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NIDWALDEN: Fünf Italienern geht die Luft aus

Ist die Küche Italiens weniger gefragt, oder gibt es zu viel davon? In gleich fünf solcher Restaurants wechselt bald der Wirt.
In Ennetmoos lädt der «Gruob»-Koch trotz geschlossenem Restaurant noch immer zu Pizza und Pasta ein. (Bild Kurt Liembd)

In Ennetmoos lädt der «Gruob»-Koch trotz geschlossenem Restaurant noch immer zu Pizza und Pasta ein. (Bild Kurt Liembd)

Kurt Liembd

Wie schnell es in der Gastrobranche gehen kann, erfuhr kürzlich Gabriela Schild. Die Holzbildhauerin aus Interlaken führt jedes Jahr am Hergiswiler Dorfadvent einen Stand mit Holzschnitzereien. Mehrere Monate im Voraus reservierte sie ein Zimmer im Hotel Roggerli. Als sie einen Tag vor dem Dorfadvent ihr reserviertes Zimmer beziehen wollte, stand sie vor verschlossenen Türen. Auf einer Tafel stand bloss «Geschäftsaufgabe», und sie musste umkehren. Zum Glück fand sie noch ein Zimmer im Hotel Pilatus. Fast über Nacht und unerwartet hatte das Hotel Roggerli schon Ende Oktober seine Türen geschlossen. Seither fristet es verlassen und nachts unbeleuchtet sein Dasein. Pächterin war seit März 2014 die gebürtige Serbin Biljana Vespa (44). Mit ihrem Küchenchef Domenico Falabella bot sie mediterrane, insbesondere italienische Küche an. Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten musste Vespa nun nach weniger als zwei Jahren schliessen. Besitzerin Heidi Valu suchte einen neuen Pächter und wurde fündig. Der neue Pächter ist kein Unbekannter und heisst Erich Näf. Der Ex-Landrat führte früher das «Rössli» und bis heute die Sommerbar in Hergiswil (ehemals «Rösslibar») zusammen mit seiner Partnerin Brigitte Pichler. Bis das Hotel Roggerli wieder öffnet, dürfte aber noch einige Zeit vergehen. Denn Erich Näf will vorgängig alle elf Zimmer sowie das Restaurant und den Saal vollständig renovieren. Eröffnet werden soll das «neue» Roggerli im Verlaufe des März. Die Sommerbar bei der Schifflände will Erich Näf behalten. «Das schafft vorteilhafte Synergien», sagte der neue Hotelier des Roggerli.

«Famiglia», «Ciao-Ciao», «Da Pippo»

So überraschend wie das Roggerli Hergiswil schlossen in den letzten Tagen zwei weitere italienische Restaurants, das Restaurant Gruob in Ennetmoos und das Ristorante Al Galeone in Ennetbürgen. Das «Gruob», das zuletzt «Ciao-Ciao» hiess, wirkt neben dem leeren Parkplatz ganz verlassen. Nur die Speisekarte am Strassenrand und die Werbefigur weisen darauf hin, dass hier bis vor kurzem gewirtet wurde. Die letzten Pächter waren die beiden Mazedonier Mario Murtezani (48) und Sami Redzepi (43). Erst Mitte Mai haben sie das Lokal gemietet, aber nach sechs Monaten wieder aufgegeben. Eine Wiedereröffnung ist jedoch bereits in Sicht. Am 2. Januar übernimmt Philippo Forestiero (36). Er kennt den Betrieb bereits, hat er doch früher schon einmal eine Zeit lang das «Gruob» geführt, damals zusammen mit dem Portugiesen Rui Pereira (39) und unter dem Namen «La Famiglia». «Wir sind sehr zuversichtlich, dass es mit dem Gastro-Profi Philippo Forestiero ein Erfolg wird», sagt Hans Blättler, Verwalter der Liegenschaft und Bruder von Eigentümer Felix Blättler. Neu heisst das Restaurant ab 2. Januar «Da Pippo». Mit jedem Wirtewechsel ändert auch meist der Name eines Lokals.

Einen tristen Eindruck macht zurzeit das Ristorante Al Galeone in Ennetbürgen. Es wurde letzte Woche vom Betreibungs- und Konkursamt geschlossen und versiegelt. Das Wirtepaar war für eine Stellungnahme nicht erreichbar. Besser bekannt ist dieser Betrieb bei Einheimischen als «Schlüssel» oder «Regenloch», wie das Lokal vor 1881 tatsächlich hiess. Unter diesem Namen kennt es darum der Volksmund nach wie vor.

Neue Pächter gesucht

In Hergiswil wird für zwei weitere italienische Restaurants dringend ein Wirt gesucht – für das «Lopper» und das «Seehus». In beiden Fällen aus wirtschaftlichen Gründen. Im Lopper wirtet seit Mitte Juni 2015 der Libanese Seoud Ghezzaoui (42), der den Betrieb vom Kosovo-Albaner Leonardo Prenaj übernommen hat. Wie beim Vorgänger gibt es nun auch bei ihm wirtschaftliche Probleme. «Wir suchen zurzeit intensiv einen Nachfolger», sagt Verwalter Hanspeter Blättler vom Treuhandunternehmen Katag. Es stehe schon jemand in Aussicht, aber unterschrieben sei noch nichts. In der gleichen Situation ist das «Seehus». Seit Mai 2014 wird das italienische Restaurant vom Kosovaren Xhevat Hoti geführt. Jetzt muss er den Fünfjahresvertrag nach weniger als zwei Jahren auflösen und geht auf Ende Februar. Wer Nachfolger wird, ist noch nicht bekannt, wie Besitzerin Beatrice Havranek sagt. «Wir haben zahlreiche Bewerbungen und sind im Moment am Verhandeln.»

Warum rentieren diese italienischen Lokale nicht mehr? Urs Emmenegger, Präsident von Gastro Nidwalden, sagt dazu: «Das ist bloss ein Abbild der landesweiten Gastroszene, es gibt immer noch viel zu viele Beizen.» Hart ins Gericht mit Einzelnen geht Gastro-Profi Herbert Huber. Er bemängelt die Qualität im Gastgewerbe und schreibt in seinem Buch, es gebe in der Schweiz rund «30 Prozent Gastroschrott». Sein Ratschlag: «Sprechen wir lieber von den Guten, den Innovativen und von denen, die an eine gastronomische Zukunft glauben».

Zu ist auch das «Roggerli» in Hergiswil (ganz links). (Bild Kurt Liembd)

Zu ist auch das «Roggerli» in Hergiswil (ganz links). (Bild Kurt Liembd)

Der Eingang des «Al Galeone» in Ennetbürgen ist wegen Konkurs amtlich versiegelt. (Bild: Kurt Liembd)

Der Eingang des «Al Galeone» in Ennetbürgen ist wegen Konkurs amtlich versiegelt. (Bild: Kurt Liembd)

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