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NIDWALDEN: Grosses Geheimnis um kleine Glocke

Eine kleine Geschichte, die illustriert, was die Nidwaldner Verwaltung lieber nicht in der Zeitung lesen möchte.
Markus von Rotz
Die Glocke im Turm des Nidwaldner Rathauses. (Bild: Markus von Rotz)

Die Glocke im Turm des Nidwaldner Rathauses. (Bild: Markus von Rotz)

Markus von Rotz

markus.vonrotz@nidwaldnerzeitung.ch

Wenn Sie diesen Text lesen, brauchen Sie etwas Vorstellungsvermögen. Denn worüber wir hier schreiben, das dürfen wir nicht zeigen. Es sei «Blödsinn» und wäre dem Image des Kantons abträglich, wenn man das sehen könnte, wurde uns beim Kanton beschieden.

Doch beginnen wir von vorne. Es ist Mittag im Frühsommer, der Landrat hat getagt. Einzelne Mitglieder geniessen an der Sonne im Restaurant im Dorf Stans ihr Mittagessen. Dann ertönt wieder einmal die spezielle Glocke überm Rathaus – als Aufforderung an die Landräte, zurück in den Saal zu gehen. Diese Glocke – darum geht’s im grossen Geheimnis – muss jeweils vom Landweibel von Hand betätigt werden. Das bestätigt an jenem Mittag der damalige Landratspräsident auf Nachfrage. Und er malt das so blumig aus, dass man als Journalist unbedingt zeigen will, wie der Weibel am Seil zieht. Gesagt, gehört – und vergessen.

Irgendwann später im Umfeld einer Landratssitzung erinnern wir uns an das Gespräch. Wir würden gerne das Glöggli zeigen und fragen bei der Verwaltung nach. Nichts da. Das müsse die Öffentlichkeit nicht wissen, der Kanton stehe nicht gut da, wenn man das zeige, wird uns schroff beschieden. Argumente, das sei doch etwas Spezielles und was zum Schmunzeln, kommen nicht gut an.

Neben der Badewanne wird am Seil gezogen

Also braucht es eben Vorstellungskraft. Die Wohnung im Dachgeschoss wurde vor Jahren eingebaut. Und da war dann eben das Zugseil für diese Glocke an einem unpassenden Ort. Und weil die Wohnung vermietet ist, muss nun der Landweibel jeweils eine Viertelstunde vor Sitzungsbeginn des Landrats am Morgen und am frühen Nachmittag raufsteigen und neben der Badewanne – offenbar nicht drinnen oder auf deren Rand, wie auch zuweilen kolportiert wurde – fünf Minuten läuten. Damit die Landräte wissen, was es geschlagen hat.

Es soll Bestandteil des Mietvertrags sein, dass der Landweibel jeweils zum lange voraus bekannten Termin der Landratssitzung auftaucht und die Tür zur Wohnung aufschliesst. Im gleichen Dachgeschoss ist auch die Lüftungsanlage für den Landratssaal untergebracht. Wahrlich ein wichtiger Ort: Ohne diesen kämen die Landräte unpünktlich und im Sitzungssaal würde dicke Luft herrschen.

Stimmbürger nicht verunsichern

Es wird unterschiedliche Meinungen dazu geben, ob dies nun sinnvolles oder nutzloses Wissen über eine kleine Glocke im Rathaus ist. Doch aus der gleichen kantonalen Verwaltung kommen zuweilen auch andere Signale, was man lieber nicht in der Zeitung haben möchte. So wurde uns etwa im November vor der Abstimmung über die Flugplatzvorlage beschieden, es bringe doch nichts, über eine eingegangene Stimmrechtsbeschwerde zu berichten. Ob das wirklich nötig sei, wurden wir gefragt, denn damit würden ja nur die Stimmbürger verunsichert. Das hiess es im vollen Bewusstsein, dass es um ein demokratisches Mittel geht. Genau darum legen wir auch über diese geheimnisvolle Glocke nicht den Mantel des Schweigens.

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