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NIDWALDEN: Fussball-Mäzen lässt Gläubiger im Stich

Ein indischer Milliardär kauft in Hergiswil eine Luxuswohnung im noblen «Belvédère». Nun ist er weg, und es gibt Streit ums Geld.
Kurt Liembd
Die Seeresidenz Belvédère in Hergiswil. (Bild: Archiv Neue NZ)

Die Seeresidenz Belvédère in Hergiswil. (Bild: Archiv Neue NZ)

Vom Inhalt her tönt die Geschichte banal, die Umstände dazu sind jedoch bemerkenswert: Ein indischer Geschäftsmann und internationaler Investor im Fussballgeschäft erwirbt in Hergiswil eine Luxuswohnung in der Seeresidenz Belvédère. Diese lässt er mit teuren Extrawünschen ausstatten. Als die Wohnung fertig ist, hat er sich von dannen gemacht, ohne zu bezahlen. Der Verkäufer begleicht zwar die Handwerkerrechnungen, beruft sich aber beim Kantonsgericht auf das Bauhandwerkerpfandrecht, damit er zumindest einen Schuldtitel erhält und im schlimmsten Fall die Wohnung verwerten kann, falls der Eigentümer nicht zahlen wird.

Sechsstellige Forderungen

Käufer und Eigentümer der Luxuswohnung direkt am See ist der indische Milliardär Ahsan Ali Syed (40), der seinen Wohnsitz in Bahrain am Persischen Golf hat. Doch zurzeit ist er unauffindbar. Die Firma Schmid Immobilien AG, welche die Luxusresidenz erstellt hat, sitzt nun auf Forderungen von über 200 000 Franken, die sie bei Ahsan Ali Syed eintreiben will. Das dürfte aber nicht so leicht sein, wie an der Gerichtsverhandlung zu erfahren war. Die Verhandlung dauerte nur gerade zehn Minuten, da der Angeschuldigte wie erwartet nicht erschien.

Die Schmid Immobilien AG wurde vor Gericht von Rechtsanwalt Ralph Sigg vertreten. Dieser ist mit dem Bau der Luxusresidenz vertraut. Als ehemaliger Gemeindepräsident war er seinerzeit mit der Umzonung in die Sondernutzungszone an vorderster Front dabei. Rechtsanwalt Sigg sass als einziger Parteivertreter im Gerichtssaal. Der Fussball-Mäzen aus Indien liess sich auch nicht von einem Anwalt vertreten; sein Letzter aus Zürich hat das Mandat schon vor längerer Zeit niedergelegt.

Mit königlicher Unterschrift

Auch wenn der Sachverhalt klar scheint und die Schuldanerkennung schriftlich vorliegt, war es nicht bloss ein Fall für den Einzelrichter. Das Kantonsgericht erschien in dreiköpfiger Besetzung, da der Streitwert die Kompetenz eines Einzelrichters übersteigt. An der Verhandlung fragte Sigg, ob es dem Gericht gelungen sei, den Schuldner zu finden, und ob man diesem das Urteil nach Bahrain zustellen könne.

Gerichtspräsident Marcus Schenker antwortete, er nehme an, dass die Einladung zur Verhandlung zugestellt werden konnte. Schenker erklärte, die Akten seien via Schweizer Botschaft in Kuwait, die auch für Katar und Bahrain zuständig ist, versandt worden. Als Bestätigung zeigte Schenker ein Papier mit vielen Stempeln und noch mehr arabischen Schriftzeichen, auf dem sogar die königliche Unterschrift des Staatsoberhauptes von Bahrain sein soll. Eine konkrete Adresse des Schuldners liegt aber nicht vor. Dies mag auch nicht erstaunen, denn Ahsan Ali Syed ist ein Kosmopolit. So wohnt er in der Steueroase Bahrain, weil dieser Staat aufgrund seiner Wirtschaftslage keine Einkommenssteuern erhebt und die Mehrwertsteuer ausschliesslich auf Benzin erhoben wird.

Mit Blackburn Rovers geliebäugelt

Bekannt wurde Ahsan Ali Syed durch sein Engagement im internationalen Fussball-Geschäft. Er kaufte im Jahr 2011 den Fussball-Verein Racing Santander, der damals in der höchsten spanischen Liga spielte. Dies mit wenig sportlichem Erfolg, denn Ende der Saison 2011/12 stieg der Club als Tabellenletzter in die Segunda Division ab.

Vor dem Kauf von Santander war er bereits mit dem englischen Fussball-Club Blackburn Rovers in Verhandlung. Da dieser aber einen zu hohen Schuldenberg aufwies, entschied er sich für den spanischen Verein und verwirklichte sich damit einen lang gehegten Wunsch. «Sport war schon immer eine gute Investitionsmöglichkeit, besonders wenn sie Leidenschaft und Traum verbindet», sagte er damals gegenüber deutschen Sportzeitungen. «Mein Traum war es immer, einen eigenen Fussball-Verein zu besitzen und meinem eigenen Team beim Spielen zuzusehen.» Bleibt abzuwarten, ob er selber für die Gläubiger in Hergiswil zum Albtraum wird.

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