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NIDWALDEN: Gebürtige Russin wird Gemeinderätin von Wolfenschiessen

Im Juli 2015 zieht Daria Christen nach Wolfenschiessen. Im April 2016 wird sie Gemeinderätin. Sie stammt aus Russland, ihre neue Heimat ist die SVP.
Marion Wannemacher
Daria Christen (49) vor dem Gemeindehaus Wolfenschiessen. (Bild Corinne Glanzmann)

Daria Christen (49) vor dem Gemeindehaus Wolfenschiessen. (Bild Corinne Glanzmann)

Marion Wannemacher

«Ich möchte zum Wohl für Wolfenschiessen beitragen und die Arbeit meines Ehemanns fortsetzen. Es ist mir wichtig, dass der Standort attraktiver wird, und ich möchte, dass Wolfenschiessen nicht für immer den höchsten Steuersatz behält.» Daria Christen hat sich gut vorbereitet. Auf mehreren handgeschriebenen Seiten hat die neue Gemeinderätin für unser Gespräch ihre Statements verfasst, ihre Antworten sind durchdacht und diplomatisch, ganz in Politikermanier.

Geübt in Diplomatie

Die gebürtige Russin zeigt sich begeistert von der Schweiz, dem Volk und der Schweizer Politik. Die Frage, was ihr hier nicht gefällt, beantwortet sie gewandt: «Das Wetter zurzeit.» Seit 1992 ist Christen in der Schweiz, 1997 bekam sie den Pass. Ihren ersten Mann hatte sie sehr jung in Moskau bei einem Autounfall verloren. In Buochs lebte sie in zweiter Ehe mit einem Schweizer. Daria Christen hat aus dieser Ehe eine Tochter und einen Sohn, beide erwachsen, bereits sind Grosskinder da. Wie eine Grossmutter sieht die 49-jährige attraktive, gertenschlanke Frau aber nicht aus.

In ihrer Anfangszeit hier habe sie im Café Piccadilly gearbeitet. «Ich kannte weder die Sprache noch das Geld und gab an meinem ersten Arbeitstag zu viel heraus», erzählt sie lachend. «Ich war sehr überrascht, als man mir Geld zurückgab. Ehrlichkeit, Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit schätzen wir in Russland. Hier ist das normal. Die Werte, die man in der Schweiz lebt, sind mir auch wichtig», betont sie. Und kommt ins Schwärmen über das politische System, die Lebensqualität, das Bildungssystem und die Gesundheitsversorgung.

Ungläubiges Staunen in Russland

«Wenn jemandem etwas nicht gefällt, hat jeder Bürger die Chance, das zu ändern. Die direkte Demokratie in der Schweiz ist einmalig.» In Russland glaube man ihr nicht, dass man hier über Steuern abstimmen könne. Kontakte hat sie noch zu Freunden in Russland. Ihre Blutsverwandten seien bereits tot, erzählt sie. Geboren ist Daria Christen in Moskau, als Kleinkind lebte sie mit ihren Eltern – der Vater war Wirtschaftsberater bei der russischen Botschaft – in Nairobi. Die Schul- und Studienzeit verbrachte sie in Moskau, wo sie Lebensmittelingenieurin studierte. Nach der Handelsschule in der Schweiz war sie 17 Jahre in einem russischen Stahlkonzern Chefin der Finanz- und Akkreditivabteilung. In dieser Zeit machte sie an der Universität Zürich ihren Executive MBA. Zurzeit bildet sie sich zur Immobilienfachfrau weiter. «Ich habe den Wunsch, Ende Jahr abzuschliessen.»

«Learning by doing»

Doch die grosse Herausforderung liegt im Moment vor allem in ihrem neuen Amt als Gemeinderätin in Wolfenschiessen, das sie am 21. Mai antrat. Ausserdem ist Christen noch Aktuarin der SVP Horw und Vizepräsidentin der SVP Wolfenschiessen. Wie lernt man als gebürtige Russin Schweizer Politik? «Indem man sich einfach involviert», sagt sie. «Das ist learning by doing.» Sie habe in Horw unter einem sehr erfahrenen Präsidenten als Aktuarin angefangen und von ihm viel gelernt: «Er ist ein Visionär.» Sie wolle ihre Amtsperiode von vier Jahren dort zu Ende bringen.

Wie passt eine Russin in die nicht gerade als ausländerfreundlich geltende SVP? «Es ist nicht richtig ausgedrückt, dass die SVP ausländerfeindlich sei, die SVP ist kriminellenfeindlich. Wir haben sehr viele Leute mit Migrationshintergrund bei der SVP», betont sie. «Die SVP repräsentiert am ehesten meine Gesinnung, weil sie die Schweizer Werte in Freiheit und Unabhängigkeit vertritt, die mir so wichtig sind.»

Seit Juli 2015 lebt Daria Christen in Wolfenschiessen. Ihren dritten Mann, den ehemaligen Gemeindepräsidenten Roland Theo Christen, kannte sie, seit sie nach Buochs gezogen war. «Sein inzwischen verstorbener Bruder ist mit einer Freundin von mir verheiratet. So sahen wir uns immer wieder an runden Geburtstagen. Wir haben uns immer sehr gut verstanden. Aus Freundschaft ist immer mehr entstanden. Letztes Jahr haben wir dann entschieden, zusammenzuziehen und zu heiraten.»

Ehemann starb kurz nach Hochzeit

Damals sei Roland Theo Christen schon nicht mehr so gesund gewesen, erzählt Daria Christen. Sein Tod, fünf Tage nach der Hochzeit durch Herzversagen, sei aber plötzlich gekommen. Und gab zu reden. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an, wie das bei nicht zweifelsfreier Todesursache üblich sei. Das Verfahren wurde später eingestellt, wie es auf Anfrage hiess. Vom Dorftratsch sei nichts an ihre Ohren gelangt, sagt die Witwe. «Heisst es nicht: ‹Nur kleine Kätzchen haben alle gern?›. Mich müssen nicht alle gern haben», sagt sie und hält weiter fest: «Mir sagten die Leute immer wieder: ‹Es ist toll, wie du es machst in der schwierigen Situation.› Ich bin in der glücklichen Lage, dass ich sehr verwurzelt bin und gute Freunde habe.»

Mit dem Sohn Mundart geübt

Die Anfrage für eine Gemeinderatskandidatur habe sie überrascht. Die SVP habe sie daraufhin unterstützt. Dass sie im April in stiller Wahl als Nachfolgerin des parteilosen Wendelin Odermatt in den Gemeinderat kam, bereitet Daria Christen keine Probleme. «Parteikollegen haben mich darauf hingewiesen», dass ich nicht die erste Gemeinderätin in stiller Wahl bin.» Sie habe sehr viele positive Reaktionen erhalten, «Gratulationen auch von Leuten, die ich nicht kannte». Der Sohn habe mit ihr für die Gemeindeversammlung Mundart geübt. Am Schluss lud sie alle namens der SVP zum Apéro ein.

Christen ist nun Chefin Ver- und Entsorgung. In einer schwierigen Phase: Aufgrund von Unstimmigkeiten trat vergangene Woche der Gemeindepräsident zurück. «Das ist keine einfache Zeit, ich bedaure den Rücktritt, bin aber unbelastet von den Informationen.» Wie es mit dem Präsidentenamt weitergehe, wisse sie nicht. «Ich bin genug gefordert», schiebt sie die Frage weit von sich, ob sie auch gleich noch dafür kandidieren wolle.

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