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NIDWALDEN: Grüner Seitenhieb an Adresse des Elektrizitätswerk Nidwalden

Leo Amstutz stellt den Strategen des kantonalen Elektrizitätswerks ein lausiges Zeugnis aus. Seine forschen Aussagen im Landrat blieben nicht unbeantwortet.
Oliver Mattmann
«Wir verlangen von den Strategen, aus dem Schatten der Kühltürme hervorzukommen.» Leo Amstutz, Präsident Grüne NW. (Bild: pd)

«Wir verlangen von den Strategen, aus dem Schatten der Kühltürme hervorzukommen.» Leo Amstutz, Präsident Grüne NW. (Bild: pd)

Oliver Mattmann

Eines der letzten Traktanden war an der jüngsten Landratssitzung die Genehmigung der Jahresrechnung 2015 des Elektrizitätswerks Nidwalden (EWN). Statt es wie üblich bei einer Formsache bewenden zu lassen, holte Leo Amstutz, Präsident der Grünen, bei dieser Gelegenheit zum Rundumschlag gegen die EWN-Chefetage aus. Stein des Anstosses war offenbar die kürzlich kommunizierte Sistierung des Solaranlagenprojekts auf der Autobahngalerie bei Stansstad (wir berichteten). «Es kommt uns vor, als ob die EWN-Strategen das Gefühl haben, der lang begonnene Atomausstieg könne durch sie noch aufgehalten werden.» Nicht in erneuerbare Energien zu investieren, mache Nidwalden abhängiger von externem, zugekauftem Strom, so Amstutz. «Wir verlangen von den Strategen, endlich aus dem Schatten der Kühltürme hervorzukommen und ihre Verantwortung wahrzunehmen», enervierte sich der grüne Landrat an der Sitzung vom letzten Mittwoch.

Zwar sah auch Amstutz ein, dass die Situation auf dem Strommarkt mit teils stark staatlich subventionierter Energie aus dem Ausland nicht einfach ist. «Doch wir erwarten von einem EWN-Verwaltungsrat, dass er fähig ist zu antizipieren und nach vorne schaut, anstatt den Kopf in den Sand zu stecken.» Was heute als nicht wirtschaftlich erscheint, könne schon morgen rentabel sein. Die Tatsache, dass mit dem Solardach über der A 2 aber nicht mal ein Promille des gesamten Strombedarfs in Nidwalden hätte gedeckt werden können, tat dem Ärger von Amstutz offensichtlich keinen Abbruch.

Billigstrom setzt dem EWN zu

Mit seinen markigen Aussagen rief er SVP-Landrat Peter Wyss auf den Plan. Dieser sitzt in der landrätlichen Aufsichtskommission, die sich mit den selbstständigen Anstalten des Kantons, also auch dem EWN, auseinandersetzt. «Nach den schöngeistigen Theorien der Grünen kommen wir zurück auf den Boden der Realität», setzte er zur Retourkutsche an. Diese präsentiert sich gemäss Wyss folgendermassen: «Auf dem Markt ist derzeit billiger Strom erhältlich. Das EWN musste bitter erfahren, dass der Einheimischenbonus bei dieser Ausgangslage nichts mehr zählt.» Man sei in Kenntnis von Grosskunden (mehr als 100 000 Kilowattstunden pro Jahr), die dem Stromunternehmen den Rücken zugekehrt haben, weil sie anderswo günstiger Energie erhalten, so Peter Wyss weiter.

Sein grüner Widersacher räumte ein, dass der Strompreis derzeit volatil sei. Doch dieser werde sich wieder erholen, gab sich Amstutz überzeugt. «Und wenn der Strommarkt mit subventionierter Energie einmal nicht mehr funktioniert, müssen wir gewappnet sein.» Ein anderes Szenario zeichnete Peter Wyss: «Wenn es so weitergeht, wird in einigen Jahren, wenn die totale Strommarktöffnung erfolgt, jeder Einzelne dort den Strom kaufen, wo er am billigsten ist.» Spätestens dann werde die Wirtschaftlichkeit des EWN auf eine harte Probe gestellt. Während des Schlagabtausches kam Leo Amstutz auch auf die Wasserkraft zu sprechen. Diese habe Zukunft, und die entsprechenden Technologien gäbe es bereits. «Wir müssen nicht so tun, als ob es die Grünen herbeibeten wollen», sagte Amstutz mit bestimmtem Unterton.

Der Appell des Regierungsrates

Dem guten Willen hatte Energiedirektor Ueli Amstad, wie Wyss ebenfalls SVP-Politiker, zwar nichts abzusprechen. «Doch die Möglichkeiten, nebst bestehenden Anlagen in Nidwalden noch Wasserkraft zu nutzen, sind relativ klein.» Auch er unterstrich, dass der Preis der heimischen Wasserkraftenergie mit ihren Entstehungskosten nicht mit dem Preis auf der Strombörse mithalten könne.

Und beim Thema Fotovoltaikanlagen appellierte Amstad an alle, ihre Eigenverantwortung wahrzunehmen. Für Energie, die vom Solardach auf dem eigenen Haus ins Netz eingespiesen werde, erhielten Besitzer einen respektablen Beitrag. «Das ist doch Förderung», rief er in den Landratssaal.

Fazit: Wie das EWN aus der Strommarktliberalisierung und der Trendwende hin zu erneuerbaren Energien hervorgehen wird, ist derzeit schwer abzuschätzen. Immerhin hatte die angeheizte Debatte keinen Einfluss auf die Abstimmung zur Jahresrechnung. Diese wurde mit 46 Stimmen bei einigen Enthaltungen angenommen. Eine Jahresrechnung übrigens, die wie berichtet, mit einem Jahresgewinn von 7,5 Millionen Franken abschloss.

«Wenn es so weitergeht, wird jeder dort den Strom kaufen, wo er am billigsten ist.» Peter Wyss, SVP-Landrat. (Bild: pd)

«Wenn es so weitergeht, wird jeder dort den Strom kaufen, wo er am billigsten ist.» Peter Wyss, SVP-Landrat. (Bild: pd)

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