Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Eine Woche in Bosnien geackert – ohne Erfolgsgarantie

Eine Bauernfamilie im Norden Bosniens lebt in ärmlichen Verhältnissen. Nun hat sie dank einem Schweizer Bio-Kräuter-Unternehmen eine neue Perspektive erhalten. An vorderster Front dabei: der Stanser Manuel Streule.
Die Beete nehmen allmählich Formen an. Im Vordergrund im weissen T-Shirt Initiant Maurus Dörig. (Bild: Manuel Streule)

Die Beete nehmen allmählich Formen an. Im Vordergrund im weissen T-Shirt Initiant Maurus Dörig. (Bild: Manuel Streule)

Gradiška im Norden von Bosnien und Herzegowina. Gut 22000 Einwohner zählt die Stadt unmittelbar an der Grenze zu Kroatien. Hier verdient sich Nedjelko Blesic als Maisanbauer, Baumfäller, Automechaniker – oder was halt sonst grad anfällt – seine Brötchen. Dass er verschiedenste Jobs annimmt, kommt nicht von ungefähr. Er und seine Familie leben in bescheidenen Verhältnissen, vier Generationen sind unter einem Dach vereint, er ist Haupternährer.

Dieser Tage ist Nedjelko Blesic besonders oft unterwegs. Mit seinem Auto, mit dem er in der Schweiz bei einer Polizeikontrolle glatt aus dem Verkehr gezogen würde, sammelt er Dutzende Gerätschaften für den Ackerbau zusammen, unter anderem alte Gartenschaufeln, die bei uns schon fast Museumscharakter aufweisen würden. Kein kurzweiliges Unterfangen in der dezentral besiedelten Gegend. Zum Vergleich: In der Stadt Luzern leben 2800 Einwohner auf einen Quadrat­kilometer, in Gradiška sind es gerade mal 74. Die Blesics erwarten Besuch von einer 17-köpfigen Gruppe aus der Schweiz. Ihr ehrgeiziges Ziel: 5000 Quadratmeter braches Land innert Wochenfrist in fixfertige Beete zu verwandeln, auf denen dereinst verschiedenste Kräuterpflanzen geerntet werden sollen. Ehrgeizig auch deshalb, weil die Hälfte der Gruppe aus ­behinderten oder sozial schlecht situierten Menschen besteht. Mittendrin als Mitorganisator: Manuel Streule (44). Der Stanser kennt Initiant Maurus Dörig von seiner Zeit in Appenzell, wo er teils aufwuchs. «Ich habe eine soziale Ader», sagt Streule von sich. Und als er vom Vorhaben seines früheren Freundes aus der Nachbarschaft hörte, der mit seiner Frau Petra die Appenzeller Bio-Kräuter GmbH führt und als ausgebildeter Sozialpädagoge perspektivlosen jungen Erwachsenen auf seinem Hof eine Chance gibt, war er schnell Feuer und Flamme dafür.

Neuer Wirtschaftszweig statt Futterneid

Inzwischen ist der Einsatz im 700 Kilometer entfernten Gradiška Geschichte. «Ich bin mit gemischten Gefühlen nach Bosnien gereist. Es war ein Abenteuer, auf das wir uns einliessen», gibt Manuel Streule zu. Vor Ort geht das Abenteuer weiter: «Auch mit Spenden ist einiges Geld in den Aufbau in Bosnien gesteckt worden. Ohne Garantie, dass es klappen wird.» Er nennt es ein «humanitäres Geschenk» – und hofft auf einen nachhaltigen Erfolg. «In der ärmlichen Gegend besteht ein Risiko, dass plötzlich Futterneid gegenüber der Familie Blesic entsteht.» Streule, der im Hotel Seerausch in Beckenried als Marketing- und Event­koordinator arbeitet, hofft aufs Gegenteil. Dass die Leute in der Region am selben Strick ziehen. «Im Idealfall entwickelt sich aus dem Projekt ein kleiner Wirtschaftszweig, dem sich andere Feldbesitzer anschliessen.» An der Nachfrage an Bio-Kräutern soll es nicht scheitern. Diese steigt laut Streule laufend. Ob Bier-Unternehmen, Creme-Hersteller oder Metzgereien – immer mehr Firmen schwören auf Produkte mit Kräuterpflanzen. Klar stecke hinter dem Projekt in Bosnien auch ein wirtschaftlicher Gedanke, von einer Ausbeutung der Familie könne aber keine Rede sein. «Es existiert eine Abnahmegarantie, vorausgesetzt die Bio-Kriterien wurden eingehalten.» Und die Unterstützung gehe weiter. Mit der Anschub­finanzierung besucht Nedjelko Blesic Deutsch- und Computerkurse, bald fliegen er und seine Familie auf Kosten der Initianten in die Schweiz, um sich weiter im Ackerbau-Handwerk zu schulen.

Und welches Fazit zieht Manuel Streule: «Ich bin erstaunt, wie alle sich reingekniet haben trotz ihrer unterschiedlichen Ansichten und Probleme. Es fiel kein böses Wort.» Auch die Herzlichkeit der Familie Blesic, obschon man sich kaum verständigen konnte, hat ihn beeindruckt – aber auch nachdenklich gestimmt: «Was wir zu viel haben, haben sie zu wenig.» Auf jeden Fall würde er es wieder machen. «Es war eine bereichernde Erfahrung.» Er ist gespannt, wie es weitergeht. «Am liebsten würde ich die Uhr drei Jahre nach vorne drehen, um zu sehen, was aus dem Projekt wird.»

Oliver Mattmann

oliver.mattmann@nidwaldnerzeitung.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.