Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

NIDWALDEN: Genossenschaft sucht per Inserat Land

Die Mietpreise in Nidwalden gehören zu den höchsten in der Schweiz. Mit einem neuen Förderungsgesetz werden Anreize für den Bau von preisgünstigen Wohnungen geschaffen. Doch das Vorhaben funktioniert nur, wenn die Gemeinden mitmachen.
Philipp Unterschütz
Die kantonalen Unterschiede bezüglich des Mietpreises. (Bild: Grafik LZ)

Die kantonalen Unterschiede bezüglich des Mietpreises. (Bild: Grafik LZ)

Um bezahlbaren Wohnraum im Alter zu schaffen, wurde im September 2014 in der Gemeinde Oberdorf eine Wohnbaugenossenschaft gegründet. «Es war uns bewusst, dass die grösste Schwierigkeit die Suche nach günstigem Bauland sein wird, und wir uns auf einen langfristigen Prozess einlassen», sagt Doris Hellmüller, Präsidentin der Baugenossenschaft. Tatsächlich ist man nach zwei Jahren noch weit vom Ziel entfernt, geeignetes Land zu günstigen Konditionen oder im Baurecht erwerben zu können. Gespräche mit Landeigentümern haben bisher nicht gefruchtet. Nun versucht es die Genossenschaft auf anderem Weg: Sie hat Inserate geschaltet. Wer bei der Landsuche weiterhelfen könne, solle sich bitte melden.

Die Situation – dass es nicht nur in Oberdorf, sondern im ganzen Kanton an bezahlbarem Wohnraum mangelt – ist ein offenes Geheimnis. Ein Blick zurück in die Entwicklung der Mietpreise verdeutlicht dies. Seit dem Jahr 2000 sind die Mietpreise in Nidwalden um 26 Prozent gestiegen. Alleine zwischen 2010 und 2014 nahm der durchschnittliche Mietpreis um rund 100 Franken zu (siehe Grafik). Zum Vergleich: In Obwalden waren es in der gleichen Zeitspanne 20 Franken. Nidwalden liegt bei den Mietpreisen nach Zug, Schwyz und Zürich an vierter Stelle.

Werden den Worten auch Taten folgen?

Dass man diesem Trend Einhalt gebieten will, zeigten die Stimmbürger im September 2014. Sie erteilten dem Kanton den Auftrag, ein Wohnraumförderungsgesetz zu erarbeiten. Das Anliegen kam ursprünglich aus linken Kreisen. So soll eine neue Zone mit Nutzungsbonus geschaffen werden. Gemeinnützige Wohnbauträger könnten höher und breiter bauen. Zudem sollen sich Gemeinden und der Kanton künftig am Kapital von gemeinnützigen Wohnbauträgern beteiligen können. Die entsprechende Gesetzesvorlage wird demnächst im Landrat behandelt.

Ob und was sich in Sachen bezahlbarer Wohnraum künftig tut, wird auch in Oberdorf massgeblich von der Gemeinde abhängen. Die Genossenschaft und die Gemeinde arbeiteten bisher nicht zusammen. Gespräche hätten aber stattgefunden, bestätigt Gemeindepräsidentin Judith Odermatt. Man sei daran, bis Ende Jahr ein Altersleitbild zu erarbeiten, in dem auch das Wohnen im Alter ein Thema sei. «Uns ist sehr wohl bewusst, wie wichtig das Thema ist», sagt Judith Odermatt, die selber 13 Jahre im Altersbereich gearbeitet hat. «Erst wollen wir nun das Altersleitbild abwarten, bevor wir über das weitere Vorgehen beraten können.»

In der Arbeitsgruppe Altersleitbild, in der auch zwei Mitglieder der Wohnbaugenossenschaft sitzen, stellte diese Woche Heinz Stauch das Projekt «Leben 60+» vor, in dessen Rahmen die Zürcher Gemeinde Nürensdorf 31 preisgünstige Wohnungen realisierte. Der ehemalige Gemeindeschreiber räumte ein, dass das Vorhaben im Zusammenhang mit der Entwicklung eines neuen Ortskerns 16 Jahre andauerte. Die Gemeinde habe Bauland verkauft, um besser geeignetes Land erwerben zu können. Sie gründete eine Wohnbaugenossenschaft und setzte das Projekt um. Auch Heinz Stauch sagt: «Gemeinden müssen eine Führerschaft übernehmen und der politische Wille muss da sein, um so etwas realisieren zu können.»

Wohltäter sind Mangelware

In Oberdorf könnte sich in nicht allzu ferner Zeit ebenfalls eine Chance bieten, günstigen Wohnraum zu schaffen. Die Gemeinde hat eine Absichtserklärung unterschrieben, um vom Kanton eine 2600 Quadratmeter grosse Parzelle auf dem ehemaligen Landsgemeindeplatz im Baurecht zu übernehmen. Was da entstehen könnte, ist laut Judith Odermatt aber noch völlig offen. Ebenso, ob dann die Gemeinde allenfalls eine Zone mit Nutzungsbonus nach dem neuen Wohnraumförderungsgesetz schaffen könnte.

Wie es erfolgreich geht, hat zum Beispiel Stansstad bewiesen. Die Stiftung Altersfürsorge hat insgesamt bereits 72 preisgünstige Wohnungen für Senioren in der Alterssiedlung Riedsunnä realisiert. Die Gemeinde war Mitbegründer der Stiftung und versorgte sie mit Land im Baurecht zu einem symbolischen Preis.

Auch bei der Stiftung «Wohnen und Arbeiten in Wolfenschiessen» war die Gemeinde Mitbegründer und bewilligte ein zinsloses Darlehen. Zehn altersgerechte Wohnungen sind entstanden. Möglich wurde das Projekt aber erst durch eine grosszügige Spende. Der mittlerweile verstorbene, ehemalige Gemeindepräsident Roland Christen überliess der Stiftung die nötige Landparzelle zu einem Tiefstpreis und spendete zusätzlich eine Million Franken. Doch die Aussichten auf neuerliche Wohltäter wie Christen sind gering, auch wenn dieser damals gegenüber unserer Zeitung sagte: «Es gibt einige in der Region, die genug Geld haben. Das Engagement dürfte durchaus grösser sein.»

Karl Graf, Präsident der Stiftung Riedsunnä in Stansstad, bringt es auf den Punkt und sagt: «Auch die besten Altersleitbilder nützen letztlich wenig, wenn kein Geld fliesst.»

Philipp Unterschütz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.