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NIDWALDEN: Grat zwischen Neugier und Rauschtrinken ist schmal

Unter 16-Jährige greifen heute weniger zu Suchtmitteln als früher. Dennoch sind Kontrollen der Polizei vonnöten. Folgen des Rauschtrinkens seien nicht zu unterschätzen, klärt die Suchtpräventionsstelle auf.
Jugendliche prosten sich auf einem öffentlichen Platz mit einem Bier zu. (Bild: Boris Bürgisser)

Jugendliche prosten sich auf einem öffentlichen Platz mit einem Bier zu. (Bild: Boris Bürgisser)

Es ist Samstagabend, ein paar ­Jugendliche im Alter von zirka 16 Jahren sitzen im Kreis. Ein Joint macht die Runde. Daneben treiben sich Gleichaltrige mit hochprozentigem Alkohol herum. Regelmässig begibt sich die Nidwaldner Polizei auf bekannte Plätze, wo sich Jugendliche aufhalten, um sie auf illegalen Suchtmittelkonsum zu kontrollieren.

Im Jugendalter gehört das Sammeln von Grenzerfahrungen und die Suche nach Grenzen dazu. Gemäss einer nationalen Studie, die sich wiederkehrend mit dem Gesundheitsverhalten von 11- bis 15-Jährigen befasst, ist es beim Alkoholkonsum vor allem der Spassfaktor, damit sie eine Party besser geniessen können. Mädchen geben zusätzlich häufig das Verdrängen von Problemen an. Problematisch wird es, wenn aus Spass und Neugierde ein riskanter Konsum entsteht. Die Grenze dazwischen ist gering und besonders im jungen Alter schwer zu unterscheiden. «Der Konsum von Alkohol und Tabak hat bei Jugendlichen in den letzten Jahren zwar abgenommen, dennoch ist das Rauschtrinken häufig anzutreffen», sagt Corinne Eisler, Programmleiterin Alkoholprävention der Nidwaldner Fachstelle Gesundheitsförderung und Integration. Sie fügt an: «Je früher der Erstkonsum ist, desto grösser ist die Wahrscheinlichkeit, später einmal eine Suchtproblematik zu entwickeln.»

Digitale Medien – ein Grund für den Rückgang?

Auf präventiver Ebene versuche man Jugendliche zu stärken, damit sie über den eigenen Konsum nachdenken und sich getrauen, im Falle von Gruppenzwang Nein zu sagen – und zudem lernen, mit Problemen im Alltag umzugehen. Eine grosse Hilfe seien die Eltern. «Sie sollen sich gemeinsam mit ihren Kindern offen und ehrlich mit diesem Thema auseinandersetzen», rät Corinne Eisler. Um die Jugendlichen auf die mit Betäubungsmitteln verbundenen Gefahren hinzuweisen, leisten Polizisten bei Schulbesuchen ­regelmässig Aufklärungsarbeit. «Durch gezielte Präsenz an gefährdeten Orten haben die Anzeigen wegen Betäubungsmittelkonsums in den letzten Jahren abgenommen. Wir hoffen, auch mit den Präventionsvorträgen an den Schulen dazu beigetragen zu haben», sagt Marco Fux, stellvertretender Kripochef der Kantonspolizei, auf Anfrage. Dennoch kommt es vor, dass Jugendliche unter 16 Jahren ertappt werden, wie sie Alkohol, Tabak- oder Cannabis bei sich tragen oder konsumiert haben.

Die Aussagen von Marco Fux werden von der Stiftung Sucht Schweiz bestätigt, die sich mit dem Konsum von Alkohol und anderen psychoaktiven Substanzen befasst. «Die 15-Jährigen von heute sind im Umgang mit Suchtmitteln zurückhaltender als früher», schreibt sie auf ihrer Website. Besonders der Alkohol- und Tabakkonsum sei in der ganzen Schweiz stark zurückgegangen, der Cannabiskonsum indes nur leicht. Laut Sucht Schweiz seien das gestiegene Gesundheitsbewusstsein oder die wegen der digitalen Medien mehr zu Hause verbrachte Zeit mögliche Gründe für die Abnahme.

Mit Testkäufen werden Läden sensibilisiert

Wie Jugendliche unter 16 Jahren illegal zu Betäubungsmitteln kommen, ist vielfältig. Meistens dienen ältere Kollegen, Erwachsene oder Verkaufsstellen als Quelle. «Wenn man trinken oder rauchen möchte, findet man immer einen Weg», so Corinne Eisler. Um die Betriebe zusätzlich zu sensibilisieren, werden wie in anderen Kantonen auch in Nidwalden Testkäufe durchgeführt. Dabei wird überprüft, ob beim Alkohol- und Tabakverkauf das Alter der jungen Kunden kontrolliert wird. Die letzte grosse Testkaufserie war 2013. Dabei verkauften rund ein Drittel der Betriebe Bier an unter 16-Jährige, etwa jeder fünfte Laden gab Spirituosen oder Tabak an Jugendliche ab, obschon diese noch zu jung dafür waren. «Bei den Testkäufen geht es vor allem um die Unterstützung der Betriebe bei der Umsetzung der Gesetze, nicht um Bestrafung», hält Eisler fest.

«Ausprobieren in einem geschützten Rahmen ist legitim, doch braucht es eine reflektierte Auseinandersetzung mit Betäubungsmitteln, damit Jugendliche einen bewussten Umgang mit den Substanzen lernen», fährt Corinne Eisler fort. Ihnen fehle meist die Erfahrung, wie viel Alkohol sie vertragen. Die Stiftung Sucht Schweiz weist darauf hin, dass Alkohol im Jugendalter körperliche Entwicklungsprozesse wie das Knochenwachstum negativ beeinflussen kann. Eisler ergänzt: «Die Hirnentwicklung ist erst nach dem 20. Lebensjahr abgeschlossen. Bei übermässigem Konsum besteht die Gefahr, dass die Lern- und Entscheidungsfähigkeit beeinträchtigt wird.»

Hinweis

Dieser Artikel von Valentina Medici, Jana Niedermann und Rahel von Rotz ist ein Produkt der Sonderwoche der 4. Klassen am Kollegi Stans. Die drei Schülerinnen haben das Atelier «Printmedien» gewählt und bei unserer Zeitung Redaktionsluft geschnuppert.

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