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NIDWALDEN: Fazit nach Maturaarbeit: «Der Islamische Zentralrat ist ein Rätsel»

Jeanne Rosset aus Stans hat sich in ihrer Maturaarbeit mit dem Islamischen Zentralrat Schweiz in den Medien befasst. Sie ortet im Auftreten des IZRS Widersprüche, nicht zuletzt wegen eines unangenehmen Telefonats.
Carina Odermatt
Jeanne Rosset blättert auf unserer Redaktion in einem Band mit älteren Zeitungen. (Bild: Carina Odermatt (Stans, 27. Dezember 2017))

Jeanne Rosset blättert auf unserer Redaktion in einem Band mit älteren Zeitungen. (Bild: Carina Odermatt (Stans, 27. Dezember 2017))

Carina Odermatt

redaktion@nidwaldnerzeitung.ch

Als Einstieg in ihre Maturapräsentation zeigte Jeanne Rosset ein Video von einem jungen Mann, der auf einem Schweizer Berg kauert. Sein Gesicht ist halb verhüllt, anstelle des gewohnten Gipfelkreuzes steckt eine arabische Fahne im Boden. Er nimmt die Fahne und rennt damit durch die Landschaft. Im Hintergrund läuft dramatische Musik, als weitere junge Männer gezeigt werden, die von überall herkommen, um sich zu vereinen. «Um zu überleben, verliessen wir unsere Heimat. Doch wir wurden nicht nur zu einem Baum, sondern zu einem ganzen Wald. Stark und unzerbrechlich. Das ist der Beginn einer islamischen Revolution, welche die Welt verändern wird», verkündet der Sprecher (übersetzt aus dem Englischen).

Das Video des Islamischen Zentralrats Schweiz (kurz IZRS) entstand zum «5-Jahr-Jubiläum» des Bauverbots von Minaretten, in der Schweiz. Die Botschaft des IZRS ging um die Welt und rief besonders in Europa starke Reaktionen hervor. «Als ich das Video zum ersten Mal gesehen habe, war ich schockiert», erzählt Jeanne Rosset (18). «Ich konnte verstehen, dass sich Muslime in der Schweiz nicht wohlfühlen. Dennoch war es für mich unbegreiflich, dass sie dieses Unwohlsein so aggressiv und dominant zum Ausdruck brachten». Von da an habe sie sich intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt.

Mediensprecher reagiert gereizt auf kritische Fragen

So sei es ihr nicht schwergefallen, sich für die Maturaarbeit mit dem Titel «Der Islamische Zentralrat in den Schweizer Medien (2009 bis 2017)» zu entscheiden. Hierfür hat die Stanserin Artikel verschiedener Zeitungen und die Website des IZRS analysiert. Der bekannte Islamwissenschaftler Reinhard Schulze half ihr, einige Grafiken besser zu verstehen und einzuordnen. Sie führte zudem ein Interview mit Qaasim Illi, dem Mediensprecher des IZRS. Am Telefon habe sie ihn als einschüchternd erlebt, sobald sie ihm kritische Fragen stellen wollte, erzählt die Maturandin.

Der Islamische Zentralrat Schweiz ist ein konservativer islamischer Verein, der über 40 Aktiv- und rund 3700 Passivmitglieder zählt. Gegründet wurde er 2009, im Jahr der Volksabstimmung gegen den Bau von Minaretten.

Das Hauptziel des IZRS ist die Vertretung islamischer Interessen in der Schweiz. Dazu gehört die Förderung entsprechender Bildungsprojekte, die Verbreitung von islamischem Wissen und die Vertretung der Position des Rates im Glauben.

Der Verein zieht viel Aufmerksamkeit auf sich

Als zentraler Teil ihrer Maturaarbeit hat Jeanne Rosset untersucht, wie sich der IZRS selbst darstellt und wie die Schweizer Medien darauf reagieren. «Der Islamische Zentralrat ist überaus präsent in der Öffentlichkeit. Er hat Informationsstände in Städten, Konferenzen, eine informative Website und ist in den Medien stark vertreten», so die Maturandin. Auf Google tauchen unter der Rubrik «News» zum IZRS rund 5500 Artikel auf. Eine erstaunliche Zahl für einen Verein, dem nur 0,9 Prozent aller Muslime in der Schweiz angehören. Rosset: «Bisher habe ich noch keine positiven Berichte gefunden. Sie sind entweder gegen den Rat oder neutral eingestellt.» Als Beispiel für die Selbstdarstellung des IZRS dient das bereits genannte Video, indem sich der Verein selbstbewusst und dominant zeigt. Das Statement ist klar: «Wisset, dass wir hier sind. Wir werden nicht weggehen und wir werden unseren friedlichen Kampf für gleiche Rechte nicht aufgeben. (...) Ihr könnt mit uns rechnen, jederzeit und überall», so der Sprecher im Video. Entsprechend fielen die Schlagzeilen der Medien aus: «Schweizer Islamisten-Film geht um die Welt», schrieb etwa eine bekannte Gratiszeitung. Jeanne Rosset fand heraus: «Provokationen des IZRS führen zu Schlagzeilen in den Medien. Dadurch bekommt der Zentralrat noch mehr Aufmerksamkeit und das bestärkt das weitere Bestehen des Vereins, der erneut provoziert. Es ist ein Teufelskreis.»

Die Maturaarbeit sei eine bereichernde Erfahrung gewesen, erzählt Jeanne Rosset rückblickend. Das Thema interessiere sie nach wie vor sehr und sie könne sich ein Studium in Islamwissenschaften nach einem Zwischenjahr durchaus vorstellen. Zum Islamischen Zentralrat habe sie jedoch weiterhin eine geteilte Meinung: «Der IZRS ist für mich noch immer ein Rätsel. Für mich stehen die friedlichen und gerechtfertigten Ziele im Widerspruch zu seinem dominanten Auftreten», so Rosset.

Hinweis

www.izrs.ch

Der Video des IZRS unter www.obwaldnerzeitung.ch/bonus

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