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NIDWALDEN: Fliegende Schiffe auf Film gebannt

Auf dem Vierwaldstättersee schwebten einst Schiffe übers Wasser. Drei Filmemacher haben sich des weitgehend unbekannten Aspekts der jüngeren Lokalgeschichte angenommen. Das Resultat gibt es im Herbst im Verkehrshaus zu sehen.
Matthias Piazza
Das erste Personentragflügelboot der Welt bei einer Testfahrt im Mai 1952 auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: PD)

Das erste Personentragflügelboot der Welt bei einer Testfahrt im Mai 1952 auf dem Vierwaldstättersee. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@nidwaldnerzeitung.ch

Diese Schulreise hat Thomas Wuhrmann nie vergessen. Damals, vor 30 Jahren, durfte der heute 44-jährige Filmemacher auf dem Lago Maggiore mit einem Tragflügelboot fahren. «Ich hatte das Gefühl, mit einer speziellen Leichtigkeit über den See zu fliegen», erinnert er sich. Das Feuer in ihm war entfacht. Der Stansstader wollte alles über diese Hochgeschwindigkeitsboote wissen, die dank Tragflügeln über dem Wasser schweben und Tempi von bis zu 110 Kilometern pro Stunde erreichen.

Thomas Wuhrmann ist auch familiär vorbelastet: Sein Vater war der Schwiegersohn des Waser-Werft-Inhabers. Diese Werft in Stansstad war das Testgelände der Firma Supramar. Diese war zeitweise in Stansstad, Hergiswil, Luzern und Zug domiziliert und testete von 1952 bis 1972 auf dem Vierwaldstättersee Tragflügelboote. Anschliessend wurden diese weltweit in Lizenz gebaut.

Alles habe er in den vergangenen 30 Jahren zum Thema gesammelt, sagt Thomas Wuhrmann. «Ich bin vielleicht zum bestdokumentierten Kenner der Materie geworden.» Ursprünglich habe er eigentlich vor 20 Jahren ein Buch dazu schreiben wollen. Doch da bereits ein ähnliches Werk auf den Markt kam, sah er davon ab. «Dafür ist das Publikum, das sich für dieses Spezialgebiet interessiert, zu klein.»

Filme mit Lokalbezug kommen an

Die grosse Resonanz des Dokumentarfilms «Üsi Bahn» (2014), der die Geschichte der ehemaligen Luzern-Stans-Engelberg-Bahn (LSE) aufarbeitete, ermunterte ihn und sein Team zur Produktion eines weiteren Films. «Die Leute schauen gerne Filme mit einem lokalen Bezug», sagt Wuhrmann. «Jemand hat im Film gar seine Grossmutter beim Wäscheaufhängen erkannt.» Auch wenn er beim 80-minütigen Film über Tragflügelboote nicht dieselbe Resonanz erwarte, geht er davon aus, dass der Streifen auf Interesse stosse. Zumal er neue, unbekannte Aspekte der Nidwaldner Geschichte aufdecke.

Wuhrmann erzählt einige Müsterchen: «Die Schweizer Behörden befürchteten, dass ausländische Ingenieure ihren inländischen Kollegen den Arbeitsplatz wegnehmen würden, dabei fehlte in der Schweiz das Know-how.» Und aus Luzern wurden Bedenken laut, dass die schnellen und lauten Schiffe die Fischernetze beschädigten, so der Filmemacher weiter. Zudem habe der Nidwaldner Regierungsrat die Tragflügelboote für Personentransporte als schlicht ungeeignet bezeichnet.

Durch Zufall kam das Verkehrshaus der Schweiz in Luzern in den Besitz des Nachlasses eines ehemaligen Ingenieurs, der für Supramar gearbeitet hatte. Auch eineinhalb Stunden Filmmaterial war dabei. Und etwas, das Thomas Wuhrmann, der heute in ­Buochs wohnt, in seinem Archivbestand bisher fehlte. Nebst Aufnahmen von Amateuren, welche die Boote aus grosser Distanz vom Ufer aus filmten, waren auch professionelle Werbefilme dabei, aufgenommen aus Begleitbooten. «Die Zuschauer dürfen sich auf Filmmaterial freuen, das während Jahrzehnten in Kellern schlummerte.»

Trotz der Zeit, die inzwischen verstrichen ist, konnte Wuhrmann einen ehemaligen Ingenieur ausfindig machen, der von 1958 bis zum Schluss der Tragflügelboot-Ära dabei war und so aus erster Hand erzählen konnte. Zusammen mit weiteren Zeitzeugen kommen so rund 20 Stunden Gespräche zusammen. Der Bogen des Films wird aber bis in die Gegenwart gespannt. Zwar gibt es auf dem Vierwaldstättersee wie auch auf den übrigen Schweizer Seen – mit Ausnahme des Lago Maggiore – keine Tragflügelboote mehr. Im Film werden aber auch Kitesurfer thematisiert, die mit Tragflügeln unter ihren Brettern unterwegs sind. Und im Alpnachersee flitzen kleine Segelboote auf Tragflächen übers Wasser.

Schneiden gibt 200 Stunden Arbeit

Zusammen mit seinem Bruder Beat Wuhrmann (ebenfalls Produktion und Regie) und der Luzernerin Bettina Wild (Kamera und Schnitt) produziert er den Film nebenberuflich, finanziert aus der eigenen Tasche und durch Sponsoren sowie mit Tele 1 und dem Verkehrshaus als Produktionspartner. «Die Hälfte der Interviews sind im Kasten», sagt Wuhrmann. Doch bis der Film im Herbst im Verkehrshaus aufgeführt wird und als DVD herauskommt, gibt es noch einiges zu tun. Er rechnet mit rund 200 Stunden Arbeit zum Schneiden des Materials. «Hat man viel davon, wird das Auswählen eben sehr aufwendig.» Redaktionsschluss ist noch nicht. «Ich bin noch auf der Suche nach weiteren Zeitzeugen und Dokumenten.» Selbst wenn es für den Film nicht mehr reichen sollte. Für ihn ist klar: «Das Thema wird mich auch nachher weiterbeschäftigen.»

Hinweis

Weitere Infos und Trailer zum Film auf www.fliegende-schiffe.ch

Die Crew rund um den Nidwaldner Filmemacher Thomas Wuhrmann bei Dreharbeiten am Comersee. (Bild: PD)

Die Crew rund um den Nidwaldner Filmemacher Thomas Wuhrmann bei Dreharbeiten am Comersee. (Bild: PD)

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