NIDWALDEN: Frauenkloster wird zur Freilichtbühne

Das Frauen­kloster St. Klara in Stans feiert sein 400-jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass wird hinter den Klostermauern ein Freilichtspiel aufgeführt.

Oliver Mattmann
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Darstellerinnen des Freilichtspiels bei den Proben im Klostergarten. (Bild: PD)

Darstellerinnen des Freilichtspiels bei den Proben im Klostergarten. (Bild: PD)

Oliver Mattmann

Selbst wer ortskundig ist und vom Stanser Dorfplatz her den St.-Klara-Rain hinaufläuft, nimmt am oberen Ende das schlichte Gebäude auf der linken Seite kaum wahr. Dabei gehört das Frauenkloster der Kapuzinerinnen wie die Pfarrkirche seit einer halben Ewigkeit zum Ortsbild. Genau 400 Jahre ist es her, als sich die ersten Schwestern im Hauptort niederliessen und ein fester Bestandteil der Gesellschaft wurden. Ein Jubiläums-OK mit Regierungsrat Viktor Furrer an der Spitze hat sich daher zum Ziel gesetzt, der Bevölkerung das Leben hinter den Mauern mit diversen Anlässen während des Jubiläumsjahres näherzubringen.

Proben laufen auf Hochtouren

Höhepunkt dürfte das Freilichtspiel «Gott ist ein Anderer» sein, das am 13. Juni Premiere feiert und anschliessend bis 4. Juli sowie nochmals vom 26. August bis 12. September insgesamt zwanzigmal aufgeführt wird. Das Stück stammt aus der Feder des Luzerner Journalisten und Theaterautoren Christoph Fellmann, als Regisseurin wirkt mit Ursula Hildebrand ebenfalls eine Luzernerin. «Seit Ende Februar wird geprobt», berichtet Rolf Scheuber, Kommunikationsverantwortlicher des Jubiläums. Er ist zusammen mit Brigitt Flüeler für die Produktionsleitung des Theaters zuständig. Flüeler ihrerseits vertritt im OK den Verein «Frauen in Nidwalden und Engelberg», der die ursprüngliche Idee für das Freilichtspiel hatte.

21 Laienschauspielerinnen aus Nidwalden, Obwalden, Luzern oder Uri werden in die Rolle von Ordensschwestern schlüpfen und auf anschauliche Art einen Querschnitt durch das Leben der 431 Schwestern bieten, die über all die Jahrhunderte ins Frauenkloster eingetreten sind. Das Jubiläums-OK hatte keine Mühe, die Rollen zu besetzen. Im Gegenteil: «Wir sind mit 80 Frauen beim Casting völlig überrumpelt worden», schmunzelt Scheuber.

Klosterfrauen hatten Bedenken

Eine Theaterproduktion inmitten einer ruhigen Klostergemeinschaft? Ist dies überhaupt vereinbar? «Diese Bedenken wurden anfänglich auch von einigen Schwestern geäussert», so Rolf Scheuber. In guten Gesprächen habe man sich aber annähern und «von unserer Seite versichern können, dass wir den Klosterbetrieb praktisch nicht stören werden und die intimen Räume unangetastet bleiben». Es sei auch nicht so, dass die Zuschauer ein Spektakel mit lauten Sequenzen erwarten dürfen, wie es bei Freilichtspielen oft der Fall ist. «Es wird eine fast mystische, unauffällige Atmosphäre herrschen», verrät der Coproduktionsleiter, «Kern des Stücks bilden Monologe einzelner Schwestern. Eine Handlung im üblichen Sinn wird es nicht geben.»

Authentisch wird es aber allemal sein, denn gespielt wird an verschiedenen Standorten im Kloster sowie in der Kirche und im Garten. Die Besucher werden Einblick in die Küche, das frühere Physik-Unterrichtszimmer oder in den Apfelkeller erhalten. Genau dies findet Rolf Scheuber so spannend daran. «Viele Leute sind noch nie im Kloster oder ehemaligen Institut gewesen. Für sie wird es reizvoll sein, einmal hinter die Pforten schauen zu können.»

«Schnuppertage» im Frauenkloster

Das Jubiläums-OK ist überzeugt: Vor vierzig oder fünfzig Jahren wäre ein solches Freilichtspiel kaum möglich gewesen. «Doch in den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Kloster geöffnet», weiss Rolf Scheuber zu erzählen. «Zugleich ist uns die Gegenwart des Klosters mit seinen zwölf Schwestern und einer Postulantin bewusster geworden.» Das Entgegenkommen der Schwestern geht so weit, dass die Produktionsleitung den Darstellerinnen die Gelegenheit anbieten konnte, selber für drei Tage im Frauenkloster zu leben, um den Puls des Schwesternalltags zu spüren. «Viele haben davon Gebrauch gemacht», freut sich Rolf Scheuber. Auch Regisseurin Ursula Hildebrand hat bewusst einige Tage im Kloster verbracht. Auch sonst wird nichts dem Zufall überlassen. Ein Beispiel: Die Aufführungen nach den Sommerferien werden unterschiedliche Anspielzeiten aufweisen. «Damit wir auf Ende der Vorführung das ideale Dämmerungslicht haben, da wir auch mit vielen Kerzen arbeiten», so Rolf Scheuber.

Hinweis

Vorverkauf ab dem 23. April auf www.400jahre-st-klara.ch