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NIDWALDEN: Er bewundert Kennedy und lernte in Südafrika viel

Am 18. Oktober ist Wahltermin für die eidgenössischen Räte. In Nidwalden tritt Hans Wicki (FDP) an, um die Nachfolge von Ständerat Paul Niederberger (CVP) zu übernehmen.
Marion Wannemacher
Hans Wicki (FDP). (Bild: Corinne Ganzmann / Neue NZ)

Hans Wicki (FDP). (Bild: Corinne Ganzmann / Neue NZ)

Marion Wannemacher

Der Garten geht nach dem Pilatus, die Terrasse nach dem Vierwaldstättersee. «Das ist mein Rückzugsort, wo ich Kraft schöpfen kann», sagt Hans Wicki, Baudirektor und Landammann von Nidwalden und Ständeratskandidat. Eigentlich liest er gern, vor allem Biografien. John F. Kennedy habe ihn besonders fasziniert. «Es ist spannend, wie er es als Junger fertiggebracht hat, eine Nation zu fesseln.» Träumt Hans Wicki auch davon, eine Nation zu fesseln? «Ich möchte gern Menschen fesseln. Und wenn ich etwas mache, möchte ich meine Mitarbeiter dafür begeistern können», pariert er, «ob das eine Nation sein wird, das wird sich ergeben.» Lesen kann Hans Wicki aus Zeitgründen aktuell nur Dossiers des Regierungsrats und Zeitungen.

Vier Jahre Gemeindepräsident von Hergiswil, Verantwortung als Geschäftsführer bei der Sefag-Gruppe, einer Schweizer Tochter der Pfisterer-Gruppe, seit 2010 Baudirektor des Kantons Nidwalden und Präsident der Industrie- und Handelskammer, ausserdem diverse Verwaltungsratstätigkeiten: Gab es bei einer derart steilen Karriere auch schon schwierige Zeiten im Leben des heute 51-Jährigen? «Sehr schwierige Zeiten», bestätigt er. «Es gab Phasen in meiner Studienzeit, in denen ich am Verzweifeln war. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Wenn du mit 30 im Studium bist und noch nicht da, wo du sein willst, da durchzuhalten, das ist schwierig.» Er habe direkt nach der Matura nicht studieren wollen, schiebt Wicki als Erklärung nach.

Unterstützung durch Ehefrau Monika

Nach der Matura machte er eine Zwischenausbildung, einen kaufmännischen Bildungsgang für Maturitätsabsolventen, arbeitete später im Finanzausbildungsteam einer Bank und danach an dem damaligen Ring der Zürcher Börse. Mit 28 Jahren begann er nach Beratung mit seiner damaligen Freundin, seiner heutigen Frau Monika Wicki-Hess, sein Studium der Betriebswirtschaft, politischen Wirtschaft und der Finanzwissenschaft. Klar sei ihm aber immer gewesen: «Ich werde ein Chef.» Seine Frau unterstützte ihn, im Studium durchzuhalten. «Wir sind schon relativ lange zusammen. Sie hat mich am meisten geprägt und auch geführt.»

Auslandsaufenthalte gehören auch zu Hans Wickis beruflichen Erfahrungen: Vier Monate war er in England, in Südafrika übernahm die Pfisterer-Gruppe ein Geschäft. Das bedeutete für ihn, während vier Jahren einmal im Monat eine Woche dorthin zu reisen. «Das war sehr intensiv, auch für meine Familie.» Es ging darum, Produktionsprozesse zu optimieren und auf europäisches Niveau zu bringen, er musste dort für Liquidität sorgen, das Management führen und mit Probleme umgehen wie etwa mehrstündigen Stromunterbrüchen. «Ich habe dort gelernt, eine Nation zu verstehen, mit anderen Kulturen umzugehen, das Management in Südafrika überzeugen zu können, was wir machen wollen und dass das auch gut ist für sie. Man muss aber auch fähig sein, zu erkennen, wenn die andere Kultur in einem Teil besser ist, sie so stehen lassen», sagt der gebürtige Hergiswiler. Das sei hier in der Schweiz das Gleiche mit Andersdenkenden.

In einem kleinen Kanton ist alles dicht zusammen, was reizt ihn an Bundesbern? Von den bisherigen Ämtern «ist vermutlich der Gemeindepräsident das emotionalste gewesen», sagt Wicki. «Das Dorf kennst du bestens, du weisst, wer wer ist. Im Kanton wird es etwas schwieriger, du bist nicht mit allen Facetten so vertraut und kennst auch nicht alle. Was mich an Bundesbern reizt, ist die Legislative. Ich könnte mir gut vorstellen, dass mir das auch gefällt, und es interessiert mich, am Anfang der Kette zu sein.»

«Das Parlament braucht Zeit»

Gelernt habe er als Regierungsrat, dass Demokratie Zeit brauche: «Das Parlament muss überzeugt werden. Es ist halbprofessionell, aber interessiert. Wenn du mit Ideen kommst und dem Parlament keine Zeit gibst, sich damit zu befassen und dann auch noch einen Entscheid willst, stimmen sie eher mit Nein, obwohl sie häufig sogar wissen, dass die Idee richtig sein könnte. Man muss sie näher ranführen. Das braucht Zeit.» Im Gemeinderat sei man agiler ohne Parlament. Gelernt habe er, mit Leuten noch etwas näher umzugehen als in der Wirtschaft und über den Kanton Nidwalden sowie über die Bundesverwaltung oder den Bundesrat ein gutes Netzwerk aufzubauen.

Wie er im Fall einer Wahl weiter verfahren würde mit seiner Tätigkeit als Baudirektor kann Hans Wicki noch nicht sagen. Klar ist, dass er zurücktreten würde, allein der Zeitpunkt ist unklar. Nicht gewählt zu werden, ist für ihn «ein Szenario, das möglich ist». Nidwalden sei nicht hundert Prozent FDP, für ihn sei aber im Fall eines Misserfolgs die Höhe der Wahlbeteiligung wichtig.

Wochenarbeitszeiten von 65 bis 80 Stunden sind für den Baudirektor an der Tagesordnung. Seine Arbeitstage beginnen um neun und enden um Mitternacht. Zum Regenerieren komme er trotzdem, herzinfarktgefährdet sei er nicht. «Da braucht es unbedingt jemanden neben dir, der nicht in deinem Fahrwasser ist und dir sagt: ‹Jetzt ist es fertig.›» Das sei seine Frau. «Und das musst du dann glauben.»

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