NIDWALDEN: Fahrplanärger flammt neu auf

In Buochs und Ennetbürgen halten die SGV-Schiffe nur zweimal pro Tag. Die jahrealte Geschichte ist noch nicht verdaut und sorgt jetzt erneut für Kritik.

Matthias Piazza
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In Beckenried verkehren im Frühlingsfahrplan täglich je neun Schiffe in Richtung Luzern und Flüelen. (Bild: Archiv Neue NZ)

In Beckenried verkehren im Frühlingsfahrplan täglich je neun Schiffe in Richtung Luzern und Flüelen. (Bild: Archiv Neue NZ)

Matthias Piazza

Mit dem Frühlingsfahrplan, der am Karfreitag startet, fahren die Dampf- und Motorschiffe der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV) wieder fleissiger als im Winter. Davon profitiert auch Nidwalden – aber nur teilweise. Während in Beckenried bis zu je neun Schiffe täglich in Richtung Luzern und Flüelen ablegen, werden die Anlegestellen Buochs und Ennetbürgen praktisch links liegen gelassen. Nur zweimal pro Tag hält ein Schiff – um 10.17 Uhr in Buochs und 10.27 Uhr in Ennetbürgen in Richtung Luzern und um 17.31 Uhr in Ennetbürgen und 17.41 in Buochs in Richtung Brunnen.

«Dieser Fahrplan ist eine Katastrophe», empört sich Sepp Barmettler, Vizepräsident und Geschäftsführer von Tourismus Buochs-Ennetbürgen. «In unserem Einzugsgebiet leben rund 10 000 Einwohner. Und jährlich zählen wir rund 70 000 Übernachtungen.» Auch Leute von Stans und aus dem Engelbergertal würden in Buochs oder Ennetbürgen zusteigen. «Ich finde es darum wahnsinnig schade, dass praktisch keine Schiffe in Buchs und Ennetbürgen anlegen. Nun ist auch noch die Sonnenuntergangsfahrt mit dem Dampfschiff gestrichen, nachdem vor einigen Jahren auch die beliebten Folklorefahrten der Sparwut zum Opfer fielen.»

Angebot würde vermisst

Einheimische und Touristen würden ein regelmässiges Kursangebot sehr vermissen. «Die Leute müssen wir nach Beckenried schicken, was für sie sehr umständlich ist. Vor allem Gäste des Campingplatzes Buochs müssen dann mit dem Postauto nach Beckenried, da sie sonst ihr Wohnmobil mitnehmen müssten, was sehr umständlich ist.» Das gleiche gelte für Invalide mit einem Rollstuhl, hält Sepp Barmettler fest.

Die schlechten Frequenzen würden den Anlegestellen noch zusätzlich schaden. «Leider hat sich in den Köpfen festgesetzt, dass in Buochs und Ennetbürgen kaum ein Schiff hält, darum steigen die meisten sowieso in Beckenried zu.» Seit der Einführung des Taktfahrplans vor sechs Jahren habe sich die SGV aus Zeitgründen dazu entschlossen, direkt Beckenried anzusteuern – und so 20 Minuten zu sparen. Sepp Barmettler kann diesen Entscheid nicht nachvollziehen. «Einen Taktfahrplan auf dem See braucht es meiner Meinung nach nicht, da man ja hauptsächlich wegen der Erholung Schiff fährt und nicht zum Pendeln. Zwei Stationen zu opfern ist ein zu hoher Preis für den Taktfahrplan.»

Natürlich habe man sich damals heftig gewehrt, aber leider ohne Erfolg. Buochs und Ennetbürgen rentierten nicht und müssten darum dem Taktfahrplan zum Opfer fallen, habe die Antwort der SGV gelautet. «Die SGV gewichtet kurzfristigen Profit offenbar höher als den Kundendienst für alle Schiffsstationen.» Nach erfolglosen Gesprächen habe man nun resigniert.

Frequenzen zu niedrig

«Das ist ja nun schon eine relativ alte Geschichte: Mit rund je fünf Passagieren, die damals in Buochs und Ennetbürgen pro Schiff im Durchschnitt aus- oder einstiegen, waren die Frequenzen einfach zu niedrig für mehr als zwei Kurse täglich», begründet Martin Wicki, Leiter Schifffahrt der SGV, den Entscheid von 2008. Darauf könne man nicht zurückkommen. Das richte sich nicht gegen bestimmte Orte und habe auch andere betroffen. Als hundert Prozent privatwirtschaftliches Unternehmen ohne Subventionen der öffentlichen Hand müsse die SGV wirtschaftlich arbeiten.

Zudem erlaube es der 2009 eingeführte Taktfahrplan nicht, zum Beispiel Ennetbürgen und Buochs bei jedem dritten Kurs anzufahren. Der Taktfahrplan mache übrigens auch in der Schifffahrt Sinn, wegen der Abstimmung auf Bus, Bahn und Bergbahnen. «Buochser und Ennetbürger, die aufs Schiff wollen, können problemlos mit dem Postauto nach Beckenried fahren, wo stündlich Schiffe in Richtung Luzern und Flüelen ablegen», hält Martin Wicki fest.

HINWEIS
Den Fahrplan der SGV finden Sie online auf: www.lakelucerne.ch