mehrere Spielorte auf einmal: die Festung von Herzog Frederic (Denise Kraft), der sich in einer Tour die Nägel feilt und bösartige Befehle anordnet. Sein Domizil ist ein vergitterter Raum in einem Blatt einer Axt in einem schrägen Burgturm. Eine Hügellandschaft aus grünem Filz mit klappbaren Pappbäumen bildet als «Wald» den bespielbaren Raum für die verschiedensten Gruppierungen.

Da sind der verbannte Herzog (Taiseh Nagata, der einzige männliche Darsteller übrigens), der vom hohen grünen Hügel aus als Guru seine Jünger mit seinen Botschaften beglückt. Sie haben im Wald in Hippiemanier ihren eigentlichen Sinn und ihr Glück gefunden.

Freundinnen durch dick und dünn

Ausserdem sind da Rosalind (das junge Talent Leonie Kirchgessner), ebenfalls von ihrem Onkel Herzog Frederic verbannt, und Cousine Celia (temperamentvoll gespielt von Alicia Baumann), begleitet von Hofnarr Touchstone (eine witzige Hannah Abry). Als Tochter des bösen Herzogs hält Celia zu ihrer Cousine und verlässt mit ihr den Hof. Die beiden gehen durch dick und dünn, wahre Freundschaft bleibt bestehen. Die Geschlechterrollen werden aufgebrochen. Rosalind tauscht mit Touchstone die Kleider. Ihr Herz aber verleugnet sie nicht. Das gehört dem jungen Orlando (hervorragend gespielt von Lynn Balli) und stets in Begleitung seines treuen Dieners Adam (überzeugend von Megan Dällenbach dargestellt). Orlando kann mit seinen Liebesgedichten zunächst nicht punkten.

Diese sind Shakespeare im Original. «Einfach zu literarisch, historisch und kulturell zu weit weg, sprachlich zu schwierig», befand auch Michela Gösken über das, was an Shakespeare-Texten heute überliefert ist. Sie wagte sich kurzerhand an eine neue Fassung. Auch Göskens Komödie wird geprägt von einem bunten Chaos der Figuren und Handlungsstränge. Da sind noch die Hinterwäldler zu erwähnen in Gestalt von Phöbe (Corina von Holzen), William (Tara Riva), Audrey (Salome Erdmann) oder Corina (Emma Meissner). Auch sie gibt es im Original.

Einen wesentlichen Anteil am Gelingen des Stücks hat die Musik. Mit einer Ouvertüre aus den tragenden Songtexten stimmt der musikalische Leiter Joseph Bachmann den Zuschauer ein, die Zitate aus dem Happy-End-Song «Falling In Love» von Randy Newman strukturieren das Stück und geben ihm eine gewisse Leichtigkeit. Die Arrangements funktionieren und erfreuen.

Weniger wäre mehr

Farbenfroh wirken viele Szenen (auch dank gelungener Kostüme à la Bollywood von Brigitte Fries), im Gesamteindruck des Stücks jedoch auch überladen. «Geniessen Sie eine Unordnung, die Sie nicht aufräumen müssen», schreibt bezeichnenderweise die Regisseurin selbst. Wie so häufig gilt die Maxime: Weniger wäre hier mehr gewesen. Die eine oder andere Szene ist ohne Verlust verzichtbar. Vielleicht warten Zuschauer in einer Zeit der gnadenlosen Informationsflut auf den Mut zum Purismus im Theater? «Wie’s euch gefällt» ist auch charmantes Theater und wirkt durch die frische und unbekümmerte Darstellung seines jungen Ensembles.

Hinweis

Weitere Aufführungen: Freitag, 20. November, Samstag, 21. November, jeweils 20 Uhr, Kollegitheater Stans. www.kollegitheater.ch