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NIDWALDEN: Fast alle, die arbeiten dürfen, arbeiten

Fast die Hälfte der Flüchtlinge in Nidwalden sind in der Arbeitswelt integriert. Mit dieser Quote belegt der Kanton schweizweit einen Spitzenplatz. Das Erfolgsrezept basiert auf drei Säulen.
Matthias Piazza
Hand in Hand: Flüchtling Medhanie Tesfay (links) bereitet bei Pastarazzi zusammen mit Mitinhaber Markus Hurschler ein Menü zu. (Bild: Matthias Piazza (Stans, 5. Juli 2017))

Hand in Hand: Flüchtling Medhanie Tesfay (links) bereitet bei Pastarazzi zusammen mit Mitinhaber Markus Hurschler ein Menü zu. (Bild: Matthias Piazza (Stans, 5. Juli 2017))

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Medhanie Tesfay ist so etwas wie die gute Seele des «Pastarazzi»-Imperiums. Ob in der Küche oder im Service: Überall, wo seine Hilfe gebraucht wird, packt er an – sei es am Standort in der Stanser Schmiedgasse oder in der Sarner oder Luzerner Filiale. «Mir gefällt es hier sehr gut, ich habe Lust, zu arbeiten», erzählt der Eritreer, der vor rund drei Jahren als Flüchtling in die Schweiz kam und seit einem Jahr bei «Pastarazzi» arbeitet. Das Restaurant ist auf Pasta spezialisiert und stellt sie in Sarnen auch selber her. Mitinhaber Markus Hursch­ler ist über seinen Mitarbeiter voll des Lobes. «Medhanie lernt schnell, ist arbeitswillig und effizient und glänzt auch mit Pünktlichkeit und Sauberkeit.»

Medhanie Tesfay ist einer von 120 Flüchtlingen in Nidwalden, die wirtschaftlich bereits auf eigenen Beinen stehen. Sie verdienen sich ihren Lebensunterhalt mit eigener Arbeit. Mit einer Quote von 45,5 Prozent steht Nidwalden schweizweit an der Spitze. In keinem anderen Kanton ist der Anteil der arbeitenden Flüchtlinge so hoch. «Praktisch alle Flüchtlinge, die arbeiten dürfen, arbeiten», sagt Roger Dallago, Vorsteher des Amts für Asyl und Flüchtlinge.

Den Grund für den Erfolg sieht er im neuen Nidwaldner ­Integrationskonzept. Es wurde im Zuge der grossen Flüchtlingswelle von vor rund zwei Jahren überarbeitet. Es basiert auf den drei Pfeilern der sprachlichen, beruflichen und sozialen Integration. In einem Sprachkurs erlernen die Flüchtlinge als Erstes die deutsche Sprache. «Ohne Sprachkompetenz vermitteln wir niemanden in der Arbeitswelt», hält Dallago fest. Der regelmässige Besuch der Sprachkurse wird überwacht. Für jede unentschuldigte Absenz werden dem Flüchtling 20 Franken vom Grundbedarf der wirtschaftlichen Sozialhilfe abgezogen. Die Regeln sind auch in der Integrationsverein­barung festgehalten, die jeder Flüchtling unterschreiben muss. «Die kurzen Wege in unserem kleinen Kanton kommen uns sehr entgegen. Wenn jemand dem Kurs fernbleibt, wissen wir das ­einen Tag später.»

Knochenarbeit lohne sich

Mit genügend Deutschkenntnissen stehe dann einer erfolgreichen Integration in den Arbeitsmarkt nichts mehr im Wege. «Die Vermittlung der Stellen ist eine Knochenarbeit, aber es lohnt sich», ist Dallago überzeugt. Dies sei auch nur dank der personellen Ressourcen möglich. So wurde die entsprechende Abteilung auf 250 Stellenprozente aufgestockt. «Der Landrat hatte glücklicherweise die Notwendigkeit dieser Aufstockung erkannt und einstimmig bewilligt», zeigt sich Sozial- und Gesundheitsdirektorin Yvonne von Deschwanden dankbar. Die Flüchtlinge kommen unter anderem aus Eritrea, dem Tibet, Sri Lanka, Syrien, Somalia, der Türkei, dem Iran und aus ­Afghanistan. Die meisten bringen keine oder nur eine geringe berufliche Qualifikation mit.

Trotzdem klappe die Integration der Flüchtlinge in den hiesigen Arbeitsmarkt. «Die Arbeitgeber sind sehr offen und schätzen die Flüchtlinge als Mitarbeiter», weiss Yvonne von Deschwanden aus eigener Erfahrung. «Bei meinen Besuchen in den Alters- und Pflegeheimen höre ich nur Positives. Die Flüchtlinge werden von den Vorgesetzten, Arbeitskollegen und Bewohnern geschätzt und anerkannt», sagt sie. Querbeet durch die Branchen klappe die berufliche Integration, ob in der Gastronomie, Hotellerie oder im Gewerbe, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Zum guten Gelingen würde auch die ausgesprochen vorbildliche Einstellung der allermeisten Flüchtlinge beitragen, ergänzt Roger Dallago. «Die Flüchtlinge wollen arbeiten, dadurch gewinnen sie auch Selbstvertrauen.»

Auch Hilfe bei Vereinsbeitritt

Welchen Einfluss dies auf den Arbeitsmarkt hat, kann Dallago nicht genau abschätzen. Die Arbeitslosenquote in Nidwalden beträgt zurzeit tiefe 1,5 Prozent. Die Gefahr von Lohndumping schliesst er aus, da die Arbeitgeber zu einem orts- und branchenüblichen Lohn verpflichtet seien – auch gegenüber Flüchtlingen. Auch bei der sozialen Integration steht der Kanton mit Rat und Tat zur Seite und hilft den Flüchtlingen, wenn sie etwa einem Verein beitreten wollen. Diese Anstrengungen rechnen sich, davon sind beide überzeugt – und zwar in vielerlei Hinsicht. «So können wir Sozialkosten sparen», hält Regierungsrätin Yvonne von Deschwanden fest. Zudem habe die Integration noch einen weiteren gewichtigen Vorteil. «Die Bevölkerung ist gegenüber Flüchtlingen auch positiver eingestellt, wenn sie weiss, dass sie sich selber um ihren Lebensunterhalt kümmern.»

Nidwaldner Modell sei übertragbar

Kurze Wege seien sicher förderlich für die Integration von Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt. Trotzdem ist Dallago überzeugt, dass das Nidwaldner Modell auch in grösseren Kantonen funktionieren würde. Das Argument hoher Flüchtlingszahlen in grösseren Kantonen lässt er nicht gelten. Die Anerkennungsquote in allen Kantonen sei ungefähr gleich. Die Erwerbsquote in der übrigen Schweiz ist wie eingangs erwähnt niedriger. Im Kanton Luzern beträgt sie 30,8 Prozent, in Obwalden 34,4 Prozent. Nationales Schlusslicht bildet der Kanton Genf mit 9,4 Prozent. Der nationale Schnitt liegt bei 24,2 Prozent.

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