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NIDWALDEN: Hergiswiler Schauspieler ist in Deutschland angekommen

Aufgewachsen ist Paul Kaiser in Hergiswil, doch bald nach seiner Ausbildung an der Schauspielschule in Bern hat es ihn nach Deutschland verschlagen. Dort spielt er an Theatern und in TV-Serien. Der Erfolg erfordert Durchsetzungsvermögen.
Marion Wannemacher
Ist in Deutschland gefragt: der Schauspieler Paul Kaiser. (Bild: PD)

Ist in Deutschland gefragt: der Schauspieler Paul Kaiser. (Bild: PD)

Wer gern deutsches Fernsehen schaut, hat ihn bestimmt schon mal in Serien wie «Kommissarin Lucas», «Um Himmels willen» oder «Dahoam is Dahoam» gesehen. Oder vor einigen Wochen in «Die Bergretter». Darin spielt Paul Kaiser (53) den netten Gerichtsvollzieher, der den armen Bergbauern gar nicht pfänden will. In der «Tatort»-Folge «Kleine Prinzen» spielte er ebenfalls mit. Und im Politkabarett auf dem Nockherberg, dem bayerisch-traditionellen Singspiel, war er 2016 der Mann im Kopf von CSU-Chef Horst Seehofer. Vor dem Telefongespräch mit Kaiser kommt dieser gerade von einer Probe am Stadttheater Fürth bei Nürnberg. Dort spielt er im Brecht-Stück «Mutter Courage und ihre Kinder» die Rolle des Kochs.

Wie schaffte er es, in Deutschland anzukommen und sich durchzusetzen? «Der grössere Sprung ist, es an die Schauspielschule zu schaffen. Wenn man die absolviert hat, ist es eher normal, dass man an deutschen Bühnen landet. Dass man sich so lange hält und durchsetzt, ist dagegen vielleicht nicht so gewöhnlich», sagt er. Gelernt hat Kaiser Diplomschriftsetzer, von 1986 bis 1990 erwarb er an der Schauspielschule Bern, der heutigen Hochschule der Künste, den heutigen Beruf. Dann führten ihn Engagements an diverse Theater, etwa in Aachen, Graz, Lübeck oder Regensburg.

Kontakte zu knüpfen, ist für Schauspieler essenziell

2012 zog er nach München und entschloss sich, freischaffend tätig zu sein. Ein Schritt, den es hinreichend abzuwägen galt: «Wenn man freischaffend tätig sein will, ist das härter. Es dauert, bis es klappt mit den Kontakten, oder es klappt gar nicht.» Die Konkurrenz ist da: Sehr viele Kollegen möchten sich auch durchsetzen, und jedes Jahr kämen neue und jüngere von den Schulen, weiss der 53-Jährige. Während viele aus seiner Schauspielklasse heute nicht mehr im Beruf sind, hat er sich etabliert. Mittlerweile ist er vernetzt, wird beispielsweise engagiert über Kontakte im Metropoltheater München. «Dorthin kommen häufig die Caster. Man lernt sie kennen und bekommt Engagements, wenn sie welche besetzen.» Im Freilichttheater Wunsiedel in Oberfranken gehört Kaiser bereits zum Pool der immer wieder gebuchten Spieler.

Nidwaldner Dialekt musste er sich abgewöhnen

Aber auch mit einer eigenen Figur geht Paul Kaiser immer wieder auf die Bühne, dem «Doktor Wahn». In tiefgründig schrägen Betrachtungsweisen philosophiert er über Gott und die Welt. Den ursprünglichen Nidwaldner Dialekt, von dem Kaiser in der Fremde nahezu nichts eingebüsst hat, hört man im astreinen Bühnendeutsch nicht auch nur ansatzweise. «An der Schauspielschule hat man direkt zu Beginn zu uns gesagt: ‹Ab jetzt redet ihr nur noch Hochdeutsch, kauft ein auf Hochdeutsch und denkt auf Hochdeutsch.›» Er selbst habe das ernst genommen. Als er aber daheim in Nidwalden mit seiner Familie hochdeutsch gesprochen habe, gab es Kommentare wie «Etz isch er durä!», erzählt er.

Einige Male im Jahr verschlägt es Kaiser noch nach Hause. Schliesslich hat er acht Geschwister. Er ist auf einem Hof aufgewachsen, seine Eltern leben nicht mehr. In München gefalle es ihm zwar sehr gut, Regensburg ist jedoch zu seiner Wahlheimat geworden: «Meine Liebste stammt von da.» Aber immer wieder entdecke er auch mit seinen beiden mittlerweile erwachsenen und in Deutschland lebenden Töchtern aus ­seiner geschiedenen Ehe die Schweiz. Über mehr Engagements im Schweizer Fernsehen würde er sich freuen, verrät er.

Mentalitätsunterschiede zwischen Bayern und Nidwalden fallen ihm nicht so sehr auf: «Es sind beides Bergvölker. Es gibt unterschiedliche Typen in jedem Land, die hinterwäldlerische Sturheit, aber auch die völlig ausgeflippten Typen.» Kennt er kein Heimweh? «Doch, manchmal schon, aber manchmal merke ich auch gar nicht so, was mir fehlt. Ich gehe schon wahnsinnig gern allein in die Berge zum Wandern. Den Pilatus, den vermisse ich. Am liebsten würde ich gern mindestens einmal im Jahr auf dem Pilatus eine Tour machen. Aber das schaffe ich nicht immer.»

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@

nidwaldnerzeitung.ch

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