NIDWALDEN: «Es muss dieses Jahr einfach hinhauen»

Nach einem Jahr Pause melden sich die Stanser Musiktage zurück. Wird jetzt alles anders? Ja und nein, sagen die Co-Leiter Esther Unternährer und Marc Rambold.

Pirmin Bossart
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Marc Rambold und Esther Unternährer vor dem Stanser Dorfplatz, wo die Musiktage stattfinden. (Bild Corinne Glanzmann)

Marc Rambold und Esther Unternährer vor dem Stanser Dorfplatz, wo die Musiktage stattfinden. (Bild Corinne Glanzmann)

Pirmin Bossart

Nach 20 Jahren erfolgreichen Daseins ist letztes Jahr an den Stanser Musiktagen eine Zäsur erfolgt: Finanzielle Engpässe und personelle Veränderungen forderten den Vorstand zum Handeln heraus. Um das beliebte Festival nicht einfach sang- und klanglos zu streichen, sondern es zu reorganisieren und neu zu strukturieren, wurde ein Jahr Pause eingelegt. In dieser Zeit zeigte sich auch der Goodwill von Sponsoren, der öffentlichen Hand und privater Gönner, die Beiträge und Darlehen in der Höhe von rund 250 000 Franken zusicherten, um einen Neustart zu ermöglichen. Neu wird das Festival in Co-Leitung von Esther Unternährer und Marc Rambold geführt, die teilweise schon mit dem bisherigen Leiter Christophe Rosset zusammengearbeitet haben.

In wenigen Tagen ist es so weit: Wie blickt ihr den Stanser Musiktagen entgegen? Was sind eure Gefühle?

Esther Unternährer: Ich bin voller Spannung und ich freue mich sehr. Während des Jahres wirkt die Arbeit im Büro manchmal etwas abstrakt. Aber jetzt, wo das Festival vor der Türe steht, wird es plötzlich handfest, und es wird wieder klar, wofür man arbeitet. Das ist ein schönes Gefühl.

Marc Rambold:Es ist eine besondere Ausgabe dieses Jahr, und das sorgt schon auch für eine Anspannung. Wir haben ein Jahr Pause eingelegt, das Konzept etwas angepasst, da fragt man sich bisweilen: Wie kommt das an? Hat es genug Besucher? Wird alles gut?

Was hat euch in den letzten Wochen besonders auf Trab gehalten?

Esther Unternährer:Seit Januar ist die Betriebsamkeit stetig angewachsen. Tausend Details gilt es zu erledigen. Jetzt sind auch die rund 70 Aktivmitglieder in Aktion, die für je ihre spezifischen Ressorts zuständig sind. Sie leiten Projekte, machen den Aufbau, organisieren die Locations und rekrutieren ihrerseits die Helfer für ihre Bereiche. Es sind auch dieses Jahr 600 bis 700 Freiwillige am Festival im Einsatz.

Marc Rambold:Bei uns laufen alle Fäden zusammen. Es gilt auch zu delegieren und den Überblick zu behalten. In den letzten Wochen haben wir die Kommunikation intensiver aktiviert und sind auf allen Kanälen präsent, um den Vorverkauf weiter anzukurbeln.

Wie habt ihr die neue Ausgabe angepackt? Gab es Vorgaben?

Marc Rambold: Wir haben vor rund einem Jahr begonnen, eine Gruppe aus Aktiven zusammenzustellen und in mehreren Sitzungen zu klären, wie das nächste Festival funktionieren könnte. Wir diskutierten, ob es Neues braucht und worauf man verzichten sollte, um das Risiko zu minimieren.

Esther Unternährer:Es ist nie darum gegangen, die Stanser Musiktage neu zu erfinden. Wir und auch die Besucher haben das Festival so gerne, wie es sich entwickelt hat. Das ist auch eine Tradition. Also haben wir versucht, uns auf die Stärken der letzten Jahre zu fokussieren. Wir sind das Ganze sehr sorgfältig angegangen, denn dieses Jahr muss es unbedingt auch finanziell aufgehen.

Was sind denn die wichtigsten Veränderungen?

Marc Rambold:Das Festival findet konzentrierter statt. Das Angebot, das früher als «Rahmenprogramm» bezeichnet wurde, haben wir auf zwei Zentren konzentriert: den Dorfplatz und das Steinmättli. Im Bereich des Dorfplatzes und des Winkelried-Denkmals gibt es drei Bars. Der Dorfplatz soll wieder stärker zum Treffpunkt werden. Dort finden auch Gratiskonzerte statt. Im Steinmättli haben wir die Gastronomie konzentriert. Das ganze Angebot mit den Essmöglichkeiten aus aller Welt, das beim letzten Mal im Dorf verteilt war, ist jetzt wieder unter einem Dach angesiedelt.

Esther Unternährer:Das Festival ist einen Tag kürzer geworden, der Montag fällt weg. Neu haben wir ein Nachtprogramm, mit dem wir jenes Publikum ansprechen wollen, das sich vorher im Popup-Zelt vergnügte, welches wir gestrichen haben. Von Donnerstag bis Samstag gibt es ab 23 Uhr Konzerte und DJ-Anlässe im Kollegi, in der Zivilschutzanlage und im Hotel Engel. Wir haben ein neues Erscheinungsbild und eine neue Webseite gestaltet. Auch das Ticketing läuft jetzt direkt über uns.

Gibt es neue Konzertorte?

Marc Rambold:Neu sind die Dorfplatz-Konzerte, aber im Hauptprogramm sind es wie bisher die verschiedenen kleinen und grossen Lokalitäten, wie sie auch schon bisher bespielt wurden. Es ist auch weiterhin ein Kunstprojekt im Programm: Dieses Jahr steht eine Video-Installation von Thaïs Odermatt im Mittelpunkt.

Was ist mit dem Pin?

Esther Unternährer: Aufgrund des angepassten Angebots ausserhalb der Hauptkonzerte gibt es keinen Pin mehr. Die Konzerte im Dorfplatz-Zelt sind gratis. Für die Nachtkonzerte und das DJ-Programm kann man von Donnerstag bis Samstag einen Tagespass für 20 Franken oder einen 3-Tages-Pass für 35 Franken kaufen.

Wird mit den sanften Veränderungen der Charakter der Musiktage gewahrt?

Esther Unternährer:Den besonderen Geist der Musiktage wollten wir nicht stören. Neben vielen Einheimischen kommen auch Städter und Auswärtige ins beschauliche Stans, und Bands aus der halben Welt sind hier zu Gast. Das ist das Aussergewöhnliche an diesem Festival. Einmalig ist auch, dass sich hier noch wirklich musikalische Entdeckungen machen lassen.

Marc Rambold:Aus diesem Grund haben wir auch die inhaltliche Ausrichtung beibehalten. Dieser Mix aus Worldmusic, Jazz, anspruchsvollem Pop und allen möglichen Zwischenstufen macht gerade die Eigenheit von Stans aus. Es wurde auch nie die Absicht geäussert, kommerzieller zu werden.

Was wünscht ihr den Musiktagen?

Marc Rambold: Gute Erlebnisse und Konzerte, viele Besucher und ja, idealerweise trockenes Wetter.

Esther Unternährer: Ich wünsche mir sehr, dass unsere Anstrengungen goutiert werden und das Festival gut über die Runden kommt. Es muss dieses Jahr einfach hinhauen.

Hinweis

Die Stanser Musiktage beginnen am 5. und dauern bis am 10. April. Weitere Informationen: www.stansermusiktage.ch