Nidwalden

Im Notfall würde Privathaushalten der Strom abgestellt

Wie kann man verhindern, dass plötzlich die Lichter ausgehen? Die Nidwaldner Regierung befasst sich seit längerem mit diesem Thema, nicht erst seit einem landrätlichen Vorstoss.

Matthias Piazza
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Gerade im Winter ist die Schweiz und damit auch Nidwalden vermehrt auf Stromimporte angewiesen. Das hat den Beckenrieder SVP-Landrat Urs Amstad und zwölf Mitunterzeichner dazu veranlasst, mit einer Interpellation dem Regierungsrat Fragen zur Stromversorgungssicherheit in Nidwalden zu stellen. «Es wäre vermessen, zu glauben, dass wir in Nidwalden die Stromversorgung allein sicherstellen können, obwohl wir mit unserem kantonalen Elektrizitätswerk gut aufgestellt sind. Hier sind nationale Lösungen gefragt», sagt dazu Landwirtschafts- und Umweltdirektor Joe Christen in seiner Antwort zum Vorstoss. Denn die Wasserkraft werde in Nidwalden bereits zu einem grossen Teil genutzt. Und die Fotovoltaik produziere vor allem im Sommer Strom und könne darum nur begrenzt zur Behebung der Winterstromlücke beitragen.

Gefordert sei vor allem die eidgenössische Elektrizitätskommission. Denn mit der Umsetzung der Energiestrategie 2050 und dem langfristigen Wegfall der Kernenergie werde es für die Schweiz anspruchsvoller, den Winterbedarf zu decken. In Zukunft könnte der Import von Strom schwieriger werden, weil mit Deutschland ein Hauptlieferant ebenfalls aus der Kernenergie aussteige.

Im Spannungsfeld zwischen Naturschutz und Stromnutzung

Trotzdem wolle die Nidwaldner Regierung im Rahmen ihrer Möglichkeiten zur Lösung des Problems beitragen, was aber auch nicht ganz einfach sei. «Einerseits fordern die Leute den Ausbau erneuerbarer Energien, andererseits werden gerade Wind- und Wasserkraftprojekte auf politischer Ebene bekämpft.» Die Regierung erarbeite darum nun ein Schutz- und Nutzungskonzept für erneuerbare Energien. «Darin wollen wir festlegen, wo ein Eingriff in die Natur zu Gunsten der Energiegewinnung Sinn macht und wo Landschaften und Fliessgewässer im natürlichen Zustand erhalten bleiben sollen mit dem Ziel, das Optimum an Energiegewinnung zu erreichen», hält Joe Christen fest. Details dazu stünden noch nicht fest, da man mit der Erarbeitung erst am Anfang sei. Das Ergebnis soll dann in den kantonalen Richtplan einfliessen und der Planungssicherheit von Gesuchstellern dienen.

Kanton übte mit den Gemeinden

Mit dem Szenario von grossflächigen und anhaltenden Stromunterbrüchen befasse sich der Kanton schon seit längerem, heisst es in der Medienmitteilung der Regierung. So seien zwischen 2013 und 2015 mit den Gemeindeführungsstäben entsprechende Übungen durchgeführt worden. Gleichzeitig habe schweizweit eine Sicherheitsverbundübung mit einem Szenario einer lang andauernden Strommangellage stattgefunden, überlagert von einer Grippepandemie. Dieses Jahr soll basierend auf den Erkenntnissen eine kantonale Notfallplanung erarbeitet werden. Sie soll unter anderem auch eine Neubeurteilung von Leistungsaufträgen des Regierungsrates an kantonale Netzbetreiber ermöglichen. Darin könnten auch Massnahmen zur Bewältigung von ausserordentlichen Lagen vorgeschrieben werden. «Vorstellbar wäre, dass man bei einer Strommangellage etwa das Spital, Lebensmittelversorger und weitere lebenswichtige Einrichtungen gegenüber privaten Haushalten mit der Stromversorgung bevorzugen würde», macht Joe Christen ein Beispiel.

SVP-Landrat Urs Amstad zeigt sich mit der regierungsrätlichen Antwort zufrieden. «Der Regierungsrat hat das Risiko eines Stromausfalls erkannt. Davon zeugen auch die absolvierten Übungen mit den Gemeindeführungsstäben und die Absicht, eine kantonale Notfallplanung für ein Blackout oder eine Strommangellage zu erarbeiten.»