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NIDWALDEN: Hergiswil trotzt dem Ärztemangel

Es brauchte die tatkräftige Unterstützung der Gemeinde, dass es weiterhin zwei Hausarztpraxen in Hergiswil gibt. Angesichts der Bevölkerungszahl wären eigentlich gar vier Ärzte nötig. Hergiswil ist kein Einzelfall.
Philipp Unterschütz
Ein Hausarzt untersucht eine Patientin. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Ein Hausarzt untersucht eine Patientin. (Symbolbild) (Bild: Keystone)

Philipp Unterschütz

philipp.unterschuetz@ nidwaldnerzeitung.ch

Zwei Hausärzte sind in den letzten fünf Jahren in Hergiswil in Pension gegangen. In beiden Fällen gelang es nicht, Nachfolger für die Praxen zu finden. Und auch Martin Sigg, einer der beiden verbleibenden Hausärzte, suchte schon länger jemanden, der seine Patienten übernimmt. Lange sah es so aus, als würde es nicht gelingen. Hergiswil hätte damit in der ärztlichen Grundversorgung ein Engpass gedroht. Mit Unterstützung der Gemeinde ist es nun aber gelungen, das Ungemach abzuwenden. Wie schwierig es war, einen Nachfolger für die Praxis zu finden, hat auch Gemeindepräsident Remo Zberg erstaunt. «Wir hatten das Gefühl, dass Hergiswil eigentlich auch für einen Arzt eine attraktive Gemeinde sein sollte.» Es sei aber eben so, dass viele jüngere Ärzte Anstellungsverhältnisse mit geregelten Arbeitszeiten oder Teilzeitarbeit vorziehen würden. Oder sie möchten das unternehmerische Risiko einer Praxis nicht tragen. Aufgrund der Bevölkerungszahlen müsste Hergiswil eigentlich über vier Ärzte verfügen. Die schweizerische Ärztevereinigung (FMH) empfiehlt einen Hausarzt pro 1000 Einwohner als genügende medizinische Grundversorgung.

Schweizweit fehlen rund 2000 Ärzte

Hergiswil ist kein Einzelfall. Schweizweit wird es für ältere Ärzte immer schwieriger, ihre Praxen in jüngere Hände zu geben. Bereits heute fehlen laut Zahlen der FMH rund 2000 Ärzte, und das Problem werde sich noch verschlimmern, weil weitere 2000 Ärzte älter als 60 Jahre sind und bald in Pension gehen. Wie in Hergiswil setzen sich nun auch die Behörden vermehrt ein, um die medizinische Grundversorgung zu sichern.

Volker Zaugg, Leiter des Nidwaldner Gesundheitsamtes, beurteilt die ärztliche Versorgung im Kanton als «relativ gut». Man begleite Gemeinden und Ärzte so gut es gehe bei der Nachfolgesuche. «Eine Massnahme ist das Praxis-Assistenz-Programm. Damit ermöglichen wir Hausärzten in Ausbildung Praktika in Arztpraxen, wo bald einmal Nachwuchsregelungen nötig sind, und zusätzlich ein ergänzendes Praktikum im Spital.» So hat sich aus diesem Programm auch eine Nachfolgeregelung für eine Praxis in Ennetbürgen ergeben, die von zwei jungen Ärztinnen übernommen wird. In kleinen, peripheren Gemeinden könne es künftig aber schwieriger werden, Nachfolger für ältere Ärzte zu finden, befürchtet Volker Zaugg.

Gesundheitszentrum bleibt Fernziel

In Hergiswil war die Gemeinde bereits Mitte Mai 2017 aktiv geworden. Zusammen mit Hausarzt Martin Sigg, dem Kantonsspital und der Bauherrschaft der Neuüberbauung Wylpark als möglichem neuem, modernem Standort für eine Praxis wurde nach Lösungen gesucht. Kürzlich wurde ein erster Erfolg verbucht und ein Praxisübernahmevertrag zwischen Martin Sigg und Marcelo Walker unterzeichnet. Letzterer wird am 1. April seine Tätigkeit in Hergiswil aufnehmen. Im Herbst wird Sigg dann nach 35 Jahren als Hausarzt definitiv kürzertreten, aber weiterhin für Ferienvertretungen zur Verfügung stehen. «Zum Erfolg kam es, nachdem wir Beratung durch Gesundheitsökonomen in Anspruch nahmen. Diese haben einerseits Analysen gemacht, was Hergiswil braucht, und dank ihrer guten Kontakte und einer fachgerechten Ausschreibung den Nachfolger gefunden», erklärt Gemeindepräsident Zberg.

Marcelo Walker (38) ist Facharzt für Innere Medizin und stammt ursprünglich aus Hamburg. Seit einigen Jahren lebt er in Horw und arbeitete zuletzt in einer Hausarztpraxis in der Zentralschweiz. Bruno Lombardi, der bisher ebenfalls in der Praxis von Martin Sigg gearbeitet hatte, verlässt die Praxis auf den 1. April.

Laut Remo Zberg will Walker weitere Ärzte für seine neue Praxis suchen und zu einem späteren Zeitpunkt auch Überlegungen anstellen, ob ein Wechsel in den Wylpark ökonomisch sinnvoll und zweckmässig ist.

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